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Aus der Region

Gemeinde nicht erst nach Feierabend

Glaube und Beruf miteinander verbinden

Den eigenen Glauben mit dem Beruf zu verbinden, für Ulrike Kriesel aus Ziesar war das eine anziehende Idee. Bevor sie mit dem Direktstudium im Magdeburger Seminar für Gemeindepastoral begann, hatte sie drei Jahre lang mit der ökumenischen "Offensive junger Christen" im Odenwald verbracht. Ihr vorheriger Arbeitsplatz war mit der Wende weggefallen. Bei der Initiative im Odenwald, die zur Zeit der Studentenunruhen in den 60er Jahren entstanden ist, lernte sie intensives christliches Gemeinschaftsleben kennen

Diese Zeit, vergleichbar mit dem "Jahr für Gott" in der DDR, bekräftigte in ihr den Wunsch nach einem Leben, in dem die Gemeinde nicht erst nach Feierabend eine Rolle spielt. Dabei ist sie sich durchaus bewußt, daß es manchmal auch seine Tücken haben kann, wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit fließend verlaufen

Die Magdeburger Seminarzeit, die im Juli zu Ende geht, hat ihr gezeigt, wie wichtig es ist, als angehende Gemeindereferentin einen eigenen Weg zu finde, geistlich aufzutanken und sich weiterzuentwickeln

Trotz guter geistlicher Seminarangebote wie Meßfeiern, geistliche Abende, "Bibelteilen" und Gesprächen in kleinen Gruppen schien es ihr deshalb wichtig, weiterhin zu ihren Bekannten von der "Offensive junger Christen" Kontakt zu halten. Darüber hinaus hätte sie gern noch mehr Anbindung an eine Gemeinde in Magdeburg gehabt. Die Gefahr, "im eigenen Saft zu schmoren" sei groß in einem Seminar

Die größte Bereicherung in der dreijährigen Seminarzeit brachten für Ulrike Kriesel die Praktika, die sie sich noch umfangreicher gewünscht hätte. Die praktischen Erfahrungen in unterschiedlichen Pfarrgemeinden und in einem Kindergarten haben ihr bei immer mal wieder aufkommenden Zweifeln Mut gemacht, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen

Unter anderem machte sie in den Praktikumsgemeinden Krankenbesuche, bereitete Jugendstunden vor, half bei der Erstkommunionvorbereitung und hielt Religionsunterricht. Besonders von den Kindern konnte sie eine Menge für ihr Leben lernen

Sie hat sich vorgenommen, als Gemeindereferentin eine Christin zu bleiben, die mit anderen Christen auf dem Weg ist, immer offen, noch etwas Neues dazuzulernen

Bevor sie ihre Arbeit in einer Gemeinde beginnt, muß sie ihre Diplomarbeit fertigstellen. "Eucharistie auf dem Hintergrund jüdischen Segensverständnisses" heißt ihr Thema

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 20 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 18.05.1997

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