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Bistum Magdeburg

Von Christus berufen - zu den Menschen gesandt

Zum 1000. Todestag des heiligen Adalbert

Der Staßfurter Pfarrer Peter Zülicke koordiniert für das Bistum Magdeburg die Feiern anläßlich des 1000. Todestages des heiligen Adalbert. Er verfaßte den folgenden Beitrag

Vor 1000 Jahren, im Frühjahr 997, brach eine kleine Schar von der Burg Gniezno des polnischen Herzogs Boleslaus Chrobry Richtung Norden auf. Ihr Ziel: das Gebiet der heidnischen Pruzzen. Ihr Anführer war Bischof Adalbert, der das Evangelium in noch unbekanntem Gebiet verkünden wollte. 20 spannungsreiche Jahre lagen hinter ihm

Als Domschüler in Magdeburg hatte er sich nicht nur mit den verschiedenen Zweigen der damaligen Wissenschaft vertraut gemacht, sondern auch den Wert des Mönchtums kennen gelernt. Die Mönche in Magdeburg hatten sich einer Erneuerungsbewegung angeschlossen, die sich streng an der Regel des heiligen Benedikt orientierte. Adalbert fühlte sich von da an zu einem Leben hingezogen, das sich einerseits in Gebet und Betrachtung Gott zuwandte, sich andererseits für die Ausbreitung des Glaubens einsetzte, damals besonders aktuell im Blick auf die östlich der Elben wohnenden Slawen

Kurz nach Beendigung seines Studiums wurde Adalbert als 22jähriger zum Bischof von Prag berufen. Böhmen war sein Heimatland. War er doch in Libice am Oberlauf der Elbe in einer Fürstenfamilie geboren. Herzog Boleslaus in Prag stand der Familie allerdings feindlich gegenüber. So erlebte Adalbert ständig Behinderungen in der Ausübung seines Amtes. In seinem Bistum hatte das Christentum zwar schon Fuß gefaßt, mußte aber noch ausgebreitet und vertieft werden. Das war für ihn ein Weg voller Mißerfolge

So verließ Adalbert Prag nach sechs Jahren. Er wollte sich nun als Pilger ganz in das Geheimnis Gottes vertiefen. Ordensgemeinschaften, die äußerste Bedürfnislosigkeit lebten, zogen ihn an. Im römischen Kloster St. Alexius fand er den Platz, den er suchte. Nach drei Jahren drängten ihn der Papst und sein Metropolit, der Erzbischof von Mainz, in sein Bistum zurückzukehren. 992 ging Adalbert wieder nach Prag. Nur einige Monate hielt er es hier aus. Die schlimmen Erfahrungen, die er wie früher machte, ließen ihm seinen Dienst unmöglich erscheinen. Als der Herzog begann, seine Familie auszurotten, begab er sich wieder nach Rom. Immer deutlicher wurde ihm: Als Bischof einer Diözese konnte er nicht mehr wirken

Aber es gab ja noch die größere Möglichkeit, das Evangelium unter den Heiden zu verkünden. So zog er nach Gniezno zu Boleslaus Chrobry. Dieser riet ihm, die Pruzzen zu bekehren. Mit diesem Vorschlag verband er auch strategische Interessen. Denn diese noch heidnischen Stämme versperrten ihm den Zugang zur Ostsee

Adalbert glaubte an die überwältigende Wirkung des Evangeliums. So wies er auch die Begleitung von Bewaffneten ab. Die erste Begegnung mit den Pruzzen war für ihn ernüchternd. Er wurde mit feindseligen Schmähungen empfangen und mit einem Ruder zu Boden geschlagen. Nach dieser Erfahrung kam Adalbert die Erkenntnis, daß die Heiden wohl schon durch das fremdartige Aussehen der Männer aufgeschreckt gewesen seien. Er überlegte, ob nicht vor der Verkündigung des Evangeliums eine Anpassung an die Sitten und Gebräuche dieser Menschen erfolgen müsse. Erst wenn er ein Stück seines Lebens mit ihnen geteilt habe, sei wohl auch Mission möglich

Doch diesen Gedanken konnte Adalbert nicht mehr verwirklichen. Am Tag, nachdem er mit seinen Freunden darüber gesprochen hatte, wurde er im Schlaf von bewaffneten Pruzzen überfallen, auf einen Hügel geschleppt, gefesselt und von Speeren durchbohrt. Das geschah am 23. April 997

1000 Jahre trennen uns von diesem Ereignis. Doch sind uns die Erfahrungen, die Adalbert in seinem Leben machen mußte, nicht so fremd. Allerdings ging er zu Nichtchristen, die eine Religion hatten. Wir begegnen immer häufiger Menschen, die ohne Religion groß geworden sind. So werden wir zwar oft an unsere missionarische Aufgabe erinnert. Aber wir tappen bei der Frage nach dem Wie weitgehend im Dunkeln

Sicher dürfte die letzte Erkenntnis des heiligen Adalbert wichtig sein: Bevor das Evangelium verkündet wird, muß wohl erst einmal ein Stück Leben mit denen geteilt werden, denen verkündet werden soll. Das Zeugnis des Lebens, das ja im Grunde schon Verkündigung ist, wird in Zukunft noch mehr an Gewicht gewinnen müssen

Äußerlich gesehen ist das Leben des heiligen Adalbert geprägt vom Scheitern in den ihm übertragenen Aufgaben. Wir ahnen nur etwas von den inneren Spannungen zwischen Mönchsein und Bischofsamt, zwischen einer radikalen Hinwendung zu Gott und dem Einsatz für die Menschen, die ihm anvertraut worden waren. An Aufgaben scheitern, vielleicht auch unter widrigen Umständen, ist uns nicht fremd. Dann aber weitermachen und die Hoffnung nicht aufzugeben, ist wohl nur mit einer großen Energie möglich, die aus einer tiefen Beziehung zu Gott kommt

Die Länder, in denen sich Adalbert aufhielt - vor allem Polen, Tschechien, Ungarn, Italien und Deutschland - werden seinen 1000. Todestag feiern. Sie werden dabei erfahren, wie sehr unterschiedliche Nationen aufeinander verwiesen und miteinander verbunden sind. Dabei kann die Gestalt eines Heiligen, der vor 1000 Jahren starb, Fragen aufwerfen, denen wir uns zu stellen haben. Die Kirche in Europa ist aufgefordert, gemeinsam nach Antworten zu suchen

Das Bistum Magdeburg wird in diesem Jahr mit einem Partnerschaftstag und der Bistumswallfahrt im September an den 1000. Todestag des heiligen Adalbert erinnern und mit dem Leitwort dieser Tage den Bogen in unsere Zeit spannen. Es lautet: Damit alle leben. Von Christus berufen - zu den Menschen gesandt

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 16 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 20.04.1997

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