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Aus der Region

Kirche und Medien

Selbst entscheiden, was man sieht

Leipzig - Sind Sie mit Ihrem Fernsehprogramm unzufrieden und schimpfen auf die Medien? Empören Sie sich über brutale Thriller und entwürdigende Talk-Shows? Falls ja, dann drücken Sie diese Programme doch einfach weg. Zum Fernsehkonsum wird nämlich niemand gezwungen.

Vereinfacht lässt sich so eine der Kernaussagen des letzten Vortrages im Rahmen des diesjährigen Winterseminars ,,Kirche und Medien" in der Leipziger Propstei umreißen. "Ist die Einschaltquote alles?" stand als Frage zur Diskussion, und der Moraltheologe und Ethiker Professor Josef Römelt von der Theologischen Fakultät Erfurt referierte überzeugend seine Sicht auf die Rolle der "Medien zwischen Erfolgsdruck und Verantwortung". Für Medienschelte und verdrießliches Lamentieren über den moralischen Verfall der Programme verschwendete Römelt keine Minute. Stattdessen beschrieb er die moralische Aufgabe der Medien in einer demokratischen Gesellschaft ("Sicherung von Demokratie und Freiheit") und die Verantwortung der Konsumenten.

"Das Leben in der Demokratie funktioniert nur, wenn es eine mediale Kultur gibt", sagte Römelt. Zur Spiegelung der Befindlichkeiten und Sprache der Menschen bedürfe es der Medien, so der Professor. Was weiß ich über BSE, über Gentechnik? Welches wirtschaftliche Wissen habe ich, um anstehende Entscheidungen zu bewerten? In ihrer Pluralität lieferten die Medien Informationen und Anleitung. Sie zeigen, wo Hilflosigkeit herrscht, sie decken kompromisslos parteipolitischen Missbrauch der Demokratie auf. "Das erfordert ein hohes Maß an moralischem Einsatz", betonte Römelt.

Mit seiner idealistischen Beschreibung wolle er hervorheben, dass eine generelle Verurteilung der Medien oder die Angst vor ihnen unbegründet sind. Freilich träten auch Schwierigkeiten auf: Einerseits funktioniere der vielfältige Meinungsaustausch erst durch viele, auch privat finanzierte Fernsehsender, andererseits erhöhe sich durch diese Pluralität das Risiko ökonomischer Vereinnahmung. "In der Konkurrenz neigen Medien dazu, sich vom ökonomischen Zwang kaufen zu lassen", erklärte Römelt. Die Folge: Verzerrungen der Realität. Gegen ökonomische Entscheidungen der Sender sei hingegen nichts einzuwenden. Die Zuschauerzahlen diktieren die Werbepreise und so richtet sich das Programmangebot nach den vornehmlichen Zuschauerinteressen. Und die lauten nachweislich: Unterhaltung, Gewalt, Brutalität. "Die Menschen wollen Grausamkeit", sagte Römelt.

Den Ausweg aus dem Dilemma sieht Römelt in der notwendigen persönlichen moralischen Kultur der Medienproduzenten und -konsumenten: "Jeder hat eine eigene vom Schöpfer gegebene Orientierungsgabe". Diese sei für den Umgang mit Medien und auch für deren Korrektur unerlässlich. Die Aufgabe der Kirche bestehe laut Römelt da-rin, mit Bildungsarbeit die Unterscheidungsgabe der Menschen zu schulen. "Wie differenziert nutzen wir selbst das Angebot der Medien", fragt Römelt und verweist auf die Eigenverantwortung der Zuschauer. Eine gesonderte Problematik stelle der Schutz der Minderjährigen dar. Dort seien vor allem die Elternhäuser gefragt. Sinnquellen als Hilfe bei der Gewissensbildung liefere das christliche Menschenbild, die nötige Kraft stelle der Dialog mit Gott bereit. Die Zuhörer forderte Professor Römelt auf, so selbst zu erkennen, "was gut tut und was nicht."

Das Publikum reagierte kritisch auf die Ausführungen des Ethikers. Skepsis herrschte da-rüber, dass allein die persönliche Moral ein Gegengewicht zur Medienflut sein könne. Auch die Pluralität wurde in Frage gestellt, da hinter vermeintlich vielen Sendern riesige Medienkonzerne agierten und viele gesellschaftliche Gruppen nicht zu Wort kämen. Nicht die privaten, sondern eher die öffentlich-rechtlichen Sender würden tatsächlich für Pluralität sorgen.

Ein kritisches Wort der Kirche wünschte eine Zuhörerin in Bezug auf die Voyeurismusbefriedigung im Fernsehen. Sammelliegen und Sauna bei der dritten Big-Brother-Staffel - das gehe zu weit. Dazu Professor Römelt: "Kirche soll moralisch sprechen." Denn das sei ein Dienst an der Gesellschaft, sofern die Kirche den Pluralismus der Medien ehrlich bejahe und auch andere Auffassungen akzeptiere. Bei Big Brother hält er Kritik für notwendig, weil die Würde des Menschen verletzt werde.

Markus Tichy/I>

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 6 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 11.02.2001

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