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Bistum Erfurt

Nicht gleich mit der Tür in Haus

Katholisches Forum lud das erste Mal zur Kirche für Nichtchristen ein

Erfurt ns/tdh - Wie bringt man Nichtchristen Kirchen nahe? Diese Frage regte das Katholische Forum gemeinsam mit der Evangelischen Stadtakademie zu einem besonderen Angebot an: einen Kirchensprung. Die Woche des offenen Denkmals bot dazu den Rahmen, und so zogen am vergangenen Freitag fast 300 Besucher bei nasskaltem Wetter zu vier Kirchen der Innenstadt, um sich die sakralen Räume zu erschließen.

"Der Kirchensprung ist ein Versuch, Christen wie Nichtchristen zum Besuch von Kirchen einzuladen, ohne gleich ein liturgisches Programm mitzuliefern und gleich mit der Tür ins Haus zu fallen", sagt der pädagogische Mitarbeiter des Bildungswerkes, Notker Schrammek. Mit Musik und Meditation werde bewusst ein Angebot an die mit den gottesdienstlichen Formen nicht vertrauten Mitmenschen gemacht. Damit solle die Schwellenangst genommen werden, sich auf einen sakralen Raum und die christliche Botschaft einzulassen.

Die Veranstalter hatten vier Klosterkirchen ausgewählt: die Reglerkirche, die Kirche der Ursulinen am Anger, die romanische Schottenkirche, die von irischen Benediktinern erbaut worden ist, und zum Abschluss die Augustinerkirche, wo seit einigen Jahren Schwestern vom Casteller Ring in einer evangelisch-klösterlichen Gemeinschaft nach der Regel des heiligen Benedikt leben.

"Die Besucher konnten viel entdecken: Sie sahen Kirchen von innen, die häufig verschlossen sind. Sie konnten etwas von der christlichen Botschaft hören, ohne gleich mit einer Predigt konfrontiert zu sein", so Schrammek. Viele hätten entdeckt, dass das Christentum auch in einfachen Worten ausgedrückt werden könne, zum Beispiel wenn der Pfarrer der Reglerkirche über die Hoffnung anhand eines Gedichtes von Erich Fromm gesprochen oder die Oberin des Ursulinenklosters in einer Meditation über die unterschiedlichen Lebenswege nachgedacht habe. "Die Besucher nahmen diese Gedanken dankbar auf", sagte Schrammek. "Und sie konnten schließlich entdecken, dass es sich in Gemeinschaft besser von einer Kirche zur nächsten gehen lässt."

Der Kirchensprung lud an allen vier Stationen zu Musik und Besinnung ein. Die Stücke waren vielfältig: zeitgenössische Orgelimprovisation, eine Flötengruppe mit irischer Volksmusik und sogar ein Tango für Mandoline und Gitarre.

Den Abschluss bildete die Komplet mit den Schwestern vom Casteller Ring. Im Gebet der Hymnen und Psalmen konnte jeder persönlich seinen Tag bedenken und - wenn er wollte - vor Gott bringen. "Nicht alle vermochten das abschließende Vaterunser mitzubeten", weiß Notker Schrammek. Die Botschaften und die Ruhe der Musik hätten den Besuchern aber das Gefühl vermittelt, dass es hier um etwas Wesentliches gehe. Der Kirchensprung sei ein guter Ansatz, die Kirche ins öffentliche Gespräch zu bringen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 13.09.2001

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