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Bistum Dresden-Meißen

Die Putten strahlen wieder

Dankgottesdienst in der restaurierten Schlosskirche St. Hubertus

Wermsdorf (dw). Als ein Hauptwerk des Sächsischen Barock gilt die Hubertusburger Schlosskirche, die nach 16-monatiger Bauzeit wieder frei von Gerüsten ist. Bei einem Dankgottesdienst in der frisch sanierten Kirche wurde an ihre kunst-, aber auch an ihre kirchenhistorische Bedeutung erinnert.

Die Wermsdorfer Schlosskapelle wurde 1745 geweiht und damit eher als die Dresdner Hofkirche, rief Bischof Joachim Reinelt während der Feier ins Gedächtnis. Nach der Reformation seien die Schlosskapelle Moritzburg und das Jagdschloss Hubertusburg die ersten Gotteshäuser gewesen, in denen sächsische Katholiken die heilige Messe feiern konnten.

Eine Sanierung war längst überfällig in der Kirche des Jagdschlosses, das August der Starke für seinen Sohn errichten ließ. Für insgesamt rund 790 000 Euro ließ der Freistaat Sachsen den stark verschmutzten Stuckmarmor reinigen und weggebröckelte Teile ausbessern, Vergoldungen ergänzen, den Fußboden denkmalgerecht restaurieren und das Deckengemälde sichern. "Es glänzt alles wieder so schön hell", freut sich nun die Rentnerin Susanne Sturm, die seit Jahren immer wieder Besuchergruppen durch die Kirche führt. Der Evangelist im Stuckrelief ist nicht länger kopflos und die barocken Putten lächeln wieder voll strotzender Lebensfreude auf die Gemeinde herab. Auch die Kanzel, ein herausragendes Werk des sächsischen Rokoko, strahlt wieder in alter Schönheit.

Kirche sei nicht in erster Linie ein Gebäude, sagte der Dresdner Bischof der Festgemeinde, "Kirche -das sind wir". Joachim Reinelt ermutigte die Christen, ihre Freude an Gott auszustrahlen. Der Wermsdorfer Pfarrer Martin Prause hatte dieses Anliegen bereits in der Bauphase im Blick. Den am Bau Beteiligten wollte er deutlich machen, dass sie nicht in einem Museum oder an einer beliebigen anderen Baustelle tätig sind, sondern im Haus einer lebendigen Gemeinde. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die katholische Gemeinde St. Hubertus kein Ausweichquartier gesucht, sondern die Sonntagsgottesdienste monatelang zwischen den Baugerüsten gefeiert. Bei vielen Bauleuten habe er wahrgenommen, dass sie ihre Arbeit mit Herzensfreude taten und mit Respekt vor dem Gotteshaus und vor dem, was Menschen vergangener Generationen geschaffen haben, zeigte sich der Pfarrer nach dem Gottesdienst bei einer Feierstunde erfreut. "Man entdeckt immer etwas Neues, und man spürt die Freude und Kraft, mit der die italienischen Meister des 18. Jahrhunderts all dies geschaffen haben", formulierte einer der Restauratoren.

Lobende Worte für die Bauleute fand auch Wolfgang Trommer vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement: Auf anderen Baustellen habe er häufig den Eindruck, dass "das plärrende Radio das wichtigste Handwerkszeug" sei. Auf der Baustelle Schlosskirche hingegen habe er Ruhe und Frieden genießen können.

Dass eine gute Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche wie im Fall der Denkmalpflege in Hubertusburg keine Selbstverständlichkeit ist, war der St.-Hubertus- Gemeinde gegenwärtig. Bischof Reinelt erinnerte während der Feiern insbesondere an den ehemaligen Wermsdorfer Kaplan Hermann Scheipers, der am Sonntag zuvor eine Hubertusmesse in der Schlosskirche gefeiert hatte. Weil er Gottesdienste mit polnischen Zwangsarbeitern gefeiert hatte, war er 1940 verhaftet und schließlich ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert worden. Scheipers selbst hatte in seiner Predigt verschiedene Gefährdungen erwähnt, die die Schlosskirche im Laufe der Jahrhundert überstand. Im Siebenjährigen Krieg zwischen Preußen und Österreich beispielsweise hatte Friedrich II. von Preußen die totale Plünderung des Schlosses Hubertusburg befohlen. Nach einem Kniefall des damaligen Pfarrers vor dem König sei die Kirche geschont worden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 14.11.2007

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