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Bistum Dresden-Meißen

Gemeinsam leben, getrennt glauben?

Konfessionsverschiedene Ehen

Schmochtitz / Dresden - So wie es in jeder Gesellschaft bestimmte Gruppen gibt, die "am Rande" leben, oft gar nicht richtig wahrgenommen werden, so erleben sich auch konfessionsverschiedene Ehen und Familien sehr oft am Rand der Kirchgemeinden. In ihrer besonderen Situation und den sich daraus ergebenden Nöten und Schwierigkeiten fühlen sie sich oft vernachlässigt.

Dabei sind diese Paare längst nicht mehr die Ausnahme. Bundesweit liegt die Zahl der konfessionsverschiedenen Eheschließungen heute deutlich höher als die Zahl der Konfessionsidentischen. Doch die Betroffenen sind weitestgehend sich selbst überlassen. Deshalb ist es umso wichtiger, daß sie mit anderen Betroffenen Kontakt halten, sich über ihre Fragen und Schwierigkeiten austauschen können und so ein Stück Solidarität erfahren.

Diesem Anliegen diente kürzlich ein Wochenende im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz, zu dem die Ökumene-Kommission des Bistums angeregt hatte. Daß eine recht große Zahl von Kindern mit dabei war, machte die Tage nicht nur lebendiger und bunter, sondern wurde beim geselligen Abend und vor allem beim gemeinsamen Gottesdienst für alle zur Bereicherung.

Das thematische Gespräch der Erwachsenen ging aus von der Fragestellung "Rechtfertigung und Kirche", welche momentan im offiziellen Dialog zwischen der Katholischen und der Evangelisch-Lutherischen Kirche sehr aktuell ist und im Jahr 1997 zu einer gemeinsamen Erklärung beider Kirchen über die Lehre der Rechtfertigung führen soll. Das Fazit des Dialogs: Trotz verbleibender Unterschiede zwischen beiden Kirchen sind die Gemeinsamkeiten in dieser zentralen Frage des Glaubens so groß, daß sie ein tragfähiges Fundament für die erhoffte Kirchengemeinschaft darstellen.

Auf diesem Hintergrund der offiziellen theologischen Dialoge erleben die konfessionsverschiedenen Familien die gegenwärtige Situation um so schmerzlicher: Ehepaare, verbunden durch die Taufe als dem sakramentalen Band der Einheit, verbunden durch das Sakrament der Ehe als der tiefsten Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau, verbunden im gemeinsamen Glauben und Gebet und in ihrem Bemühen um die Weitergabe des Glaubens an ihre Kinder - sie sind getrennt am Tisch des Herrn.

Das ist ein großes Ärgernis und für die Betroffenen zumeist eine überaus große Notsituation. Das Problem sind ja nicht die konfessionsverschiedenen Ehen, sondern die getrennten Kirchen! Deshalb sind diese gefordert, das ihnen Mögliche zu tun.

Neben einem pastoralen Angebot zur Begleitung dieser Ehen und Familien gehören hierher dringend nötige Schritte, um die Notsituation zu erleichtern und für konfessionsverschiedene Ehen unter bestimmten Bedingungen die Teilnahme an der Eucharistie zu ermöglichen.

Mancherorts wird von katholischen Pfarrern - indem sie ihrem Gewissen folgen, gegenüber den evangelischen Ehepartnern nach einem vorausgegangenen Gespräch eucharistische Gastfreundschaft gewährt. Viele Pfarrer sind verunsichert: Sie sehen die Notlage, möchten aber nicht gegen die Weisung der Kirche handeln.

Folgenschwer ist die Reaktion der Kinder aus diesen Familien. Da sie die Trennung ihrer Eltern am Tisch des Herrn meist nicht mehr verstehen und nachvollziehen können, verliert die Kirche für sie ihre Glaubwürdigkeit.

Darum, so waren sich die Anwesenden einig, liegt hier dringender Handlungsbedarf vor allem seitens der katholischen Kirche. Und darum sei es auch dringend nötig, sich über diese Fragen auszutauschen und miteinander im Gespräch zu bleiben.

Deshalb ist für das nächste Jahr wieder ein solches Wochenende für konfessionsverschiedene Ehen und Familien geplant.

Der Termin steht fest: 26. bis 28. September 1997.

Voranmeldungen sowie Fragen zu dieser Thematik sind an die Ökumenische Arbeitsstelle, Am Hochwald 2 in 01324 Dresden zu richten. Tel. 0351 / 26 83 308.

Josef Tammer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 40 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 06.10.1996

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