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Bistum Magdeburg

Im Interview:

Hans-Willy Stiepeldey, Geschäftsführer des Kolping-Berufsbildungswerkes Hettstedt

Seit 1991 werden im Hettstedter Kolping-Berufsbildungswerk Sonderschulabgänger und Hauptschüler ohne Schulabschluß in unterschiedlichen handwerklichen Berufen ausgebildet. Hans-Willy Stiepeldey ist Geschäftsführer dieses Bildungswerkes im Mansfelder Land, einer Region mit einer Arbeitslosenquote von rund 23 Prozent.

Welche Chancen haben die Absolventen des Kolping-Berufsbildungswerkes auf dem Arbeitsmarkt?
Als Anfang August 34 unserer Auszubildenden ihr Abschlußzeugnis bekamen, hatten fünf von ihnen bereits einen Arbeitsvertrag unterschrieben, achtzehn wollten sich in unserem neuen Übergangshilfe-Angebot weiterqualifizieren lassen. Bei den übrigen lief die Bewerbung noch. Besonders rosig sieht es erwartungsgemäß also nicht aus. Bei einigen scheint mir aber auch die fehlende Bereitschaft ein Hemmschuh zu sein, für einen Arbeitsplatz den Wohnort zu wechseln.
Haben Sie vorzugsweise Berufe im Ausbildungsangebot, die in der Region noch Zukunft haben?
Zum großen Teil. Wir sind eingebunden in ein bundesweites Netz von Berufsbildungswerken, die vom Bundesministerium für Arbeit gefördert werden. Gemeinsam mit der Bundesanstalt für Arbeit wird festgelegt, welche Berufe wo angeboten werden. Wer sich für ein bestimmtes Berufsfeld interessiert, wird von seinem Arbeitsamt vor Ort an das entsprechende Bildungswerk vermittelt. Deshalb kommen auch längst nicht alle unserer Auszubildenden aus der Region.
In Ostdeutschland sind viele Frauen arbeitslos. Werden Mädchen bei Ihnen speziell gefördert und für den Arbeitsmarkt "fitgemacht"?
: Mädchen können sich hier nicht nur in typischen Frauenberufen ausbilden lassen. Ihnen stehen ebenso Berufe offen, die als Männerberufe gelten und in denen die Aussicht auf eine Stelle oft besser ist. Bisher ist es hier aber nur vereinzelt vorgekommen, daß Mädchen sich für ausgesprochene Männerberufe entschieden haben.
Wäre es politisch nicht klüger, die Schaffung von betrieblichen Lehrstellen stärker zu fördern, anstatt viel Geld in den Bau von Berufsbildungswerken zu stecken? Jeder Betrieb wird doch eher seinen selbstausgebildeten Lehrling übernehmen anstatt einen vielleicht sehr gut geschulten, aber unbekannten einzustellen...?
Grundsätzlich würde ich Ihnen zustimmen. Unsere Zielgruppe sind jedoch Lernbehinderte. Da bei uns Ausbilder, Berufsschullehrer und Mitarbeiter sozialer Dienste im Wohn- und Freizeitbereich an einem Strang ziehen, bekommen diese Jugendliche eine sehr spezifische Förderung, die in einer betrieblichen Ausbildung nicht zu leisten wäre. Unsere Ausbildung im Geiste Adolf Kolpings hat im übrigen immer den ganzen Menschen im Blick. Selbst wer nicht gleich eine Stelle findet, profitiert von vielem, was er hier erfährt und lernt, sicher ein Leben lang.

Interview: D. Wanzek

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 32 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 11.08.1996

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