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Bistum Dresden-Meißen

600000 Mark für ein Zuhause

Unitas-Verband engagiert sich in Markkleeberg

Markkleeberg (jak) - "Unser Projekt fand nicht nur Zustimmung sondern auch Kritik", erinnerte sich Dirk Lüerßen, Vorortspräsident des Unitas-Verbandes Osnabrück, "einige Verbandsmitglieder meinten, daß, wenn wir schon im Osten investieren, warum nicht in ein eigenes Haus. Aber unsere Verbandsarbeit ist kein Selbstzweck, die Hilfe für andere gehört dazu, sonst haben wir keine Daseinsberechtigung." Über 600 000 Mark wurden auf Initiative der Osnabrücker Gruppe des "Verbandes der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas" für das Caritas-Kinderdorf Markkleeberg bei Leipzig in sechs Jahren gesammelt. Und nicht weniger als 12 000 Briefe mit der Bitte um Unterstützung haben die Osnabrücker Unitas-Leute in dieser Zeit versandt.

Die Schirmherrschaft des Projektes übernahm von Anfang an Rudolf Seiters (CDU), der selbst dem Unitasverband angehört. Rudolf Seiters war zu diesem Zeitpunkt noch Bundesinnenminister. Dirk Lüerßen hob hervor, daß jedem Spender Dank gebührt. Sei es dem Studenten, der fünf Mark gab oder der Versicherung, die 10 000 beitrug.

Nach dem offiziellen Teil gab Rudolf Seiters dem ersten Haus des Kinderdorfes einen Namen: Es ist Robert Schuman gewidmet, der als französischer Außenminister und katholischer Christ 1950 den Anstoß zur europäischen Einigung gab. Fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges bot Frankreich mit dem "Schuman-Plan" seinem ehemaligen Kriegsgegner eine gemeinsame Politik an. Schumans Plan führte 1951 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl in Paris. Ihr traten sechs Staaten bei: Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg.

Die europäische Dimension gehörte auch zu den von Rudolf Seiters angesprochenen Themen: Er würdigte Robert Schuman als großen Europäer und freiheitlichen christlich-sozialen Staatsmann. Die von Schuman in Gang gesetzte europäische Idee habe damals viele Jugendliche für die politische Arbeit begeistert. Deutschland und Frankreich seien seither die Motoren für die europäische Einigung. Jetzt, so Rudolf Seiters, seien die Erfahrungen zwischen Deutschen und Franzosen eine gute Chance, auch zur Versöhnung mit den östlichen Nachbarn Tschechien und Polen zu kommen.

Nur ein geeintes Europa könne Sicherheit und Frieden für die Zukunft des Kontinents bringen. In Bezug auf die innere Einheit Deutschlands stellte der Politiker fest, daß "wir diesem Ziel nähergekommen sind", es aber noch nicht erreicht haben. Die deutsche Einheit - die verschiedene Gesellschaftsordnungen miteinander verband - bezeichnete Rudolf Seiters als ein in der Geschichte noch nie dagewesenes Projekt.

"Es bedarf noch viele Jahre der Solidarität um in ganz Deutschland gleiche Verhältnisse zu schaffen", resümierte Seiters. Doch dies sei kein Grund zum Verzagen: "Wir sind heute noch nicht soweit, wie wir 1990 gehofft hatten, aber weiter als wir 1992 annahmen." Das vereinigte, größer gewordene Deutschland sei heute ein verläßlicher Partner in der Welt.

Man habe sich nicht wie befürchtet nur auf die inneren Probleme gestürzt, sondern weiter seinen Beitrag für Europa und die Welt geleistet. "Niemals", so Rudolf Seiters, "war das Vertrauen der Welt in Deutschland größer als heute." Daraus solle Mut für die Zukunft und die Lösung der Probleme geschöpft werden.

Die Unitas-Sammlung für das Kinder- und Jugenddorf Markkleeberg bezeichnete Rudolf Seiters als großartige Initiative und ein praktisches Zeichen der Solidarität. "Die Aufgabe, Kindern eine neue Heimat zu schaffen, entspricht zutiefst dem Anliegen des Unitas-Verbandes", betonte Rudolf Seiters.

Derzeit leben im Caritas-Kinder- und Jugenddorf Markkleeberg 16 Mädchen und Jungen. Das erste Haus wurde im Juli 1995 bezogen, das zweite im Oktober 1995. Weitere drei Häuser, so der Vorsitzende des Trägervereins, Martin Gunkel, können nach Bedarf gebaut werden. Gedacht ist auch an andere Einrichtungen der Jugendhilfe, wie Begegnungstätten.

Martin Gunkel ist neben dem Unitas-Verband auch dem Kinder- und Jugenddorf der Caritas Klinge im Erzbistum Freiburg dankbar, das sich finanziell bei der Errichtung des zweiten Hauses engagierte. Aber auch die Unterstützung von Unitas geht weiter. "Sie sind aktiv und werden entscheiden, für welches zukünftige Projekt das Geld eingesetzt werden soll", sagt Martin Gunkel. Das Anliegen der Unitas-Unterstützung beschrieb Hans-Achim Michner, zur Zeit der Gründung des Sozialen Projektes, Unitas-Vorortspräsident von Osnabrück. Er sagte: "Die Kinder sollen das Gefühl bekommen, in der Welt nicht ganz allein zu sein."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 13.10.1996

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