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Bistum Dresden-Meißen

Wiprecht, Windolf und Hedwig ...

Zum 900jährigen Bestehen der Stadt Pegau

Pegau - Wer heute das 1096 geweihte St. Jakobs-Kloster Pegau sucht, wird nur noch auf den einstigen Standort verwiesen. Erhalten haben sich neben dem Grabmal (Kenotaph) des Wiprecht von Groitzsch in der Laurentiuskirche nur einige Steine, die heute im Stadtmuseum gezeigt werden und vermutlich vom Kloster stammen. Dennoch wurde bis zum 18. August dieses Jahres der 900. Weihetag dieses Klosters zum Anlaß genommen, das Jubiläum der kleinen Stadt im Elsterland zu feiern.

Begonnen hatte alles einst mit Wiprecht von Groitzsch. Als Sühne für zahlreiche blutrünstige Mordtaten wurde er vom Papst zu einer Wallfahrt nach Santiago de Compostella angehalten. Der dortige Patriarch forderte von Wiprecht die Gründung eines Klosters. Nachdem dieser eingewilligt hatte, erhielt er die Absolution und eine Daumen-Reliquie des heiligen Jakobus.

Im Jahr 1096 - vor 900 Jahren - wurde das Kloster St. Jakob in Pegau geweiht. Sowohl Wiprecht als auch der von ihm 1101 eingesetzte Abt des Klosters, Windolf aus Corvey, verfolgten das Ziel der Christianisierung und Kultivierung der Region. Vom Kloster Pegau wurden später die Benediktinerklöster Bad Lausick und Chemnitz gegründet. 1124 verstarb Wiprecht in seinem Kloster, in das er kurz vorher eingetreten war. Sein Grabmal, der etwa 100 Jahre nach seinem Tod geschaffene Kenotaph, wurde nach dem Abbruch der Klosterkirche 1557 in die Laurentiuskirche gebracht, die seit 1539 evangelisch ist. Heute ist der Kenotaph eine kunsthistorische Besonderheit der Stadt.

Katholisches Leben gibt es in Pegau erst seit wenigen Jahren wieder. Nach 1913 wurde katholischer Gottesdienst im Ort gefeiert, der damals einen industriellen Aufschwung erlebte. Die Priester kamen aus Leipzig. Eine eigene Gemeinde bildete sich in Pegau jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die heimatvertriebenen katholischen Christen kamen aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Ungarn, Böhmen und Mähren und vor allem aus Schlesien. Paul Würz, selbst Schlesier und lange Jahre Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Pegau erinnert sich, daß die Schlesier vor allem aus dem Kreis Militsch kamen. Nur wenige Kilometer vom Kloster Trebnitz, dem Kloster der heiligen Hedwig entfernt. Unter dem Patronat der Heiligen, die von 1174 bis 1243 lebte, versammelten sich nach 1945 die katholischen Christen in Pegau. Seither verbindet die heilige Hedwig die katholischen Christen im Ort, egal wo sie einst ihren Ursprung hatten.

Heute leben etwa 700 Katholiken in Pegau, Groitzsch und Umgebung. Der Gottesdienstbesuch in Pegau schwankt zwischen 50 und 80 Leuten. Jetzt wird eine neue Kirche im Zentrum des Ortes errichtet. Die alte, 1961 bis 1963 aus einem früherem Stall gebaute, muß aufgegeben werden, da sie baufällig ist und der erhöhte Pachtzins die finanziellen Möglichkeiten der kleinen Gemeinde auf Dauer übersteigt. Ähnlich verhält es sich in Groitzsch. So entschloß man sich, für beide Städte die neue Kirche zu bauen. Zur Absicherung der Finanzierung wurde ein Kirchbauförderverein gebildet, der sich für die zu erbringenden Eigenmittel engagiert. Ehrenvorsitzender des Vereins ist Bischof Joachim Reinelt von Dresden-Meißen, zu dessen Bistum Pegau und Groitzsch gehören. Unterstützt wird der Kirchbau auch von Gemeinden aus den alten Bundesländern. Im Oktober soll die St. Hedwigs-Kirche fertig sein und feierlich geweiht werden. Dazu erwartet die Gemeinde unter anderem auch die heutige Äbtissin des Klosters Trebnitz.

jak.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 18.08.1996

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