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Bistum Dresden-Meißen

Er gehört zum Urgestein der Seelsorge im Bistum Dresden-Meißen

Porträt von Pfarrer Werner Laukus

Dresdens katholischer Buchhändler, Edmund Königsmann, staunt oft nicht schlecht, wenn Pfarrer Werner Laukus ihn in seinem Laden besucht, um zwischen den aktuellen Neuerscheinungen zu stöbern: "Herr Pfarrer, für was sie sich nicht alles interessieren."
Jüngster Buch-Kauf von Werner Laukus ist der Titel "Ist der Sozialstaat noch zu retten." Trotz seines hohen Alters nimmt Pfarrer Laukus regen Anteil am Leben und den Problemen der Zeit. Vielleicht ist es gerade das, was ihn weiter zu einem gefragten und gesuchten Gesprächspartner macht.

Am 14. September 1912 - im Geburtsjahr des kürzlich verstorbenen Altbischofs Gerhard Schaffran - wurde Werner Laukus in Dresden geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in seiner Geburtsstadt, die ihn tief im Inneren prägte. "Wenn ich ein Buch über mein Leben schreiben sollte, würde es den Titel Zwischen den Brücken tragen", meint Werner Laukus. Gemeint sind die Brücken, die die beiden Elbseiten Dresdens miteinander verbinden. Und die Elbe, so sagt er, war für ihn und die anderen Jungen ein Lebenselement. Er erzählt, wie sie sich als Kinder einen Spaß daraus gemacht haben, von einer Seite des Flusses auf die andere zu schwimmen. Das war verboten und somit durchaus nicht billig. Wurden die Jungen erwischt, dann kostete es dem Vater fünf Mark Strafe. Damals viel Geld.

Aber auch der Fußweg von der Wohnung am Obergraben hin zur Katholischen Hofkirche ist Werner Laukus seit seiner Kindheit bekannt. "Unsere Religionslehrer waren die Kapläne an der Hofkirche. Noch heute erinnere ich mich an den Empfang der ersten heiligen Beichte, bei Propst Siedler, der vor dem Beichtstuhl beruhigend auf uns einwirkte." In der Hofkirche - die er als religiöse Heimat erfuhr - ging Werner Laukus dann auch zur ersten heiligen Kommunion und empfing von Bischof Christian Schreiber das Sakrament der Firmung.

Immer wieder kommt Werner Laukus auf das Buch von Erich Kästner "Als ich ein kleiner Junge war" zu sprechen, das die Kindheitserlebnisse Kästners in Dresden zum Inhalt hat. Kästner lebte nicht weit von der Wohnung der Familie Laukus entfernt, seine geschriebenen Erlebnisse hätten so auch die des Jungen Werner Laukus sein können. Dieser ist noch heute stolz auf sein Dresden. "Ich bin ein ausgesprochener Sachse", beschreibt er sich selbstbewußt. Und diese Liebe zur Heimat trägt ihn auch im Alter, hält ihn nicht in seinen vier Wänden fest. Kürzlich eine Dampferfahrt auf der Elbe, später ein Besuch in der Mistschänke nahe Moritzburg...

Werner Laukus, dessen religiösen und familiären Wurzeln in der sorbischen katholischen Lausitz liegen, ist geprägt von der kirchlichen Aufbruchstimmung nach dem Ersten Weltkrieg. Persönlichkeiten wie Carl Sonnenschein, der Berliner Großstadtpriester, oder Romano Guardini waren entscheidend auf seinem Weg zum Priestertum. Guardinis Wort "Die Kirche erwacht in den Seelen", begeisterte ihn. Dazu kamen Erfahrungen in den Gemeinschaften Neu-Deutschland und in der Jugend der Jungmannschaft Dresden-Altstadt. Und auch in der schweren Zeit des Nationalsozialismus gelang es den damaligen Machthabern nicht, die katholische Jugend von ihrem eingeschlagenen Weg abzubringen. Werner Laukus: "Die Bedrohung der Jugendarbeit durch Spitzel der Hitler-Jugend, durch Verbote, Inhaftierungen und KZ-Auslieferungen konnte unseren Idealismus nicht hemmen." Werner Laukus traf die Entscheidung, Priester zu werden. Zwar bat Bischof Petrus Legge - selbst einige Zeit verhaftet und in einem Prozeß gedemütigt - die damaligen Theologen, ihre Entscheidung zum Priestertum ernsthaft zu überdenken. "Er könne uns nichts Gutes verheissen, nur die Nachfolge des Herrn im Kreuz", erinnert sich Pfarrer Laukus. Doch er blieb bei seinem Entschluß. Nach der Beendigung seines Studiums im Priesterseminar Schmochtitz wurde er am 30. Juli 1939 im St. Petri-Dom Bautzen von Bischof Petrus zum Priester geweiht.

Die Primiz feierte er in seiner Heimatkirche St. Franziskus Xaverius an der Hauptstraße in Dresden-Neustadt. Eine Kirche, die 1945 zerstört und später abgerissen wurde. Nur die Gemeinde trägt bis heute den Namen des Heiligen aus dem Jesuitenorden.

Doch die Lage der katholischen Kirche wurde im Nazi-Reich immer kritischer. Besondere Zielscheibe der Nationalsozialisten war die katholische Jugendarbeit. Freunde von Werner Laukus, so Diözesanjugendseelorger Bernhard Wensch und der Kaplan an der Hofkirche, Alois Andritzki, wurden verhaftet und kamen im KZ Dachau um. Mit Alois Andritzki verband Werner Laukus eine Freundschaft von Jugend- und Studienzeit an.

Nach der Verhaftung von Bernhard Wensch und Kaplan Pfeiffer wurde Werner Laukus zusammen mit Pfarrer Maier für die Diözesanjugendseelsorge kommissarisch verantwortlich. So mußte auch Werner Laukus täglich mit seiner Verhaftung rechnen. "Die Bedrohung unseres seelsorgerischen Wirkens ging auch über unser Bistum hinaus, so daß ich sogar auf einer Jugendseelsorgs-Tagung in Mainz nachts von einer Gestapo-Hausdurchsuchung behelligt wurde..

Doch es kam anders, Werner Laukus wurde nicht verhaftet sondern 1941 zum Militär eingezogen und machte den Krieg bis zum Ende im Sanitätsdienst und in einer Nachtaufklärerstaffel mit. Im Buch "Priester in Uniform" (Pattloch-Verlag 1994) erinnert sich Werner Laukus an diese schwere Zeit. 1945 geriet er für vier Jahre in Gefangenschaft. Dort gelang es ihm, eine Schar katholischer Männer zu sammeln und mit ihnen zunächst Wortgottesdienste und später Messen zu feiern.

Am 8. Mai 1949 traf Werner Laukus wieder in seiner Heimatstadt Dresden ein. "Zum 1. Oktober wurde mir dann die Flüchtlingsgemeinde in Berggießhübel anvertraut", erinnert er sich heute. Sie umfaßte etwa 3000 Seelen in 25 Orten. Für Werner Laukus hieß das konkret: fast täglich bergauf und bergab mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs zu sein. "Ich habe es ohne zu Murren gern getan."

1955 sandte ihn Dr. Otto Spülbeck, der damalige Koadjutor von Bischof Heinrich Wienken, nach Meißen, in die Stadt des heiligen Benno. Hier blieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1988. Drei Jahre später - 1958 - wurde Werner Laukus Erzpriester (später Dekan) von Meißen. Sein segensreiches Wirken in Meißen und Umgebung läßt sich nicht in wenigen Zeilen beschreiben. So sind die Kontakte zu St. Benno-Gemeinden in aller Welt ein Verdienst von Werner Laukus. 1977 wurde er mit dem Titel Monsignore geehrt.

Heute lebt er im Pfarramt Weinböhla. In seinem Lebenslauf zieht er das Resümee: "So darf ich Gott danken, daß er mir in den wechselvollen und schicksalsschweren Jahren des Nationalsozialismus und des Kommunismus die Freude und die Gabe eines reich erfüllten Priesterlebens geschenkt hat." Er erinnert dabei an die Worte des Johannesevangeliums: "Ich tue nichts in meinem Namen, sondern sage nur das, was mich der Vater gelehrt hat. Und er, der mich gesandt hat, ist bei mir, er hat mich nicht verlassen."

Und was kann Werner Laukus heute raten, wenn es darum geht, wieder viele Menschen für Gott zu begeistern. Immer wieder wendet er sich dabei an seinen eigenen Stand: "Die Priester sollten wieder mehr miteinander unternehmen, sich besuchen, sich helfen und so Kraft für ihren schweren Dienst schöpfen." Gern spricht er von Kameradschaft und ist überzeugt davon, daß dieses für moderne Menschen antiquiert erscheinende Wort weiterhin seine Gültigkeit hat, wenn es gelebt wird.

jak.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 25.08.1996

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