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Bistum Erfurt

Künstlerin Katharina Volbers gestorben

Ob im Arbeitszimmer des Bischofs von Erfurt oder in der Ordenszentrale der Pallottiner in Rom, ob in Kirchen oder Kindergärten - überall bereichern die Grafiken und Gemälde der Eisenacher Künstlerin Katharina Volbers die Welt ihrer Betrachter.

Da ist die Leichtigkeit der kleinen schöpfungsfrohen Bilder, die nicht nur eine "Behübschung" trister Nachkriegsräume in unseren Pfarreien waren, sondern mit ihren Pflanzen-, Tier- und Instrumentendarstellungen etwas von Gottes Ästhetik ezählten. Doch da ist vor allem der Mittelpunkt des Schaffens: die künstlerische Umsetzung biblischer Themen. Zum einen sind es Werke, die in Gesprächen mit Freunden entstanden sind, immer freilich im Direktkontakt zur Heiligen Schrift; zum anderen führte die Liturgie des Kirchenjahres sie ein einen Prozeß ständiger persönlicher und künstlerischer Auseinandersetzung. Das Thema des Kreuzweges steht dabei im Mittelpunkt.

Ihr eigenes persönliches Credo fand seine künstlerische Entsprechung in der Formensprache des Expressionismus, die sie in Berlin bei Karl Schmidt-Rottluff erlernt hatte. Die harte Linienführung "des Kreuzes" wurde durchbrochen durch die Kraft großflächiger klarer "österlicher" Farben. Karfreitag und Ostern schoben sich so zusammen, wie sie es selbst in ihrem Leben immer wieder erfahren hat.

1925 in Frankfurt (Oder) geboren, studierte sie in Berlin Gesang, gab diesen Beruf aber zugunsten ihres Mannes, der als Opernsänger in Karl-Marx-Stadt und später in Eisenach arbeitete, auf, und widmete sich aufgrund des Drängens von Freunden der Malerei, die sie "nebenbei" in Berlin erlernt hatte. Von sozialistischen Institutionen geschnitten, aber auch im kirchlichen Raum kritisiert, malte und durchlebte sie Kreuzwege - dies alles an einer Staffelei über der Badewanne ihrer kleinen Neubauwohnung in Eisenach.

In den letzten Jahren entstanden keine Gemälde mehr. Die Linienführung in den Grafiken oder Collagen wird immer einfacher. In ihrem letzten Weihnachtsbild aus dem Jahr 1995 reichen vier Linien, ein paar Hände und die Andeutung eines Kindes, um die Realität der Menschen und Gottes Menschenfreundlichkeit auf den Punkt zu bringen.

Mit von Krankheit gezeichneten Händen, aber auch einem unerschütterlichen kindlichen Glauben verstarb Katharina Volbers am Elisabeth-Tag, dem 19. November 1995. Wir haben mit ihr eine prophetische Mitchristin verloren, deren Bilder bleibenden Wert behalten.

Pfarrer Gregor Arndt

Stadtdechant von Mühlhause.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 49 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 08.12.1996

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