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Aus der Region

Er machte die Ballade in Deutschland heimisch

Zum 250. Geburtstag von Gottfried August Bürger

Auch wer den Namen des Dichters Gottfried August Bürger nicht kennt, kennt wenigstens einige Geschichten des Lügenbarons Münchhausen. Mit dem 1786 erschienenen Buch "Baron Münchhausens Erzählungen seiner wunderbaren Reisen und Kriegsabenteuer in Rußland" ist Bürger weltberühmt geworden. Dabei hatte er den größten Teil dieser Geschichten gar nicht selbst erfunden: er hatte die ursprünglich aus Deutschland stammenden Erzählungen aus dem Englischen zurückübersetzt, sie bearbeitet, ergänzt und ihnen die Form gegeben, unter der wir sie bis heute lesen

Bürger erhielt für das Buch kein Honorar, seinen Namen ließ er auch nicht auf das Titelblatt drucken. Das hätte seinem Ruf als Professor für Ästhetik an der Universität Göttingen geschadet. Bürgers Verdienst liegt darin, daß er die Ballade literaturfähig gemacht hat. Vor ihm gab es in Deutschland lediglich volkstümlichen Bänkelsang. Darin ging es meist um schauerliche Begebenheiten. In England erlebte die Ballade als erzählende Dichtung ihre Wiedergeburt. Bürger machte sie in Deutschland heimisch. 1773 erschien seine Ballade "Lenore" und wurde ein Riesenerfolg. Es ist die deutsche Ballade schlechthin, die von Goethe und Schiller bis Fontane alle deutschen Balladenschreiber beeinflußte. Darin übertrug Bürger einen alten Sagenstoff unmittelbar in die Gegenwart: Ein gefallener Soldat holt sich seine Geliebte ins Grab. Bürger arbeitete mit Lautmalerei, er erzeugte eine grausige Stimmung. Der schnelle Ritt des Toten, der beim Morgengrauen wieder in seinem Grab sein muß, spiegelt sich wieder im Rhythmus der Verse

Wie flogen rechts, wie flogen links die Hügel, Bäum' und Hecken! Wie flogen links und rechts und links die Dörfer, Städt' und Flecken! "Graut Liebchen auch? Der Mond scheint hell! Hurra! die Toten reiten schnell! Graut Liebchen auch vor Toten?""Ach, laß sie ruhn, die Toten.

Bürgers Balladen und Gedichte sind von einer starken antifeudalistischen Kritik durchdrungen; kein anderer deutscher Dichter des Sturm und Drang ging in seinen Anklagen gegen Adelswillkür und Menschenverachtung so weit wie er. In "Der Bauer. An seinen Durchlauchtigen Tyrannen" heißt die letzte Strophe: "Ha! du wärst Obrigkeit von Gott? Gott spendet Segen aus; du raubst! du nicht von Gott, Tyrann!

Bürger wurde am 31. Dezember 1747 in Molmerswende im Harz als Sohn eines Predigers geboren. In Halle und Göttingen studierte er Theologie und Jura, wandte sich aber bald der Dichtung zu. In Göttingen schloß er sich dem Hainbund an, einem Kreis junger Dichter des Sturm und Drang. 1772 wurde Bürger in der Nähe von Göttingen Gerichtsamtmann, zwei Jahre später heiratete er Dorette Leonhart; zugleich liebte er deren erst 16jährige Schwester Auguste. Nach Dorettes Tod 1784 heiratete er sie. Auguste starb 1786 im Kindbett. Bürger blieb mit drei Kindern zurück. 1790 heiratete er erneut, wurde aber 1792 wieder geschieden. Am 8. Juni 1794 starb er verarmt und vom Leben enttäuscht in Göttingen. Schwer getroffen hatte ihn, daß der von ihm sehr verehrte Schiller 1791 seine Gedichte verrissen hatte. Damit hatte er nicht nur Bürgers Ansehen geschadet, sondern ihn auch menschlich verletzt

Jürgen Israel

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 51 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 21.12.1997

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