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Aus der Region

Die Wurzeln nicht vergessen

Interview mit Bischof Nowak zur Ausstellung "Otto der Große - Magdeburg und Europa"

Bischof Nowak Als gebürtiger Magdeburger, als Bürger dieser Stadt und als katholischer Bischof des Bistums Magdeburg freue ich mich sehr, dass die Ottonenausstellung nunmehr ihre Pforten geöffnet hat. Man kann wohl kaum ermessen, wie viel Mühe, Zeit und auch Geld es kostet, eine solche Ausstellung zu ermöglichen. So wünsche ich dieser Ausstellung möglichst viele Besucher und einen großen Erfolg, wird doch auch die kulturelle und historische Bedeutung unserer Stadt und unseres Landes deutlich zum Ausdruck gebracht.
Mit Bedauern muss ich jedoch feststellen, dass in keiner Veröffentlichung, keiner Rede und keinem Grußwort die Beziehung des Ausstellungsinhaltes zur gemeinsamen katholischen Vergangenheit in diesem Land und zur gegenwärtigen Kirche erwähnt wird.
Die zu bewundernden Exponate sind doch nicht einfach vom Himmel gefallen! Sie sind auch keine Relikte einer längst ausgestorbenen Religion, etwa wie die der Maya oder der Ägypter. Mehr noch: Wir selbst leben in diesem Land - auch heute noch - von den Wurzeln, die dieser Glaube sichtbar hinterlassen hat. Die allermeisten Exponate haben nicht nur einen historischen und künstlerischen Hintergrund, sie sind vor allem Zeugen eines lebendigen christlichen, von katholischer Tradition geprägten Glaubens. Ohne diesen Hintergrund hätte es diese Gegenstände erst gar nicht gegeben.

Ein Weihwassergefäß aus Elfenbein zum Beispiel gäbe es nicht ohne das lebendige Taufgedächtnis einer Gemeinde. Ein kostbares Vortragekreuz gäbe es nicht ohne feierliche Prozessionen, die auch heute noch von der Pilgerschaft des menschlichen Lebens erzählen. Auch Reliquiengefäße sind nicht denkbar ohne die Hochschätzung heiliger Menschen, die auch noch heute im Glauben von Christen eine bedeutende Rolle spielen. Und ein Petrusstab wäre höchstens eine teure Antiquität, erzählte er nicht von der Geschichte des Jüngers Jesu und von der Bedeutung des Bischofsamtes in der Kirche.

Deshalb kann es nicht nur darum gehen, staunend und bewundernd vor diesen 1000 Jahre alten Zeitzeugen zu stehen, sondern auch darum, deren religiösen Inhalt ernst zu nehmen. Die Christen beider großer Konfessionen sollten sich anfragen lassen, was wir an Zeichen der Glaubenskraft und -schönheit eingebüßt haben, auch weil Formen und Riten verworfen wurden. Die zu Recht - aber auch oft zu Unrecht - kritisierte katholische Christenheit hat aufgrund ihrer Glaubenskraft diese Werke hervorgebracht, Kathedralen und Klosterkirchen erbaut, die heute zum Weltkulturerbe gehören.

Wer diesen Aspekt vernachlässigt, sieht nur mit einem Auge auf diese Zeit und ihr Weltbild. Diese Kunstwerke des Glaubens fragen uns aber auch, ob wir nicht gerade wegen unserer allzu rationalistischen und aufgeklärten Art im Umgang mit der Welt und der Glaubensüberlieferung, unsagbar viel verloren haben und an wertvollen Möglichkeiten ärmer geworden sind.

Besonders religiöse Kunst will "Unsichtbares sichtbar machen", will den menschlichen Erfahrungshorizont über das alltäglich Erfahrbare hinaus erweitern. Ohne diesen Hintergrund wird man dieser Ausstellung nicht gerecht.

Die Ottonenausstellung in Magdeburg ist deshalb nicht nur für Christen eine Chance, aus dem Schatz der Vergangenheit zu schöpfen und auf diesem Fundament die Zukunft zu wagen.

Bischof Leo Nowak

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 36 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 05.09.2001

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