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Bistum Magdeburg

Rat Steinhoff über das Liborius-Gymnasium

Als erstes der drei katholischen Gymnasien im Bistum Magdeburg feierte das Liborius-Gymnasium Dessau am vergangenen Wochenende sein fünfjähriges Bestehen. Rat Theodor Steinhoff, Leiter der Hauptabteilung Schule / Hochschule im Bischöflichen Ordinariat Magdeburg, über Entstehung und Aufgabe der katholischen Schule.

Schon in den Anfängen des Liborius-Gymnasiums zeichnete sich ein wesentliches Prinzip für die Schule ab: der Elternwille. Ein harter Konflikt stand am Beginn, der sogar die Gründung der Schule in Frage stellte. Zunächst war geplant, das Gymnasium, mit zwei Klassen beginnend, von unten herauf aufzubauen. Es sprach vieles dafür aus gewichtigen pädagogischen Gründen. Die Entscheidung ist auf Druck der Eltern - besser gesagt aus Mitverantwortung der Eltern - und wiederum aus guten Gründen anders gefallen: Wir begannen den Unterricht 1991 mit den Klassen fünf bis neun und der Klasse elf.

Der Elternwille und die Verantwortung der Eltern bleiben nach wie vor angefragt, wenn wir dem Anfang treu bleiben wollen. Keine Schule kann die Versäumnisse des Elternhauses allein weder nachholen noch korrigieren. Ich verstehe das Zusammenspiel von Eltern und Schule als wesentliches Prinzip des Liborius-Gymnasiums.

Ein weiteres scheint mir wichtig zum Stichwort Schulkonzept: Schule, wie wir sie verstehen, ist nicht nur ein Ort der Information. Unter christlichem Schulkonzept verstehe ich die ehrliche und redliche Offenheit für letzte Fragen. Dabei sind Fragen oftmals wichtiger als Antworten. Antworten machen neue Fragen möglich und lassen sie zu. Ich will es deutlich sagen: In unserem Schulkonzept ist die Frage nach Gott nicht ausgeklammert. Das wiederum hat etwas zu tun mit der Einübung ethischer Verhaltensmuster, mit einem Menschenbild, das allen Menschen die Würde der Person, Individualität, einen Selbstwert und Autonomie zuspricht - Meine Freiheit ist immer auch die des anderen Menschen.

Am Liborius-Gymnasium und auch am Elisabeth-Gymnasium in Halle und am Norbertus-Gymnasium in Magdeburg unterrichten Lehrer aus allen Bundesländern. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und Spannungen hat sich ein gutes Miteinander entwickelt. Es mag überheblich klingen, doch ich sehe in unseren Schulen ein Stück sich vollziehender deutscher Einheit.

Der Regensburger Bischof Manfred Müller, Leiter der Kommission für Erziehung und Schule in der Deutschen Bischofskonferenz, hat kürzlich festgestellt, daß katholische Schulen in Deutschland seit einigen Jahren immer beliebter werden.

Wenn die bischöflichen Gymnasien im Bistum Magdeburg angenommen werden, dann liegt das meiner festen Überzeugung nach in erster Linie daran, daß die Eltern unser christliches Schulkonzept wünschen.

Theodor Steinhoff.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 22.09.1996

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