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Aus der Region

Gering Qualifizierte sind potentielle Verlierer

Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung und des KKV in Erfurt

Erfurt - Arbeit der Zukunft: Daheim ISDN-Anschluss und Multifunktionsdrucker, für unterwegs den Laptop unterm Arm. Arbeiten wann und wo immer es gerade gefällt - dank Mitarbeitervernetzung. Sogar am Urlaubsort. Leibhaftige Anwesenheit im Unternehmen ist zwar nicht verboten, aber unnötig. Und wenn die Büros verwaisen, finden auf den Fluren auch keine unproduktive Zwischendurch-Plaudereien statt. Telearbeiter haben es gut. Kein Chef nörgelt ständig oder kontrolliert die Arbeitszeit. Stattdessen vertraut er darauf, dass die vereinbarten Leistungen erbracht werden. Die Lebensqualität steigt, die Innovationsfähigkeit der Firma auch.

Sechs Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland seien schon solche Telearbeiter. Und glaubt man Werner Zorn, IBM-Consultant für Telearbeit aus Tübingen, dann wird es in Zukunft noch sehr viel mehr davon geben. In Erfurt erläuterte Zorn den zahlreichen Teilnehmern einer Forumsveranstaltung zum Thema "Die Zukunft der Arbeit - alles bleibt anders" seinen Blick auf die sich wandelnde Arbeitswelt.

Zu der Podiumsdiskussion im Haus der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen hatten die Konrad-Adenauer-Stiftung und der Bundesverband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) eingeladen. Mit diesem und anderen Foren wollen KKV und Adenauer-Stiftung christliche Werte und Perspektiven in die aktuelle gesellschaftliche Debatte zum Thema einbringen.

Welche Entwicklungen sich über Telearbeit hinaus in der Arbeitswelt abzeichnen, konstatierte und prognostizierte Dr. Peter Klös vom Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln. Danach nehme der Anteil der Erwerbstätigen entgegen anderen Thesen zu, allerdings verschlechtern sich die Arbeitsmarktchancen gering Qualifizierter. Ursache dafür sei unter anderem der Technologieschub auf den Arbeitsmärkten.

Der Sozialethiker Michael Schramm von der Theologischen Fakultät Erfurt mahnte den Einsatz für die Schwachen, die wenig Qualifizierten an. Sie seien die "potentiellen Verlierer der künftigen Arbeitswelt". Schramm schlug als Lösung vor, den Niedriglohnsektor zuzulassen und ihn sozialpolitisch zu flankieren. Stichworte: Bürgergeld, negative Einkommenssteuer. Für neue Sozialstrategien sprachen sich auch Gustav Bergemann, Landesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und CDU-Landtagsabgeordneter in Thüringen ("In Deutschland herrscht das Fürsorgeprinzip, statt Anreize für die Arbeit zu schaffen.") und Dr. Peter Klös ("Trampolin statt Sicherheitsnetz") aus. Beide vertraten die Meinung, dass Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger künftig wesentlich mehr gefordert, statt nur gefördert werden müssen. Klös verwies auf die auseinander klaffende Schere von Arbeitslosenzahl und 1,5 Millionen freien Stellen. "In Dänemark bekommt ein Jugendlicher nach einem halben Jahr ein Qualifizierungsangebot. Wenn er ablehnt, wird er sanktioniert", nannte Klös als Beispiel.

Große Probleme stünden Deutschland in der Konkurrenz zu den jungen Ökonomien bevor. Klös: "Wir sind eine alternde Gesellschaft und die Teilnahme an Weiterbildungen nimmt ab." Deshalb müssten Qualifizierungen forciert und auch über die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und die Abkehr von der Frühverrentung gestritten werden. Auch das Thema Zuwanderung klammerte Klös nicht aus: "Vor einer weiteren Zuwanderung müssen wir das Eigenpotential aktivieren und nicht durch Zuwanderung nötige Reformen im Land blockieren." Die Ursache für den fehlenden Willen zur Weiterbildung bei Älteren sieht Elke Bouillon, Vorstandsmitglied der Phaidros Software AG Ilmenau, in einem festgeprägten Rollenbild, das aber umgestoßen werden müssen.

Markus Tichy

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 05.04.2001

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