Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Auf zwei Minuten

Zeit - ein Geschenk der Ewigkeit

von Pater Damian

Pater Damian Meyer Unsere Erfahnung mit der Zeit spiegelt sich in Redensarten wie "Ich habe keine Zeit", "Ach, wie die Zeit vergeht!" Und wir können die Zeit nicht als Augenblick erleben, ohne an die Vergangenheit zurückzudenken oder mit unseren Gedanken in die Zukunft zu rennen. Es ist schwer, im Augenblick zu verharren, ihn bewusst zu erleben und zu genießen und uns auf das zu konzentrieren, was wir gerade tun. Manchmal mag es uns gelingen, ganz der Gegenwart zu leben, etwa wie ein Kind beim Spiel. Die Zeit als bewusst erlebte Gegenwart ist ein Stück zeitlose Ewigkeit, ein Geschenk der Ewigkeit.
Manche Menschen hasten durch das Leben wie Museumsbesucher, die mit einem Katalog in der Hand von einem Kunstwerk zum anderen eilen, ohne vor einem Bild länger zu verweilen und es auf sich wirken zu lassen. Gerade habe sie einen Blick auf ein Bild geworfen, da schielen sie schon zum nächsten. Da ergeht es ihnen wie diesem Mann: "Es lebte ein Mann, der war ein sehr tätiger Mann und konnte es nicht übers Herz bringen, eine Minute seines wichtigen Lebens ungenützt vorübergehen zu lassen. Wenn er in der Stadt war, so plante er, in welchen Badeort er reisen werde. War er im Badeort, so beschloss er einen Ausflug nach Marienruh, wo man die berühmte Aussicht hat. Saß er dann auf Marienruh, so nahm er den Fahrplan her, um nachzusehen, wie man am schnellsten wieder zurückfahren könne. Wenn er im Gasthof einen Hammelbraten verzehrte, studierte er während des Essens die Karte, was man nachher nehmen könne. Und während er den langsamen Wein des Gottes Dionysos hastig hinuntergoss, dachte er, dass bei dieser Hitze ein Glas Bier wohl besser gewesen wäre. So hatte er niemals etwas getan, sondern immer nur ein Nächstes vorbereitet. Und als er auf dem Sterbebett lag, wunderte er sich sehr, wie leer und zwecklos doch eigentlich dieses Leben gewesen sei."(Victor Auburtin).

Die Zeit ist immer geschenkte Zeit, eine kostbare Gabe. Es ist gut und wichtig, um den rechten Gebrauch der Zeit zu beten. "Herr, ich habe Zeit. Ich habe meine Zeit für mich. Alle Zeit, die du mir gibst, die Jahre meines Lebens, die Tage meiner Jahre, die Stunden meiner Tage, sie gehören alle mir. An mir ist es, sie zu füllen, bis zum Rande, um sie dir darzubringen, damit du aus ihrem schalen Wasser einen edlen Wein machst, wie du es einst tatest, zu Kana, für die Hochzeit der Menschen. Herr, ich bitte dich heute nicht um die Zeit, dieses und dann noch jenes zu tun. Ich bitte dich um die Gnade, in der Zeit, die du mir gibst, gewissenhaft das zu tun, was du willst, dass ich tun soll."(nach Michel Qoist).

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 13.09.2001

Aktuelle Buchtipps