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Bistum Dresden-Meißen

In Freiberg hätte Jesus "Glück auf" gesagt

Vorgestellt: Lisa Ahnert

"Ich glaube an einen liebenden Gott und wollte immer, daß auch andere in diesem Glauben froh werden." Lisa Ahnert sagt das wie ein Resümee. Wie ich die Fünfundsiebzigjährige so lebendig und temperamentvoll mir gegenübersitzen sehe, erscheint mir das überhaupt als die Summe ihres Lebens und ihrer Arbeit.

Sie hat sich stets engagiert und viele Ideen eingebracht. Zunächst mit ihrer Tätigkeit als Erzieherin in verschiedenen Familien, wo sie im Münsterland katholisches Leben kennenlernte, später als Hortnerin in Dresden und als Lehrerin in Ottendorf bei Mittweida. Dort war sie im evangelischen Lehrer- und Kantorhaus aufgewachsen. Dorthin kehrte sie nach dem vernichtenden Angriff auf Dresden heim, führte die Junge Gemeinde und wurde deshalb für den Schuldienst bald als nicht mehr tragbar befunden. Nach mehreren Zwangsversetzungen kündigte sie 1949.

Sich rufen und führen lassen, ist die andere Seite ihres Wesens. Abraham, der sich von Gott in ein fremdes Land schicken ließ, ist für ihr Leben eine wichtige Gestalt. Schon früh war ihr das Büchlein mit den Herrnhuter Losungen ein täglicher Begleiter. "Geh du aber hin und verkündige das Reich Gottes!" las sie auf ihrer Suche nach ihrem weiteren Weg. Er führte sie für ein Jahr ins Oratorium des heiligen Phi-lipp Neri nach Leipzig. Am Ende dieser fruchtbaren Zeit stand ihre Konversion am ersten Advent 1949. Ihrem Ja zur katholischen Kirche folgte die Ausbildung am Seelsorgehelferinnen-Seminar in Magdeburg, die sie 1952 beendete.

In Freiberg trat Lisa Ahnert ihre erste Stelle an, ohne zu ahnen, daß dort 13 Jahre ihr Platz sein würde. Religionsunterricht, Arbeit mit Kindern, Betreuung der Außenstationen, Chor und Orgelspiel nahmen sie voll in Anspruch. Sie tat dies alles mit der Heiterkeit des Herzens und erinnert sich noch heute gern an viele Begebenheiten. Beispielsweise als sie einmal auf die Frage "Wie grüßte Jesus seine Jünger nach der Auferstehung?" in einer ersten Klasse die Antwort "Glück auf!" erhielt. "Wäre er in Freiberg auferstanden, hätte er sicher so gegrüßt", war ihre frohe Antwort.

1965 berief sie Bischof Otto Spülbeck zur Referentin für die Frauenseelsorge des Bistums Meißen als Nachfolgerin von Franziska von Schönburg. Der Abschied von Freiberg fiel ihr schwer, wieder ging sie wie Abraham auf etwas Unbekanntes zu, obwohl sie gerade "eine süße kleine Wohnung" bezogen hatte. Besinnungstage, Vorträge, Kurse zum geistlichen Leben standen nun im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Sie betreute Alleinerziehende, gestaltete Familienfreizeiten im Winfriedhaus oder die Ostertage in Hoheneichen. Die Besinnungstage für Ehepaare um die Silberhochzeit rief sie ins Leben. Ab 1981 brachte sie Kassetten und Bücher von ihren "Rentnerreisen" in den Westen mit und unter die Leute.

Immer ging es ihr darum, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zum Hören zu bringen, zum Hören auf die innere Stimme, auf Gottes Anspruch. Die geliebte Musik war ihr dabei eine Helferin. "Ich habe einige zum Plattenspieler bekehrt", lacht sie. Sie, deren "Heilswerkzeug" heute das Telefon ist, seit sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr regelmäßig Kurse und Vorträge halten kann, sagt, daß sie ihren so erfüllten Beruf jederzeit wieder ergreifen würde. Bei vielen hat sie eine Spur hinterlassen. Den 75. Geburtstag, den sie am 27. August in aller Stille beging, will mancher ihr gar nicht glauben. Herzlichen Glückwunsch.

Ursula Wicklein.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 01.09.1996

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