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Bistum Erfurt

Mobil sein für den Alltag

Junger Behinderter sucht Sponsoren für Auto

Manfred Fick hat ein großes Ziel: Er möchte mit einem eigenen Auto zu seinem Arbeitsplatz fahren und seine 56jährige kranke Mutter, die ihn seit 15 Jahren umsorgt, zum Einkaufen bringen können, um ihr die Arbeit zu erleichtern. Das Problem dabei: Manfred Fick ist aufgrund einer Muskeldystrophie, die nach und nach zum Verlust jeglicher Muskelkraft führt, seit acht Jahren an den Rollstuhl gefesselt und braucht deshalb ein behindertengerecht umgebautes Fahrzeug. Ein Neufahrzeug jedoch, bei dem eine spezielle Lenkung, besondere Bremsen und eine Hebebühne installiert sein müßte, kostet rund 80 000 Mark, ein gebrauchtes etwa die Hälfte - Summen, die der 28jährige allein nicht aufbringen kann

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet Manfred Fick täglich fünf Stunden in der Werkstatt für Behinderte im St. Johannesstift in Ershausen. Dort sitzt er im Büro am Computer, schreibt Briefe und andere Texte oder trägt mit Hilfe eines Computerprogramms Zahlen zu Statistiken zusammen. Sein Wohnort Lengenfeld unterm Stein, wo er mit seiner Mutter lebt, liegt rund 8 Kilometer entfernt. Derzeit wird er zum und vom Dienst per Fahrdienst gebracht. Eine Situation, die er gern abändern möchte

Mit viel Elan hat er im vergangenen Herbst deshalb den Führerschein gemacht, nach dem zwei Anläufe in früheren Jahren auf Grund äußerer Unwägbarkeiten gescheitert waren. Auf sein Betreiben wurde für die Fahrschulstunden eigens ein entsprechendes Fahrzeug aus Hannover herbeigeschafft. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat! Nun spart der schwer körperbehinderte 28jährige noch intensiver auf ein vergleichbares Fahrzeug. "Wenn ich den Kleinbus habe, kann ich mit dem Elektro-Rollstuhl in das Auto hineinfahren und vom Rollstuhl aus das Fahrzeug führen", sagt Manfred Fick. "Für mich ist es wichtig, mobil zu sein. Mit Bus oder Bahn ist mir dies leider nicht möglich.

Erste Anzeichen der Behinderung zeigten sich bei ihm mit zwölf Jahren. Die zehnte Klasse absolvierte er in einer Behindertenschule in Sülzhayn, anschließend machte er dort eine Ausbildung zum Elektromontierer, die er mit einem halbjährigen Berufspraktikum im Frühjahr 1990 abschloß. "Danach hätte ich in einem Betrieb für Spielwarenmechanik in Pfaffschwende, wo zum Beispiel Stabilbaukästen hergestellt wurden, anfangen können. Doch es scheiterte am Anfahrtsweg." Manfred Fick hoffte, ein für ihn behindertengerecht umgebautes Fahrzeug zu bekommen. Doch ein "Antrag auf Gewährung einer Kraftfahrzeughilfe" wurde nach fast zweijähriger Bearbeitungszeit im ersten Quartal 1993 von der Landesversicherungsanstalt Thüringen abgewiesen. Begründung: Herr Fick sei nicht erwerbstätig. Die Erwerbsunfähigkeit könne durch Gewährung einer KFZ-Hilfe nicht mehr beseitigt werden

Der junge Mann unternahm einen weiteren Anlauf, um seinem Ziel, einer beruflichen Integration, näherzukommen und nicht nur zu Hause in seinem Zimmer sitzen zu müssen: Für einige Tage fuhr er in ein Zentrum für Berufsfindung / Arbeitserprobung nach Heidelberg. Dort wurde ihm vorgeschlagen, eine Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann zu machen. Ein Angebot, das ihm nicht zuletzt wegen seines auch privaten Hobbys, der Computeranwendung, entgegenkam. Doch die Landesversicherungsanstalt Thüringen lehnte die Finanzierung ab, da neben den Ausbildungskosten weiterhin auch die Erwerbsunfähigkeitsrente gezahlt werden müßte. Ein Angebot, bei einer Sozialstation in Mühlhausen am Computer zu arbeiten, scheiterte wiederum an der Entfernung

Der 28jährige, der gern moderne Musik hört und im Internet surft, gibt dennoch nicht auf: Nach dem er im vergangen Jahr den Führerschein in der Tasche hatte, begann er Sponsoren für ein Behindertenfahrzeug zu suchen. "Ich habe an fast 400 Firmen, darunter viele bekannte Unternehmen Faxe geschickt, doch fast ohne Erfolg. Eine Stiftung allerdings hat mir 5000 Mark Beihilfe zugesagt, wenn ich das andere Geld zusammenkriege", sagt der junge Mann. "Weitere 3700 Mark sind durch Veröffentlichungen in einer Zeitschrift zusammenkommen.

Doch es fehlen noch immer rund 15000 Mark für ein gebrauchtes Fahrzeug. Manfred Fick: "Ich bin deshalb für jede Unterstützung dankbar." E. Pohl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 36 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 07.09.1997

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