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Bistum Erfurt

Mit Energie und Courage für die Kinder

Im Porträt: Schwester Adeltrudis, Jützenbach

Sie lebt seit mehr als 36 Jahren in Jützenbach, einem kleinen Eichsfelddorf zwischen Bischofferode und Duderstadt. Schwester Adeltrudis Kaiser hat hier gemeinsam mit den Bewohnern ausgehalten, als der Ort unmittelbar an der deutsch-deutschen Grenze im Sperrgebiet lag. Ausgehalten, weil es auch hier kleine Kinder im Glauben zu erziehen und so für das Leben tauglich zu machen galt. Sie hat dies mit viel Courage, Geschick und Einsatz getan. Schwester Adel-trudis, die am 19. September 80 Jahre alt wird, ist für dieses Engagement, für ihre Treue zu ihrem Glauben und ihrem Auftrag als Heiligenstädter Schulschwester im Juni mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden.

Aus Botropp stammend hatte sie in den 30er Jahren als katholische Jugendführerin die braune Diktatur und ihren antikirchlichen Geist kennengelernt. 1939 bei den Schulschwestern eingetreten, wurde sie bald im Heiligenstädter Raphaelsheim eingesetzt. Ihrem Einsatz war es mit zu verdanken, daß das Heim mit damals 160 Kindern nicht von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. Und auch als die russischen Besatzer am 3. Juli 1945 in Heiligenstadt einrückten, gelang es ihr mit Courage, Kinder, Personal und Heim vor dem Schlimmsten zu bewahren.

15 Jahre später schickte sie ihr Orden 1960 nach Jützenbach ins Sperrgebiet, um hier einen Kindergarten zu führen. Als erste größere Aktion feierte sie mit Kindern und Eltern Fasching, wie sie sich erinnert. Schließlich galt es, sich gegenüber dem 1954 außerdem in dem kleinen Ort eingerichteten staatlichen Kindergarten zu behaupten. Ihre lustigen Sketsche und Spiele wie Schrubberfußball begeisterten die Kinder. "Man muß als Kindergärtnerin immer fit sein", sagt die langjährige Erzieherin.

Aus zwölf Kindern wurden bald 25, die zur Schwester und ihren Helferinnen ins Haus Maria am Berge kamen, darunter das Kind des LPG-Vorsitzenden. Später waren es um die 70 Kinder. Doch auch baulich mußte einiges geschehen. Eine schwierige Aufgabe, war doch vor allem die Beschaffung von Baugenehmigungen und Material ein Kunststück. "Man mußte den Mund auf dem richtigen Fleck haben", erinnert sich die Ordensfrau.

Mit Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen gelang es ihr, den Behörden die Genehmigungen abzutrotzen. "Man durfte keine Bange und mußte Zivilcourage haben." Dank der Hilfe vieler Männer des Dorfes konnte der Kindergarten so über die Jahre um- und ausgebaut werden. Unterstützt wurde sie "bis an die Grenzen des Machbaren" auch von ihrer Familie im Westen, erinnert sich die Ordensfrau dankbar. Erst 1991 legte sie ihre Aufgabe in jüngere Hände.

Eine besondere Freude wurde Schwester Adeltrudis jetzt am Fest Maria Geburt gemacht: In Jützenbach wurde auf ihren Wunsch eine kleine Lourdesgrotte eingeweiht.

Eckhard Pohl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 15.09.1996

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