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Bistum Erfurt

Zu Gast auf der Grünen Insel

Jugendliche aus Thüringen und dem Eichsfeld in Irland

Dublin / Heiligenstadt (mg/tdh) - Ferientage auf der "Grünen Insel" erleben - das konnten in diesem Sommer 20 abenteuerlustige Jugendliche aus Thüringen und dem Eichsfeld. Die Mädchen und Jungen im Alter von 16 bis 25 Jahren, waren in der zweiten Julihälfte auf der Insel unterwegs. Unter Leitung des scheidenden Jugendpfarrers Wolfgang Kirchner und von Jugendreferent Markus Gudat vom Heiligenstädter Marcel-Callo-Haus hatten sie sich vorgenommen, von Dublin aus einmal auf der Insel rundherum zu fahren, um viel von Irland zu sehen.

"So stürzten wir uns denn mit zwei Kleinbussen und einem PKW in den Linksverkehr und kreisten mehrfach um so manchen Roundabout (Kreisverkehr), erzählt Manuela Große, eine der Teilnehmerinnen, lachend. Überall stießen wir auf die Spuren von Mönchen: Steinerne Klosterruinen mit Hochkreuzen aus Granit, in die Bibelszenen eingemeißelt sind, und mit Rundtürmen, in denen die Menschen früherer Zeiten Schutz vor den Überfällen der Wickinger suchten. Bauten, die die jungen Leute die große Bedeutung der Mönche auf der Insel erahnen ließen. "Man fällt in Irland wirklich von einer historischen Ruine in die nächste", bestätigt Christoph Gehrmannn (19) aus Heiligenstadt. "Ich bin sehr an Geschichte interessiert. Und fand das total interessant."

Fasziniert haben Christoph und die anderen auch die viel älteren Zeugnisse prähistorischer Zeit wie Ganggräber und Dolmen. Höhepunkt war die Besichtigung des Ganggrabes von Newgrange, das aus der Zeit um 3200 vor Christus stammt. Mittels eines 20 Zentimeter breiten Schlitzes über dem Grabeingang fällt an den Tagen um die Wintersonnenwende das Sonnenlicht in das Grab ein, so daß es den 19 Meter langen Gang bis zur Grabkammer erleuchtet; das entdeckten Archäologen erst 1969. Das Naturschauspiel wird für den Besucher künstlich nachvollzogen. "So hatten wir die Möglichkeit, das mystische Empfinden und den Totenkult der Menschen aus alter Zeit etwas kennenzulernen", sagt Manuela.

Aber nicht nur die Klöster, Burganlagen, gewaltigen Stadtmauern und prähistorischen Zeugnisse hatten es den Jugendlichen angetan. "Mich hat die Landschaft sehr begeistert", erzählt Martina Gerling (19) aus Ershausen. "Irland ist wirklich eine grüne Insel." Und Zwillingsschwester Doreen ergänzt: "Vieles auf der Insel ist naturbelassen, nicht alles so zubetoniert wie bei uns. Wir hatten den Eindruck, die Menschen lieben wirklich ihr Land." Auf dem Reiseprogramm stand eine Bergtour zum höchsten Punkt Irlands, dem 1041 Meter hohen Carrauntuohill, aber auch ein Abstecher zu den Cliffs of Moher, die am höchsten Punkt 203 Meter senkrecht ins Meer abfallen. An einer weniger gefährlichen Stelle war dann auch Zeit zum Baden und so die Wogen des Atlantiks zu genießen.

"Wo wir auch hinkamen, die Leute waren immer total nett und höflich", sagt Doreen. "Auf dem weiten Land geht das Leben viel ruhiger zu, die Menschen sind nicht so aggressiv wie bei uns." Und auch Manuela bestätigt: "Ob auf der Straße, beim Gottesdienst, in den Pubs oder auf den Zeltplätzen, auf die wir kamen: Überall wurden wir freundlich aufgenommen."

Um einen Gesamteindruck zu bekommen, verbrachte die Gruppe auch zwei Tage in Nordirland. "Wir wollten uns ein Bild von der Situation machen, ohne jedoch irgendein Risiko einzugehen", so Manuela. In den ländlichen Gebieten waren kaum Veränderungen zu bemerken. In Londonderry und Belfast dagegen waren die Spannungen des Konflikts zu spüren. "Was wir sahen, hat uns ziemlich schockiert", sagt Doreen. "Vergitterte Straßenampeln, eingezäunte Wohnviertel, in den protestanttischen Wohngebieten überall die britische Fahne, viel Polizei mit schußsicheren Westen." Einigermaßen erschrocken war die Gruppe auch, als bereits gegen 18.00 Uhr die Straßen wie ausgestorben waren.

Insgesamt hinterließ die Insel aber einen starken und positiven Eindruck bei den Jugendlichen. Die gemeinsamen Erlebnisse schweißten die Mädchen und Jungen zusammen. Martina: "Viele von uns kannten sich vorher nicht. Aber alle waren total nett." Schließlich gab es zwei Wochen lang genug Gelegenheit, sich kennenzulernen: beim Auf- und Abbauen der Zelte bei Regen oder Sonnenschein, beim gemeinsamen Beten, im Pub bei Guinness oder Irish Coffee... Christoph: "Ich war vor zwei Jahren schon mal bei einer vom MCH im Jugendplan angebotenen Fahrt mit. Es hat sich auch diesmal echt gelohnt."

Ein irischer Segenswunsch, der als Lied zum Urlaubsohrwurm wurde, begleitet so manchen der Jugendlichen noch immer: "Möge die Straße uns zusammenführen, und der Wind in deinem Rücken sein ... und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand."

Die Referate Jugendseelsorge bieten jährlich verschiedene Fahrten für Jugendliche an. So verbrachte in diesem Jahr eine Gruppe Ferientage auf der Bleibe, eine weitere Gruppe war im rumänischen Caliman-Gebirge und den Moldauklöstern unterwegs. Wer 1997 mitfahren möchte, sollte frühzeitig ins Jugendprogramm schauen oder sich erkundigen: Referat Jugendseelsorge Erfurt, Tel. 03 61/ 6 57 23 41 oder: Referat Jugendseelsorge Heiligenstadt, Tel. 0 36 06/ 66 74 04.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 25.08.1996

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