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Bistum Görlitz

Bei Kindern hat es der Weihnachtsmann schwer

Über die Arbeit als Weihnachtsmann auf Zeit

Die Geschäfte sind vor Weihnachten proppevoll. Die Anzahl und der Wert der Geschenke steigert sich von Jahr zu Jahr. Der eigentliche Grund des Weihnachtsfestes: die Geburt von Jesus, verblaßt hinter dem Konsumdenken. So erleben es die Weihnachtsmänner, die von den Arbeitsämtern vermittelt werden. Der Tag des Herrn hat in Görlitz und Cottbus nachgefragt..

Alle Jahre wieder ...sind Weihnachtsmänner und Weihnachtsfrauen heiß begehrt. Zu Weihnachtsfeiern im Betrieb, in Kindergärten oder zur trauten Familienzusammenkunft an Heilig Abend. Um die Wünsche der Großen und Kleinen zu erfüllen, vermitteln die Arbeitsämter Weihnachtsmänner, -frauen und manchmal auch Engel, damit nicht jedes Jahr der Nachbar von nebenan die Geschenke verteilen muß

"Vorwiegend sind es Studenten, die ihren Geldbeutel noch etwas füllen wollen", sagt der Abschnittsleiter der zuständigen Abteilung vom Cottbuser Arbeitsamt. Dagegen sei das Alter der Weihnachtsmänner, die das Arbeitsamt Görlitz vermittelt, breit gefächert, weiß Hannelore Klar von der Jobvermittlung zu berichten: "Unser ältester Weihnachtsmann ist 56 Jahre alt." Doch trotz des Altersunterschiedes gibt es unter den Weihnachtsmännern eine Gemeinsamkeit: "Vielen macht es solchen Spaß, daß sie sich Jahr für Jahr bei uns melden", so Hannelore Klar

Einer von diesen Weihnachtsmännern ist Peter Niegsch. Der 25jährige streift nun schon seit drei Jahren seinen roten Mantel und den weißen Bart über. "Mir macht das unheimlichen Spaß. Und da ich seit kurzem berufsunfähig bin, kann ich in diesem Jahr noch viel öfter den Weihnachtsmann spielen", erklärt der gelernte Bäcker. Seine Aufträge vermittelt ihm das Arbeitsamt Görlitz. In diesem Jahr vom 28. November bis 21. Dezember. Danach läßt er sich nur noch von Freunden und Bekannten ein Gedicht für die Geschenke vortragen

"Bei den offiziellen Aufträgen gehe ich am liebsten zu den Weihnachtsfeiern der 30- bis 40jährigen. Da ist immer eine tolle Stimmung. Und man kann Witze über den Chef reißen. - Als Weihnachtsmann ist man eine Respektperson und kann sich vieles erlauben", so die Erfahrung von Niegsch, der die Weihnachtsmann-Privilegien genießt. Zu vielen Weihnachtsfeiern nimmt er auch seinen Engel mit. "Das ist eine Freundin von mir, die etwas mehr als normal wiegt - was natürlich noch extra die Stimmung hebt.

Doch was ist mit einem Weihnachtsmann für die Kinder? "Aus meiner Erfahrung sind Kinder schwierig. Das kann man zwar nicht verallgemeinern, aber grundsätzlich hat man es bei ihnen als Weihnachtsmann schwer. Sie haben keinen Respekt mehr, weil sie anders erzogen sind", lautet die Meinung von Niegsch. Diesen Wandel sehe man ja schon im Fernsehen: "Zu Weihnachten kommen kaum noch schöne Märchen. Aber Aktionfilme, wie Terminator und ähnliche Geschichten schmücken das weihnachtliche Fernsehprogramm.

Eine weitere Beobachtung des amtierenden Weihnachtsmannes: "Ich bin zwar oft mit meinem Engel unterwegs. Dennoch wurde ich noch nie gebeten, irgendeinen religiösen Hintergrund einfließen zu lassen. Die Religion verblaßt meiner Meinung nach immer mehr.

Diese Aussage bestätigt Hannelore Klar: "Ab und zu wollen unsere Kunden zwar Knecht Ruprecht oder einen Engel. Ich kann mich jedoch nicht daran erinnern, daß ein christlicher Bezug gefordert wurde. - Aber der Kunde und der Weihnachtsmann sprechen die Gestaltung zusammen ab, so daß es auch sein könnte, daß manche einen religiösen Bezug wünschen.

Trotz des verblassenden christlichen Ursprungs des Weihnachtsfestes geht das Geschäft mit den Weihnachtsmännern gut. Im Durchschnitt können die Arbeitsämter in Görlitz und Cottbus jedes Jahr 20 Männer und Frauen vermitteln, denen sie auch die Kostüme zur Verfügung stellen. "Die Leute haben nichts gegen eine Weihnachtsfrau. Egal ob Mann oder Frau - die Hauptsache ist, daß sie mit dem Herzen dabei sind", erklärt Hannelore Klar

Und das scheint bei den meisten so zu sein; denn Weihnachtsmann-Kurse gibt es keine. Dafür aber genug Aufträge von Firmen, Kaufhäusern, Kindergärten, Schulen und Familien. "Entweder inserieren die Arbeitsämter oder es hat sich schon rumgesprochen, so daß die Anfragen von allein kommen", so das Arbeitsamt Cottbus

Das bestätigt auch Weihnachtsmann Niegsch: "Die Aufträge werden von Jahr zu Jahr mehr. Wenn man gut ist, spricht sich das eben rum. So habe ich dieses Jahr schon über tausend Mark verdient. Denn pro Auftrag bekomme ich um die 50 Mark. Doch obwohl das Geld stimmt, bin ich in der Weihnachtszeit Weihnachtsmann, weil es schlicht und einfach Spaß macht.

Katharina Funke

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 51 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 21.12.1997

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