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Bistum Magdeburg

Engagierte Mütter machen Frauen Mut zum Baby

Seit fünf Jahren KALEB-Gruppe in Salzwedel

Salzwedel - "Wir sind eine überkonfessionelle Gruppe und wollen unkonventionell und schnell dort Hilfe leisten, wo sie gebraucht wird." Das sagt Inge Schnöckel, eine junge Frau und engagierte Christin, über die Kaleb-Initiative in Salzwedel, die in diesem Jahr auf ihr fünfjähriges Bestehen zurückblicken kann.

Dabei hatte alles ganz klein angefangen: Zwei junge Mütter, evangelische Christinnen aus Salzwedel, machten sich Gedanken darüber, wie schwierig ungewollte Schwangerschaften für die betroffenen Fauen sind. "1990 haben wir dann von Gruppen gehört, die gerade diese Frauen unerstützen und sich für den Schutz des ungeborenen Lebens einsetzen", berichtet Inge Schnöckel. "Das hat uns angerührt. Doch bis wir selbst den Mut fanden, uns zu einer Gruppe zusammenzuschließen, verging noch ein ganzes Jahr." 1991 stand der Entschluß dann fest.

Die zwei Frauen gründeten die KALEB-Regionalgruppe Salzwedel und schlossen sich dem KALEB e.V. an, der 1990 in Leipzig gegründet worden war und aus Initiativen von Christen in der ehemaligen DDR hervorging. "Kooperative Arbeit Leben Ehrfürchtig Bewahren - das will KALEB und das wollten auch wir", beschreibt die Mutter zweier Kinder die Zielrichtung ihrer Gruppe. Doch Gemeindeabende, auf denen sie ihr Anliegen vorstellte, brachten zunächst wenig Resonanz. "Hoffnungsvoll war immerhin, daß wir danach bald zu viert waren", fügt die Salzwedlerin hinzu.

Mit einem Schlag wurde alles anders. Die KALEB-Initiave bekam eine Einladung in einen Jugendclub, um bei einer Veranstaltung "Pro und contra Abtreibung" ihren Standpunkt darzulegen. "Das war natürlich sehr schwierig, weil wir keine Erfahrungen hatten, aber dadurch waren wir auf einmal bekannt", erinnert sich die engagierte Frau. Vorträge in anderen Jugendclubs, vor Konfirmanden, in Kirchengemeinden und an Schulen folgten und von der anfänglichen Unsicherheit war bald nichts mehr zu spüren. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit sehen die Mitglieder der Kaleb-Gruppe darin, den Menschen einen verantwortlichen Umgang mit der Sexualität nahezubringen und zu verdeutlichen, daß mit der Abtreibung jeden Lebens etwas Einmaliges verloren geht. "Dabei wollen wir nicht moralisieren, sondern einfach Dinge bewußt machen", erklärt Inge Schnöckel. Dazu gehört für sie auch, Verständnis für die Situation von Frauen zu wecken und die Auseinandersetzung mit der Frage, warum Frauen abtreiben und wie man damit umgehen kann, wenn eine Frau abgetrieben hat. Allesamt Fragen, die nach ihrer Erfahrung noch immer zu den Tabu-Themen gehören.

Heute zählt die KALEB-Regionalgruppe Salzwedel neun Mitglieder und etwa 20 Freunde. Ihr Aufgabengebiet hat sie längst auch auf praktische Hilfe ausgedehnt. So feierte die Gruppe im Februar bereits das zweijährige Bestehen des Storchennestes, einer Babykleiderkammer, die in den Räumen der landeskirchlichen Gemeinschaft untergebracht ist und Frauen in Not kostenlos hilft, aber auch Möglichkeiten zum Gespräch bietet. "Als wir das Projekt in Angriff nahmen, sind wir mit Zittern und Zagen herangegangen, weil es mit ein paar Babysachen natürlich nicht getan ist", umreißt Inge Schnöckel ihre Zweifel. Doch inzwischen habe das Angebot eine erstaunlich positive Resonanz erfahren, und sei auch eine Art Schaltstelle, bei der sich die Frauen Mut zum Kind holen könnten. Ein weiteres Angebot sei ein Müttertreff einmal im Monat und der ist natürlich nicht nur für Christen offen, darauf legt die KALEB-Gruppe wert. Neuestes Projekt ist eine Kleiderbörse für gebrauchte Kinderkleidung, die nahtlos dort anschließt, wo das Projekt des Storchennestes an seine Grenzen stößt. Von der KALEB-Gruppe ins Leben gerufen und vom Mütterkreis der Gemeinde St. Marien unterstützt, hat sich die Kleiderbörse mittlerweile zu einem fast komplett selbständigenen Projekt von Eltern für Eltern entwickelt. Inzwischen ist KALEB auch in die Frauenarbeit der Stadt integriert und bekommt seit 1994 finanzielle Unterstützung für Miete sowie anffallende Fahrtkosten.

Christel Schwerin.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 18.08.1996

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