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"Wer regelmäßig Bibel liest, wird erwachsener im Glauben"

Der "Tag des Herrn" meint:

In der Vielfalt der Angebote suchen heute viele Menschen nach Orientierung. Das Katholische Bibelwerk bemüht sich seit Jahren, Interessierten die Heilige Schrift als Hilfe zum Leben zu erschließen. Der TdH stellt diese Arbeit vor und gibt Tips zum Umgang mit der Bibel.

Stuttgart - Dieter Bauer macht immer wieder dieselbe Erfahrung: Menschen, die als Christen regelmäßig Bibel lesen, glauben anders: Sie sind selbständiger, sie werden erwachsener im Glauben als andere Christen";. Und genau dies hält der Referent des Katholischen Bibelwerkes in Zeiten, in denen die Gläubigen angesichts fehlender hauptamtlicher Seelsorger die Kirche mehr und mehr selber tragen müssen, für immer dringlicher. Zu dem";, so fügt der Diplom-Theologe hinzu, ist die Bibel die verbindende Basis für eine lebendige Ökumene";.

Das Katholische Bibelwerk will genau das erreichen, und darin zieht man mit der ebenfalls in Stuttgart angesiedelten Evangelischen Bibelgesellschaft natürlich an einem Strang: Menschen mit der Bibel zu einem selbständigen erwachsenen Glauben führen. Dies geschieht zum einen über vielfältige Angebote der Erwachsenenbildung. In Zusammenarbeit mit den Diözesan-Verantwortlichen werden Kurse und Seminare für Seelsorger und Religionslehrer, aber genauso auch für interessierte Laien angeboten. Hier sind vor allem die Grundkurse Bibel zu nennen, bei denen die Teilnehmer an acht Wochenenden innerhalb eines Jahres in das Alte oder in das Neue Testament eingeführt werden (nebenstehender Beitrag) und dabei eine gute biblische Fundierung erhalten, die sich sehen lassen kann, wie Referent Bauer einschätzt. Zum anderen bemüht sich das Bibelwerk durch eine vielfältige publizistische Tätigkeit, Interessierten die Bibel verständlich nahezubringen und den Umgang mit ihr zu erleichtern. Diesem Ziel dient etwa die Herausgabe von drei Zeitschriften (siehe Kasten!). Wer die Zeitschriften abonniert, wird zugleich einer der immerhin 25 000 Mitglieder des Katholischen Bibelwerkes.

Unter engagierten katholischen Christen gibt es durchaus ein Interesse an der Bibel";, sagt Referent Bauer, vielleicht sogar ein größeres als bei den evangelischen Christen. Aber die Hilflosigkeit im Umgang mit der Heiligen Schrift ist recht groß";, so seine Erfahrung von Seminaren her. Auf besonderes Interesse stößt er bei Christen im Alter von 50 bis 60 Jahren. Daß die Texte der Bibel auf Grund ihrer manchmal schweren Verständlichkeit Interessierte abschrecken müssen, will Bauer nicht so ganz gelten lassen. Schließlich würde sich so mancher mit Buddhismus oder esoterischen Dingen auseinandersetzen, die erst recht fremd seien und aus völlig anderen Kulturkreisen stammten. Da sei das Problem, daß das Buch als solches nur noch eines unter verschiedensten Medien ist, schon gewichtiger. Neue Medien wie Video in die Verbreitung der Bibel einzubeziehen, hält der Referent deshalb für sehr wichtig, wenn es dafür nicht schon wieder zu spät ist";, wie er befürchtet.

Ein Defizit sieht Dieter Bauer in der mangelnden Verbindung von Verkündigung und Weitergabe von Erkenntnissen der Bibelwissenschaft. Es gibt gute Beispiele, aber es gibt auch viele Pfarrer, die die Erkenntnisse der Exegese nie so richtig mit der geglaubten Bibel zusammenbekommen haben";, sagt Bauer. Daran seien auch die Verantwortlichen an den Theologischen Fakultäten und in der Seelsorgerausbildung mit Schuld. Das Bibelwerk biete auch in dieser Hinsicht Hilfestellung an, so der Referent.

In der Zukunft sieht Bauer für die Kirche dann eine Chance, wenn möglichst viele Christen soliden ,Boden unter den Füßen‘ haben";. Dieses Fundament könne nur biblisch begründet sein";, so Bauer. Schließlich habe sich gezeigt, daß Katechismus oder moralische Normen keine durchtragende Basis für den Glauben und dessen Weitergabe sind";, so der Diplom-Theologe, womit er auf einen Religionsunterricht anspielt, der noch vor wenigen Jahrzehnten am Katechismus orientiert war. Der Referent des Katholischen Bibelwerkes hofft, daß die heutige Orientierung auf die Heilige Schrift in Religionsunterricht und Erwachsenenkatechese nicht zu spät erfolgt"; . (ep)

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 02.03.1997

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