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Bistum Dresden-Meißen

Altenheim in Lichtenstein

Lichtenstein - Besucherandrang gehört bis zum 13. Oktober zum Alltag des Caritas-Altenpflegeheimes St. Elisabeth im Schloß Lichtenstein. Der Innenhof und die Außenanlagen sind Stationen der ersten Landesgartenschau des Freistaates Sachsen. Und haben die Bauarbeiten im Vorfeld der Ausstellung für einige Ruhestörung gesorgt, so sind doch heute alle froh, daß sich einiges im Umfeld des Heimes zum Besseren geändert hat. So genießen die 91jährige Gertrud Gärtig und ihre Zimmergefährtin Elisabeth Elsner (85) den Blick auf den neuen Brunnen der sich direkt vor ihren grünumrankten Fenstern befindet. Doch bleibt es für die Senioren vom Schloß nicht nur beim passiven Betrachten: Eine Rundfahrt durch die sächsische Gartenwelt wurde bereits unternommen.

Heimleiter Peter Thuge hebt die Gartenausstellung als eine Bereicherung hervor: "Die Besucher und zahlreiche Veranstaltungen bringen Abwechselung in das Leben unserer alten Leute." Und immer wieder kommt es zu Begegnungen mit Menschen, die mit dem Schloß verbunden sind. Kürzlich kam eine Frau, die vor 30 Jahren hier die Frohe Herrgottsstunde leitete. Ein Mehr an Lebensqualität bringen besonders die Veranstaltungen der Gartensschau im Schloßhof, die von den Heimbewohnern ohne großen Aufwand besucht werden können.

Ansonsten erfahren die Besucher aus nah und fern hier einiges über Hof- und Balkonbepflanzungen, was zum nachmachen anregen soll. Unter dem Motto "Ein Innenhof im neuen Kleid" wird gezeigt, wie selbst graue Flächen zu einem Lieblingsaufenthalt werden können. "Je nach Geschmack kann die Terrasse, der Balkon oder die Sitzecke in einen Dschungel aus Blatt- und Kletterpflanzen, in ein Blütenmeer verwandelt oder in südliche Atmosphäre getaucht werden", ist auf einer einleitenden Tafel vor dem Schloßtor zu lesen. Konkreter wird es im Hof: So eignen sich Strauchmageriten oder Hängepetunien auf der Sonnenseite und Fuchsien, Knollenbegonien und die Gundelrebe auf der Schattenseite der Häuser für die Bepflanzung. Antworten gibt es auch auf die Frage: "Was wird mit meinen Pflanzen im Urlaub?" Eine Anregung ist die "Automatische Tropfenbewässerung für Balkonkästen".

Doch die Gartenausstellung geht im Oktober zu Ende, das Heim und seine Bewohner bleiben. Als nächstes ist an eine Sanierung des Hofes gedacht. Beispielsweise sollen die Türen wieder dem Charakter eines Schlosses gemäß gestaltet werden. Heimleiter Thuge berichtet, daß Schloß Lichtenstein nach 1945 im Zuge der Bodenreform Eigentum der katholischen Kirche wurde. Vorher gehörte es seit 1215 den Fürsten von Schönburg-Waldenburg. 1950 bezogen die ersten 50 Senioren das Haus. Ein Jahr später standen 72 Heimplätze zur Verfügung. Am 30. März 1957 übernahmen die Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth das Heim. Sie blieben bis 1986. Doch das Werk der Nächstenliebe wurde fortgesetzt.

Heute befindet sich das Heim St. Elisabeth in Trägerschaft des Diözesancaritasverbandes und bietet 54 Bewohnern ein Zuhause. Verteilt auf vier Wohnbereiche stehen überwiegend Einzelzimmer, mehrere Zweibettzimmer und zwei Dreibettzimmer zur Verfügung. "Die einzelnen Wohnbereiche sind schloßcharakteristisch in verschiedenen Gängen und Etagen angelegt, die den Heimbewohnern eine gute Orientierung ermöglichen", berichtet Peter Thuge. Und die Weiterentwicklung des Heimes ist angedacht. Ein Neubau des Heimes kam leider nicht zustande, da die Stadt die Baugenehmigung entzog.

Jetzt sieht Peter Thuge in einem Bereich "Betreutes Wohnen" eine Richtung, die in die Zukunft weißt. Zu diesem Zweck könnte das Dachgeschoß ausgebaut werden. Betreutes Wohnen heißt, die Senioren leben in einer kleinen Wohnung, aus der sie nicht mehr fort müssen, sondern Hilfe erhalten, wenn sie sie brauchen. Aber nicht nur alte Menschen finden im Schloß ein Zuhause, sondern auch die katholische Gemeinde von Lichtenstein. Die Kapelle von St. Elisabeth ist zugleich ihre Pfarrkirche.
Holger Jakobi.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 04.08.1996

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