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Bistum Magdeburg

Fürsorge oder Gewinnstreben?

Caritas wehrt sich gegen unlautere Methoden eines Konkurrenten

Beetzendorf / Klötze - Die Caritas geht in der Altmark in die Offensive. Bei einer Pressekonferenz im fast fertiggestellten Caritas-Behindertenheim Beetzendorf machten Heimleiter Benno Pickel und der Geschäftsführer der Caritas-Trägergesellschaft St. Mauritius, Hans-Georg Stockhausen, ihrem Unmut über die "Attacken" durch die Aktiengesellschaft Seniorenwohnpark Langen sowie durch Klötzes Bürgermeister Lutz Kahler Luft.

Schon in wenigen Wochen werden die ersten Bewohner ihre Zimmer in dem neuen Caritasheim beziehen. Insgesamt bietet der 13 Millionen Mark teure Bau Platz für 84 geistig- und schwerstmehrfach behinderte Menschen. Doch die Auslastung ist nicht gesichert. Die Caritas sieht die Existenz der mit Fördermitteln gebauten Einrichtung gefährdet.

Anders als noch im Jahre 1993 zwischen der Lebenshilfe Gardelegen, dem Seniorenwohnpark Langen und der Caritas abgesprochen, hat die Seniorenwohnpark Aktiengesellschaft in der Zwischenzeit ohne Landes- und Kreisabsprachen im wenige Kilometer entfernten Klötze ein eigenes Behindertenheim gebaut. Seitdem bemüht sich der Seniorenwohnpark, die von ihm derzeit betreuten Neumühler Behinderten, die laut der Absprache mit dem Land künftig im Caritasheim Beetzendorf betreut werden sollen, im eigenen Heim in Klötze unterzubringen. Die Leidtragenden dieses Bruchs von Absprachen, der auch mit öffentlichen Attacken gegen das Caritasheim verbunden war, sind nach Stockhausens Einschätzung sowohl die Mitarbeiter in Neumühle als auch die Behinderten. Der Seniorenwohnpark zahle Gehälter, die erheblich unterhalb des Bundesangestelltentarifes Ost lägen, an dem sich der Caritasverband orientiert. Zudem werde den Mitarbeitern, die zum Teil schon viele Jahre in Neumühle arbeiteten, ihre vorherige Dienstzeit nicht angerechnet. Nach Angaben von ehemaligen Mitarbeitern arbeiten in Neumühle in einer Gruppe von 45 Behinderten elf Betreuer und drei Hauswirtschaftskräfte. Caritas wende dagegen die Betreuungsschlüssel des Landes an und böte damit doppelt so viele Arbeitsplätze und eine entsprechend intensivere Betreuung der behinderten Menschen.

Den von Klötzes Bürgermeister Kahler erhobenen Vorwurf der Verschwendung von Steuergeldern weist Stockhausen ebenfalls zurück. Er faßt zusammen: "Erheblich schlechtere Bezahlung, und wesentlich weniger Mitarbeiter bei einem vergleichbaren Pflegesatz, das ist die Alternative einer Aktiengesellschaft, die um eine hohe Rendite bemüht sein muß." Dr. Hans-Heinrich Jordan, Sozialdezernent des Landkreises, unterstrich während der Pressekonferenz das gute Einvernehmen mit der Caritas und verdeutlichte, daß der Landkreis im Auftrag des Landes der Partner des Betreibers sei. "Das Heim ist in doppeltem Sinne ein Gewinn für die Region", sagte er. C. Schwerin

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 23.03.1997

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