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Das Ottonenjahr macht's möglich

Zum Tag des offenen Denkmals: Spuren Otto I. in Wahlbeck

Walbeck - Auf die Spuren Otto des Großen lässt es sich nicht nur in Magdeburg, Querfurt, Memleben oder Quedlinburg begeben, auch das kleine Dorf Walbeck bei Helmstedt lädt dazu ein. Nur eine halbe Stunde Autofahrt von Magdeburg entfernt, kündet die Ruine einer ehemaligen Stiftskirche von ottonischen Zeiten. Im zehnten bis elften Jahrhundert war hier das Walbecker Grafengeschlecht beheimatet. Graf Lothar II. beteiligte sich im Jahr 941 an einer Verschwörung gegen Otto den Großen und entging nur knapp der Todesstrafe durch Enthauptung. Vielleicht lag es daran, dass seine Frau eine Cousine von Otto I. war. Jedenfalls baute er zur Sühne dieser Verfehlung eine Kirche auf, die heute eines der ältesten ottonischen Bauwerke in Deutschland ist. Die imposanten Ruinen dieser Stiftskirche lassen ahnen, wie eindrucksvoll sie einmal gewesen sein muss.

Vielleicht hat Otto der Große die Kirche selbst einmal gesehen: In Chroniken findet sich der Hinweis, dass er 959 nach Walbeck kam, um seine Cousine zu besuchen und Graf Lothar II. für seine treuen Dienste in der Schlacht gegen die Slawen im Jahre 955 zu danken. Der Graf starb 964 und wurde in der Stiftskirche beigesetzt. Seinen Sarkophag fand man erst 1932 bei Vermessungsarbeiten. Er steht heute in der evangelischen Sankt-Michael-Kirche in Walbeck. Pfarrer Klaus Ingelmann freut sich über dieses Schmuckstück: "Das ist ein Kunstwerk, das gehört hier gar nicht in die Gegend." Deutlich sei zu erkennen, dass der Künstler, der den Sarg einst anfertigte, Anleihen bei den großen Meistern südlich der Alpen machte. Zum Teil schimmert an der Tumba heute noch das ursprüngliche Rot durch, mit dem sie vor über 1000 Jahren angemalt wurde. Dasselbe Rot findet sich zudem in vereinzelten Sprengseln auch noch an der Stiftsruine.

Sarkophag und Stiftsruine können am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Mehrere Fußwege führen zum Domberg hinauf, auf dem die Ruine steht. Die ursprüngliche Form der Kirche lässt sich heute noch erkennen und beim Wandern durch die Ruine wieder entdecken. Vor der Ruine lädt eine große Wiese zum Picknicken ein, und die kleine Kirche, in der der Sarkophag heute steht, ist allein schon eine Reise wert. Sie ist zwar erst knapp 112 Jahre alt, wird aber von den meisten Besuchern wegen ihrer gotischen Fenster als mittelalterlicher Bau eingeordnet.

Walbeck lag zu DDR-Zeiten im Sperrgebiet, und die Kirche verfiel von Jahr zu Jahr. Wäre die Ausstellung über Otto den Großen nicht gewesen, die zurzeit in Magdeburg zu sehen ist, hätte sie vielleicht bald abgerissen werden müssen. Wegen der Bedeutung von Stiftsruine und des Sarkophags konnte sie mit Mitteln vom Land und aus Lotto-Einnahmen sowie Spenden restauriert werden. Die Apsis im Altarraum strahlt zum Beispiel wieder in Himmelblau. Mit der Erneuerung der Kirchenfenster wurde Otto I. auch hier ein Denkmal gesetzt: Das Logo des Ottonenjahres 2001 schmückt eines der Fenster. Wer mehr über die Bedeutung von Walbeck, Stiftsruine und Wirken des Walbecker Grafengeschlechts wissen möchte, kann sich in der Heimatstube neben der Kirche umsehen. Eine Sonderausstellung informiert dort auch über Otto den Großen und seinen Bezug zu Walbeck.

Öffnungszeiten am Tag des offenen Denkmals: Stiftsruine: ganztägig; Dorfkirche: 11 bis 17 Uhr; Heimatstube: 10 bis 17 Uhr

Julia Kuttner

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 36 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 05.09.2001

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