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Bistum Magdeburg

Begründete das christliche Europa

Magdeburg zeigt Ausstellung über Kaiser Otto I. und seine Zeit

Magdeburg (ep) - So wollte sich Otto der Große verstanden wissen und so sah er sich wohl auch selbst: Von Christus als Herrscher über das christliche Abendland eingesetzt und beauftragt, es gegen Feinde zu schützen und den Heiden den Glauben zu bringen. Angedeutet ist dies auf einer Abbildung, die derzeit in vielen Orten Deutschlands auf einem Plakat zu sehen ist: Kaiser Otto I. übergibt Christus eine Kirche. Dazu die Aufschrift "Otto der Große - Magdeburg und Europa. 27. Ausstellung des Europarates. Landesausstellung Sachsen-Anhalt. 27. August bis 2. Dezember 2001"

962 vom Papst zum Kaiser gekrönt, hatte Otto I. seitdem die Gründung des Erzbistums Magdeburg betrieben. In seiner Pfalz in Magdeburg ließ er ein mächtiges Gotteshaus bauen. Hier wollte er ein Zentrum schaffen, von dem aus die Slawen östlich der Elbe und Saale zum christlichen Glauben geführt werden sollten, auch mit dem Schwert. 968 wurde das Erzbistum errichtet. Die auf dem Plakat abgebildete Elfenbeinschnitzerei zeigt Otto mit seiner Stiftung, die von Christus gesegnet wird. Begleitet wird der Kaiser durch seinen Schutzpatron, den heiligen Mauritius, und einen Engel. Der Apostel Petrus - mit Mauritius Patron des Domes - und weitere Heilige sind Zeugen.

Die Elfenbeindarstellung, die heute in New York aufbewahrt wird, gehört zu den kostbarsten Exponaten, die seit letztem Sonntag im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg zu sehen sind. Sie gehört zu zirka 50 solcher zehn mal zehn Zentimeter großen Tafeln über Leben, Tod und Auferstehung Jesu, von denen heute nur noch 16 vorhanden sind - keine davon in Magdeburg. Otto I. lies sie in Mailand anfertigen und sich selbst mit dieser Darstellung in die Heilsgeschichte einfügen. Die Täfelchen schmückten einst den Altar, ein Lesepult oder den Sitz des Erzbischofs im Dom. Für die einmalige Mittelalterschau konnten sie aus der ganzen Welt noch einmal in die Stadt an der Elbe geholt werden.

Mit der Ausstellung wird an die große Bedeutung Ottos I. für das Entstehen des heutigen Europa erinnert. Zu sehen sind eine Fülle von 1000 Jahre alten Evangeliaren, Aufzeichnungen mittelalterlicher Historiker über den sächsischen Herrscher und seine Nachfolger, die Errichtungsurkunde des Erzbistums Magdeburg oder der vermeintliche Kaisermantel Ottos, der sonst in Halberstadt aufbewahrt wird. Gezeigt werden auch Weihrauchgefäße, Kreuze, Münzen, Gebrauchsgegenstände. Insgesamt 400 Exponate aus dem 10. Jahrhundert, alles Originale, wurden zusammengetragen.

Während die Ausstellung im Obergeschoss des Museums mit ihren sechs Abteilungen nicht zuletzt aus konservatorischen Gründen eher klassisch aufgebaut ist, bietet ein Computer-Visualistik-Raum im Erdgeschoss die Chance, eine virtuelle Zeitreise zu unternehmen: Mit Cyberspace-Möglichkeiten wird etwa dem im Dunkeln liegenden Aussehen des einstigen Magdeburger Domes nachgespürt.

Die Ausstellung - keine 200 Meter vom heute evangelischen Magdeburger Dom und damit vom Grab Ottos entfernt, ist täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt: 12 Mark. Für Kinder- und Jugendgruppen wird ein pädagogisch aufbereitetes Programm angeboten (Tel. 03 91 / 5 32 92 70). Der Mitteldeut-sche Rundfunk hat ein Hörbuch über Otto I. und seine Zeit erarbeitet, das im Museum erworben werden kann.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 31.08.2001

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