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Katholische Fachhochschule Berlin feiert zehnjähriges Bestehen

Berlin - "Wir haben es gewagt und es ist gut gegangen". Diese Worte des Berliner Bischofs Kardinal Georg Sterzinsky klingen wie ein Seufzer der Erleichterung. Gäste aus Kirche, Politik und Hochschulen feierten jetzt mit den Mitarbeitern und Studenten das zehnjährige Bestehen der Katholischen Fachhochschule Berlin (KFB). Hier werden seit 1990 Sozialarbeiter und Sozialpädagogen ausgebildet. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hielt den Festvortrag.

Die Gründung der KFB, so Kardinal Sterzinsky, erfolgte unter schwierigen Bedingungen. Die Wiedervereinigung war noch nicht vollzogen, die Mittel knapp und das qualifizierte Personal musste auch erst überzeugt werden. Mit der Einrichtung habe man vor allem einen qualitativen Beitrag in der sich entwickelnden ostdeutschen Hochschullandschaft leisten wollen. "Wir wollten eine Hochschule, die katholisches Profil zeigt", so der Kardinal. Wichtig sei nicht nur, Menschen auszubilden, die ihren Beruf als Berufung verstehen, sondern von hier aus einen "klaren Standpunkt einzunehmen", wenn es um die Würde des Menschen gehe.

Das Engagement der Berliner Katholiken in der ostdeutschen Hochschullandschaft hat tatsächlich Seltenheitswert. Wenn man von der Theologischen Fakultät in Erfurt einmal absieht, ist die KFB bis heute die einzige katholische Hochschule in Ostdeutschland geblieben. Der amtierende Rektor Andreas Lob-Hüdepohl zieht Bilanz. Bisher seien weit über 1000 Diplome verliehen worden. Man habe ein Netz von Kontakten ins In- und Ausland geknüpft. Dennoch befinde man sich immer auf der "Suche", da sich die Arbeitsfelder im sozialen Bereich veränderten. Den Grundstein für die erfolgreiche Arbeit haben die Mitarbeiter gelegt, die sich "zum Aufbruch" entschlossen hätten und einer unsicheren Zukunft entgegengegangen seien. An der KFB, so Lob-Hüdepohl, strebe man internationale Abschlüsse wie Bachelor und Master an, um auch mit der Entwicklung auf dem europäischen Bildungsmarkt Schritt halten zu können. Nach jahrelangem Ringen könne man ab kommendem Semester den Diplomstudiengang Heilpädagogik anbieten. Zuzeit seien 690 Studenten an der KFB eingeschrieben.

Eine geschlossene Gesellschaft ist die Berliner Hochschule gewiss nicht. Die KFB wollte von Anfang an keine "Insel der Glückseligen sein", betont ihre Gründungsrektorin Teresa Bock. Sie habe allen Studenten, christlichen wie nichtchristlichen, offen gestanden. Die theologischen Lehrangebote würden auch von Nichtchristen genutzt.

Auch die Studenten stellen der KFB ein gutes Zeugnis aus. Alexander Lattig aus Cottbus studiert im dritten Semester Sozialpädagogik. "Die Dozenten hier sind sehr praxisorientiert, so bleibt das Wissen nicht in der Theorie stecken”, betont er. Auch die Möglichkeiten wie das Computerkabinett seien für die Studierenden "ideal".

Der 35-jährige Roland Pareigis steht kurz vor dem Abschluss des Studiums. Der aus Altenburg stammende frühere Rettungsassistent habe an der KFB vor allem den "Ursachen" für die sozialen Spannungen in der Gesellschaft nachgehen wollen. Dazu habe das Studium eine einzigartige Möglichkeit geboten. "Hier arbeitet man nicht nur an den Symptomen, sondern betreibt Ursachenforschung. Und das ist wichtig", betont er. Der Vater von drei Kindern will nach seinem Studium in der therapeutischen Sozialarbeit tätig werden. Das Thema seiner Diplomarbeit ist hoch aktuell: Der Fremde in der Gesellschaft. Das Fremde sei keine Bedrohung, sondern eine Chance. Verständnis für den anderen ermögliche ein "gelingendes Miteinander".

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 11.10.2001

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