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Bistum Magdeburg

Maria-Ward-Schwestern kommen

Kloster Helfta

Bingen / Eisleben (mbn/tdh) - Zwei Maria-Ward-Schwestern werden ab September dieses Jahres das neue Bildungshaus für Frauen "St. Gertrudis" in Helfta bei Eisleben leiten. Dies wurde unlängst bei der Frauenwallfahrt des Bistums Magdeburg und jetzt bei der Verabschiedung einer der beiden Ordensfrauen in Bingen bekannt. Es sind die bisherige Leiterin des Berufsschulzweiges der Hildegardisschule in Bingen, Studiendirektorin Schwester M. Gerburga Schmitz IBMV, und die derzeitige Oberin der Maria-Ward-Schwestern in Viernheim, Schwester Walburga Filtzinger

Als Studiendirektorin Schwester M. Gerburga Schmitz kürzlich in Bingen im Rahmen einer Feier verabschiedet wurde, wünschte ihr die Provinzialoberin der Maria-Ward-Schwestern, Schwester Dr. M. Hedwig Fritzen: "Wir hoffen, daß sie vielen Frauen in ihrem neuen Arbeitsfeld helfen wird, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden." Auch in ihrem Einsatz für Frauen sei Schwester Gerburga "ganz Maria-Ward-Schwester". Die Provinzialoberin erinnerte an vier Frauen, die für Schwester Gerburga prägend seien: Neben der Benediktineräbtissin Gerburgis von Ganderstein die heilige Hildegard von Bingen, Maria Ward und ihre Taufpatronin, die Mystikerin Mechthild von Helfta

Das Haus St. Gertrud, das die beiden Maria-Ward-Schwestern übernehmen werden, befindet sich im sogenannten Herrenhaus des früheren Zisterzienserinnenklosters Helfta. Es hat eine Kapazität von 35 Betten. Träger der Einrichtung ist der Verband der Freunde des Klosters Helfta e.V., dessen Vorsitzender der Pfarrer der Pfarrei St. Gertrud in Eisleben, Dieter Tautz, ist. Wie Tautz, der an der Feier in Bingen teilnahm, auf Anfrage sagte, sollen auch wieder Zisterzienserinnen nach Helfta kommen. Für 1999 werden Schwestern aus der Abtei Seligental bei Landshut erwartet. Eine entsprechende bedingte Zusage der bayerischen Schwestern liege vor. Pfarrer Tautz hofft auch, daß die alte Abteikirche des seit der Säkularisation nun noch landwirtschaftlich genutzten ehemaligen Klosters -zu DDR-Zeiten war es ein "Volksgut" - wieder aufgebaut werden kann. Drei Fünftel der Umfassungsmauern der ansonsten völlig zerstörten Kirche stehen noch. Das ehemalige "Müllergebäude" soll als Konventshaus dienen

Doch zunächst einmal soll nun das Bildungshaus St. Gertrudis seine Arbeit aufnehmen. Dazu werden die beiden Maria-Ward-Schwestern nach Helfta kommen. Bei ihrer Verabschiedung in Bingen wurde ein bißchen die Lebensgeschichte von Schwester Gerburga Schmitz deutlich

Schwester Gerburga Schmitz, wurde 1933 in Meseritz bei Schneidemühl in Westpreußen geboren und auf den Namen Mechthild getauft. Sie wuchs in Bremen auf und lebte einige Jahre in Fulda. Nach dem Abitur studierte sie Betriebswirtschaft. Die Diplom-Handelslehrerin trat 1953 in Mainz in das Institut der Maria-Ward-Schwestern ein und unterrichtete zunächst an der Maria-Ward-Schule in der Stadt. 1968 wurde sie als Leiterin der Berufsbildenden Schule der Hildegardisschule nach Bingen berufen. Hier leistetet sie eine enorme Aufbauarbeit in der Weiterentwicklung dieser Schule

Während der Verabschiedungsfeier für Schwester Gerburga würdigte der Dezernent für Schulen und Hochschulen im Bistum Mainz, Domkapitular Prälat Ernst Kalb, die Beharrlichkeit und das Durchsetzungsvermögen der Ordensfrau im Interesse ihrer Schülerinnen: "Was sie als sinnvoll, wichtig und notwenig erkennt, strebt sie mit Eifer und Ausdauer an". Dies setze die kluge und gerechte Einschätzung der Situation, die Treue zur eigenen Überzeugung und die Tapferkeit, Widerstände durchzustehen, voraus. In diesem Sinne passe auch für Schwester Gerburga der Titel einer Maria-Ward-Biografie: "Eine Frau gibt nicht auf". Als Beispiel führte Kalb an, daß Schwester Gerburga trotz Abratens des Kultusministeriums und der Bezirksregierung den damals drei Zweigen der Berufsschule eine zweijährige Berufsfachschule Hauswirtschaft/Sozialwesen hinzufügte - mit Erfolg, wie sich später zeigte

In ihrem Dankeswort für die Abschiedsfeier unterstrich Schwester Gerburga das Konzept der Berufsbildenden Hildegardisschule, schwachen und benachteiligten Mädchen zu helfen, zu schulischem Erfolg zukommen und ihnen zu vermitteln, daß sie auch bei mäßigen Ergebnissen menschlich geachtet und geliebt werden. Sie sei kritisiert worden, daß ihre Schule die meisten Ausnahmeanträge zur Aufnahme von Schülerinnen stelle, welche die notwendige Qualifikation nicht nachweisen könnten. Demgegenüber habe sie immer wieder deutlich gemacht, daß äußere und entwicklungsbedingte Voraussetzungen für Schülerinnen des 9. Schuljahres oftmals bessere Leistungen nicht zugelassen hätten, sie aber in der Hildegardis-Berufsschule mit Aussicht auf Erfolg gefördert werden könnten

Ihre reichen Erfahrungen werden sicher auch beim Aufbau der Bildungsarbeit in Helfta für die Frauen von großem Nutzen sein

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 03.08.1997

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