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Aus der Region

Hier begann sein Leidensweg

Ehrenbürgerschaft für Hermann Scheipers

Wermsdorf (tdh) - Die politische Gemeinde Wermsdorf hat die Gelegenheit des 250jährigen Bestehens der Pfarrkirche St. Hubertus in Wermsdorf/Hubertusburg zum Anlaß genommen, den einstigen Seelsorger der Gemeinde, Pfarrer Hermann Scheipers, zum Ehrenbürger des Ortes zu ernennen. In Wermsdorf nahm mit der Verhaftung durch die Nazis der Leidensweg von Hermann Scheipers seinen Anfang, der ihn von 1940 bis 1945 ins KZ Dachau führte

In seinen Dankesworten erinnerte Pfarrer Scheipers daran, daß er damals am Rand der Gesellschaft stand, "ich war - zwar nicht so wie die Juden und die Polen - doch als Geistlicher diskriminiert und ohne Einfluß auf das öffentliche Leben." So habe er zwar keine konkreten Leistungen auf kulturellem oder wissenschaftlichem Gebiet zum Wohl der Gemeinde Wermsdorf vorzuweisen, könne aber doch in Anspruch nehmen, durch die "Art seiner beruflichen Tätigkeit, Widerstand geleistet" zu haben "gegenüber dem unmenschlichen System der damaligen Zeit"

Hermann Scheipers betonte, daß er damals in Wermsdorf machtlos war. "Mein Widerstand richtete sich vor allem gegen die Unmenschlichkeit, die sich deutlich zeigte in der Behandlung der Zwangsarbeiter. Der einzige Lichtblick in ihrer trostlosen Situation war der Besuch des Gottesdienstes am Sonntag in Hubertusburg. Das war ein Stück Heimat für sie, und genau das wurde ihnen verboten. Polen und Deutsche durften nicht gemeinsam Gottesdienst feiern. Mein Versuch, ihnen zu helfen durch Sondergottesdienste nur für Polen, mußte scheitern, weil meine Verhaftung offenbar schon beschlossene Sache war", führte Hermann Scheipers weiter aus. Die Verleihung des Titels "Ehrenbürger von Hubertusburg/Wermsdorf" ist für Pfarrer Scheipers ein Zeichen der Wiedergutmachung und Rehabilitierung

Das 250jährige Jubiläum der Schloßkapelle St. Hubertus wurde am vergangenen Sonntag gefeiert. Den Gottesdienst mit Bischof Joachim Reinelt übertrug der Rundfunksender MDR-Kultur

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 12.10.1997

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