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Aus der Region

Keine Träne umsonst geweint

Tag der im nordböhmischen Osek internierten Ordensleute

Osek (jak) - Ihr habt das Kreuz nicht verraten, so habt ihr den Grundstein gelegt für das neue Osek", mit diesen Wort würdigte Bernhard Thebes, der 45. Abt des Zisterzienserklosters, alle Ordensleute, die nach dem Zweiten Weltkrieg im nordböhmischen Kloster Osek gelitten haben. Zuerst wurden die Zisterzienser vertrieben, dann kamen Salesianer und ab 1954 wurden Schwestern aus verschiedenen Kongregationen interniert. Sie wurden so aus der sozialistischen Gesellschaft" entfernt, im Namen einer Ideologie, die andersdenkenden Menschen nur Verachtung entgegenbrachte.

Am 7. September trafen sich die Überlebenden dieser Zeit zu einem Tag der Ordensleute". Es war eine der stillen Veranstaltungen im Rahmen des Jubiläums 800 Jahre Kloster Osek". In seiner Predigt betonte Abt Bernhard Thebes, daß jede Schwester, jeder Bruder mit der Entscheidung für Christus das Fiat - es geschehe Dein Wille - gesprochen haben. Ihr habt ja gesagt, nun erwartet nicht, daß ihr einen anderen Weg gehen könnt als Jesus und Maria, deshalb die vielen Jahre in Osek, das ist die Konsequenz des Fiat", sagte Bernhard Thebes. Das Kreuz, so der Abt, ist und bleibt die entscheidende Mitte des Lebens. Da hilft kein Jammern" über die vielen kleinen und großen Kreuze die täglich auf den Christen einbrechen können, sondern nur das Kreuz aufnehmen und Christus nachfolgen".

Abt Bernhard Thebes kritisierte, daß dieses Wort Jesu im Westen Europas so wenig gelebt werde. Statt dessen diskutieren die deutschen Katholiken Tag und Nacht. Aber wir sollen nicht ständig auf uns selbst schauen, oder auf die anderen, sondern auf das Evangelium. Und das - liebe Schwestern - habt ihr getan", betonte Bernhard Thebes. Mit ihrem Leben und Leiden sind sie alle in das Buch Gottes eingeschrieben: Keine Träne wurde hier umsonst geweint, kein Kreuz vergebens getragen. Gott hat alle gezählt und ihr werdet in die Herrlichkeit Gottes eingehen..

Am Nachmittag trafen sich die Ordensleute mit Abt Bernhard auf dem Friedhof von Osek zum Gedenken an die 230 verstorbenen Schwestern. In unser Gebet wollen wir alle mit hineinnehmen, die einmal hier eingesperrt waren, jede einzelne Schwester soll uns dabei gegenwärtig sein", sagt der Abt und erinnerte daran, daß nur der Leib tot ist, die Seele aber lebt.

1993 haben die letzten Schwestern Osek verlassen und sind in ihre Häuser zurückgekehrt. Viele konnten aus Gesundheitsgründen nicht zum Treffen kommen. So die Elisabeth-Schwestern, die ihren Nachwuchs als Vertretung schickten: Ein Zeichen der Hoffnung. Osek, so wollten es die kommunistischen Machthaber, sollte eine Endstation für die Schwestern in der damaligen Tschechoslowakei sein. Der Tag zeigte: Es war ein lang getragenes Kreuz, aber doch der Schritt in die Zukunft. weiter Seite 13

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 15.09.1996

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