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Bistum Dresden-Meißen

Umwelt - Thema beim Europäischen Jugendtreffen in Schmiedeberg

Schmiedeberg - Teilnehmer aus 13 europäischen Nationen trafen sich bis zum 6. August im Schmiedeberger Winfriedhaus. Ein Tag stand ganz im Zeichen der Erhaltung der Schöpfung. Neben der thematischen Arbeit wurden die jungen Leute selbst aktiv. In und um Schmiedeberg sammelten sie all das auf, was andere ohne Nachdenken wegwerfen:

"Hau ruck, hau ruck", mühsam ziehen Sebastian, Stefan und Leonardo einen mit Beton gefüllten Autoreifen aus dem Bett des Baches Weißeritz. Mit einer Karre wird der Klumpen zum Sammelplatz am Winfriedhaus gefahren. Andere Gruppen sind im Wald oder an der Bundesstraße 171 unterwegs, um zu sammeln, was andere achtlos wegwerfen. Neben den großen Stücken findet sich fast alles, was an Schutt und Müll anfallen kann: Auspuffanlagen, Schilder, Schrott, Schüsseln, leere Büchsen, Papier, Verpackungen, Glas...

Nach einer kurzen Verschnaufpause machen sich Sebastian, Stefan und Leonardo erneut ans Werk. Weiter vorn liegt der nächste "Beton-Auto-Reifen" im Bachbett.Die Idee zum Umwelttag hatten die Jugendseelsorgestellen der Diözesen Dresden-Meißen und Köln, die bereits zum fünften Mal zu den Europäischen Jugendbegegnungen ins Schmiedeberger Winfriedhaus einluden. Insgesamt 83 Jugendliche aus 13 europäischen Staaten trafen sich vom 25. Juli bis zum 6. August in der Jugendbildungsstätte des Bistums Dresden-Meißen.

Die Tage standen unter dem Motto "back to the future - zurück zur Zukunft". In einer international bunt gewürfelten Runde wurden Fragen der Zukunft erörtert und nach Antworten gesucht. Konkret ging es um religiöse, politische, ökologische und kulturelle Themen. Therese Plewa, Referentin der Jugendseelsorge Dresden-Meißen, beschreibt die Bedeutung der Tage so: "Wir wollen in diesen Tagen eine Basis zwischen West und Osteuropa bilden, die nicht an der Außengrenze zur Europäischen Union aufhört."

Ein Umwelttag war in diesem Jahr erstmals ein Programmpunkt des Jugendtreffens. "Uns ging es darum zu zeigen, daß wir alle für die Bewahrung des Schöpfung verantwortlich sind und uns gegenseitig auf der Erde brauchen", sagte Therese Plewa. Inhaltlich stand am Vormittag die Rede des Indianer-Häuptlings Seattle im Mittelpunkt. 1855 vor Franklin Pierce, dem 14. Präsidenten der Vereinigten Staaten gehalten, hat sie nichts an Aktualität eingebüßt. Häuptling Seattle: "Die Erde verletzen, heißt ihren Schöpfer verachten. Auch die Weißen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme. Fahret fort, Euer Bett zu verseuchen, und eines Nachts werdet ihr im Abfall ersticken..

Nach dieser Sensibilisierung des Themas nannte Ulrich Clausen, Umweltbeauftragter des Bistums Dresden-Meißen, Fakten. 1989, ohne die 1990 hinzugekommene DDR, kamen in der Bundesrepublik fast 20 Millionen Tonnen allein an Hausmüll zusammen. Und nach Angaben des Umweltbundesamtes Berlin betrug der Gesamtmüll in Deutschland 374 Millionen Tonnen (1990) und 337 Millionen Tonnen (1993). Diese rückläufige Tendenz dürfe jedoch nicht dazu führen, sich zufrieden zu geben, betont Ulrich Clausen. "Der Hausmüll ist auch in Zukunft der Teil am Gesamtaufkommen, den jeder beeinflussen kann und soll." Eine Halbierung des Hausmülls ist im Grunde einfach: 30 Prozent können kompostiert und 12 Prozent Papier sowie 9 Prozent Glas in örtlichen Containern gesammelt werden. Alles in die Tonne vor dem Haus zu werfen, ist der falsche Weg. Es stellt sich die Frage: Warum für Müllentsorgung bezahlen, die beispielsweise beim Kauf von Waren - die mit dem "Grünen Punkt" gekennzeichnet sind - schon finanziert ist? Mit dem Sammeln im Dualen System - in gelbe Säcke oder Tonnen - ist eine weitere Senkung des Hausmülls möglich. Ziel des Dualen Systems ist es, Wertstoffe einer Wiederverwertung zuzuführen.

Ein anderer Punkt des praktizierenden Umweltschutzes ist die Achtsamkeit beim Kauf, meint Ulrich Clausen. Er fragt: "Müssen Pralinen doppelt und dreifach verpackt sein, oder tut es auch die einfache Schokolade?"

Genauso sollten Getränkedosen eher im Regal der Märkte bleiben. Pfandflaschen sind ökonomischer und schonen die Umwelt. Ulrich Clausen erzählt von einem zukunftsweisenden Projekt, Milch in Automaten anzubieten. Mittels der scheinbar ausgestorbenen Milch-Kanne kann sie dann per Knopfdruck je nach Bedarf abgefüllt werden. "Jetzt gilt es nachzudenken, wie solche Varianten des Verkaufs möglich sind." Wichtig ist für den Umweltbeauftragten, über das eigene Konsum-Verhalten, die Entscheidungen der Hersteller zu beeinflussen. Kleine Schritte, die jeder tun kann. Jedoch: "Wir wollen nichts verbieten, sondern dazu anregen, daß bestimmte alltägliche Gewohnheiten hinterfragt werden."

Am Abend des Umwelttages trafen sich die Jugendlichen am Sammelplatz vor dem Winfriedhaus. Ein großer Ball - die Erdkugel darstellend - lag inmitten des gesammelten Mülls. Pfarrer Bogdan Kacmarek aus Polen schüttete symbolisch einen Sack Müll über der Erdkugel aus. Schockiert über die Menge des Gesammelten zeigte sich auch Schmiedebergs Bürgermeister, Manfred Mirowsky (SPD). "Ich dachte, wir schneiden besser ab", meinte er. Den Jugendlichen dankte er für die Aktion und würdigte ihren Beitrag zur Sauberhaltung der Osterzgebirgsregion.

Manfred Mirowsky erzählte, daß er von Anfang an spontan für die Aktion des Winfriedhauses war. Sie kann beispielgebend sein, betont der Kommunalpolitiker, "nicht nur zu sammeln sondern gar nicht erst wegzuwerfen." Manfred Mirowsky ist froh, daß es in seiner Gemeinde das Winfriedhaus gibt. "Es ist ein Haus, das immer mit Leben erfüllt ist und ich finde es einfach toll, daß sich hier Menschen unabhängig ihrer Nation im Glauben zusammenfinden", sagt er. Und nicht zuletzt hat das Winfriedhaus die Gemeinde Schmiedeberg weit über die Region hinaus bekannt gemacht.

Am 6. August gingen die Tage in Schmiedeberg für die Teilnehmer aus West- und Osteuropa zu Ende. Sie kamen aus Portugal, Irland, der Schweiz, Litauen, Lettland, Weißrußland, Tschechien, Ungarn, Polen, Slowenien, Rumänien und aus dem Gastgeberland Deutschland. "So viele waren es noch nie", berichtet Therese Plewa. Ein Dankeschön sagt sie im Namen aller besonders dem Bonifatiuswerk in Paderborn und dem Hilfswerk Renovabis, die mit ihrer finanziellen Unterstützung das Treffen erst ermöglichten.

Holger Jakobi.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 32 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 11.08.1996

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