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Bistum Magdeburg

Grundstein für Neubau am St. Marienstift

Bessere Verhältnisse in Aussicht

Magdeburg (ep) - Wer sich als Patientin oder Patient im Magdeburger St. Marienstift behandeln läßt, muß in dem Krankenhausbau aus der Jahrhundertwende mit teilweise noch sehr bescheidenen räumlichen Verhältnissen, vor allem im sanitären Bereich, vorliebnehmen. Doch das soll nun anders werden.

Am 15. August wurde auf dem Gelände der Klinik, die seit Jahrzehnten von den Grauen Schwestern von der Heiligen Elisabeth geführt wird, der Grundstein für einen mehr als 45 Millionen Mark teuren Krankenhaus-Neubau gelegt. Das Gebäude an der Rückseite des alten Krankenhausbaus soll künftig Stationen mit insgesamt rund 150 Betten, mehrere Operationssäle, Räume für Physiotherapie sowie für Röntgen- und weitere funktionsdiagnostische Untersuchungen aufnehmen.

Die gynäkologische Station des Marienstifts, die 1993 in einem eigens als Übergangslösung errichteten Containertrakt untergebracht wurde, soll in den Neubau umziehen und durch Betten für Geburtshilfe ergänzt werden, was in Magdeburg bereits für Diskussionen gesorgt hat. Denn andererseits soll das moderne Städtische Klinikum in Neu-Olvenstedt nach Empfehlungen eines vom Sozialministerium in Auftrag gegebenen Gutachtens im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe möglicherweise Betten reduzieren.

Regionalgeschäftsführer Dr. Peter Willms von der "Katholischen Wohltätigkeitsanstalt zur Heiligen Elisabeth", dem Krankenhausträger des St. Marienstifts, dankte dem Land Sachsen-Anhalt für die Förderung des Neubaus mit 45,6 Millionen Mark. Dr. Willms, der zugleich Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft für Sachsen-Anhalt ist, erinnerte in seiner Ansprache zur Grundsteinlegung daran, daß die Vorbereitungen für den Klinikneubau bis in die Jahreswende 1990/91 zurückreichten.

Das vorgesehene Profil des St. Marienstifts sei mit allen Beteiligten langfristig abgestimmt worden. Auch bezüglich der Diskussion um die geplanten Geburtshilfe-Betten müsse eine Übereinstimmung erzielt werden. Willms: "Den Konsens mit allen Beteiligten werden wir trotz der verständlicherweise aufgeregten Diskussion um die Krankenhaus-Perspektivplanung unbeirrt weiter suchen. Auch eine weitere Profilierung der Klinik St. Marienstift wird nicht einseitig zu Lasten des Städtischen Klinikums Neu-Olvenstedt erfolgen." Der Stand der Gespräche mit den zuständigen Ministerien und den anderen Krankenhäusern lasse "zuversichtlich an eine für alle Seiten akzeptable Lösung glauben", so Dr. Willms.

Dieser Auffassung war auch Sachsen-Anhalts Sozialministerin Dr. Gerlinde Kuppe (SPD). Die Ministerin würdigte die Bereitschaft der Verantwortlichen des St. Marienstifts, die der Stadt Magdeburg und dem Land Sachsen-Anhalt 1993 "aus einer schwierigen Situation" geholfen hätten: Damals hatte der Wissenschaftsrat den Vorschlag gemacht, die Bettenzahl für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Magdeburger Universitätsklinik auf die Hälfte zu reduzieren. Das St. Marienstift habe den Abbau durch Schaffung gynäkologischer Betten aufgefangen. Dem Klinikpersonal wünschte Ministerin Kuppe, es möge ihm auch weiterhin gelingen, die Kranken, die ins Marienstift kommen, "immer mitmenschliche Nähe spüren zu lassen". Bürgermeister Bernhard Czogalla forderte die Krankenhäuser der Stadt Magdeburg auf, "zum Wohle der Patienten zu kooperieren und nicht zu konkorrieren".

Der Geschäftsführer der in Reinbek ansässigen Katholischen Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth, Stephan Schwarte, äußerte sich erleichtert, daß "Hoffen und Bangen, Kämpfen und Bemühen" um den Neubau nun "endlich" mit der Grundsteinlegung Erfolg hätten. Der Neubau werde das "Herzstück" des St. Marienstiftes werden, sagte Assesor Schwarte.

Bischof Leo Nowak, der den Grundstein segnete, dankte allen, die bisher den Neubau mit vorbereitet hätten. Er ermahnte die am Bau Beteiligten und das medizinische Personal, sich auf dem festen Fundament des Glaubens "als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen zu lassen". Die Zuwendung zum Menschen, besonders zu Kranken, schenke in besonderer Weise Lebenssinn, sagte Nowak. Zu denen, die symbolisch mit einem Hammer den Grundstein ausrichteten, gehörten auch die Vorstandsvorsitzende der Katholischen Wohltätigkeitsanstalt, Schwester M. Barbara Hellmann, und die Krankenhausoberin, Schwester M. Regina Nö-ring.

Im St. Marienstift gibt es derzeit Hauptabteilungen für Innere Medizin (25 Betten) und Gynäkologie (35 Betten) sowie insgesamt 90 belegärztliche Betten für Chirurgie, Orthopädie und Urologie. Jährlich werden von den 170 Mitarbeitern rund 5000 Patienten medizinisch versorgt und betreut. Planung und Aufsicht der Bauarbeiten für die neue Klinik liegen in den Händen des Planungsrings Dr. Pawlik und Partner. Mit der Fertigstellung des Neubaus wird 1998/99 gerechnet. Dann soll auch der Klinikaltbau des St. Marienstiftes, der am 18. Oktober vor 90 Jahren eingeweiht wurde, generalüberholt werden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 25.08.1996

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