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Anstoß

Leuchten, wie die Sterne

Gedanken zum Martinstag

Kaplan Marko Dutzschke

Kaplan Marko Dutzschke

Die Uhren sind längst umgestellt und von Tag zu Tag wird es ein wenig dunkler. Draußen ist es ungemütlich und damit endlich an der Zeit, den ersten Glühwein zu kaufen. Ein Blick auf den Kalender verrät, dass der 11. November vor der Tür steht. Ich muss an ein Lied denken, dass wir als Kinder an diesem Tag gesungen haben: "Durch die Straßen auf und nieder, leuchten die Laternen wieder: Rote, gelbe, grüne, blaue, lieber Martin komm und schaue." Es ist wieder soweit, überall sind Kinder mit bunten Laternen unterwegs. Viele laufen einem Pferd hinterher, auf dem der heilige Martin mit seiner Mantelhälfte sitzt.

Laternenumzüge sind beliebt. Es gibt sie längst nicht nur zum Martinsfest. Immer wieder werden Kinder bei Stadtfesten oder anderen Gelegenheiten zu einem Umzug eingeladen. Der heilige Martin ist dann zwar nicht dabei, aber das Polizeiauto scheint mindestens genauso interessant zu sein, wie der Mann auf dem Pferd. Was ist eigentlich so schön daran, eine Laterne durch die Gegend zu tragen? So genau kann ich meine Frage gar nicht beantworten. Und doch freue ich mich jedes Jahr, Kinder zu sehen, denen es Spaß macht, mit ihren Laternen durch die Straßen zu laufen. Und das ist doch eigentlich Antwort genug! Darum geht es am Martinstag: Mit Freude ein Licht durch die Dunkelheit zu tragen.

Als Student war ich oft und gern bei der großen Erfurter Martinsfeier. Jedes Jahr versammeln sich tausende Menschen auf dem riesigen Platz vor dem Domberg. Und am Beginn werden die Kinder eingeladen, ihre Laternen zu schwenken. Dann verwandelt sich der Domplatz in ein buntes Meer aus Lichtern, das sich hin und her bewegen.

Ich erinnere mich noch gut an einen Gedanken, den Bischof Joachim Wanke vor einigen Jahren hatte. Er begann mit einem Schlager unter den Martinsliedern: "Da oben leuchten die Sterne, und unten leuchten wir." Schöner kann man nicht sagen, was uns Katholiken Heilige wie Martin bedeuten. Es sind leuchtende Sterne am Himmel, die anstecken wollen zum Guten. Sterne, die uns mit ihrem Vorbild zum Leuchten bringen können. Darum ist die Legende von Martin und dem Bettler so beliebt. Immer, wenn ich sie höre, stelle ich mir vor, wie die Augen des armen Mannes dankbar aufleuchten, weil ihm durch den römischen Offizier, Martin von Tours, Gutes widerfahren ist.

Helle Laternen lassen kleine Kinder vor Freude strahlen. Genauso können Menschen ein Strahlen weitergeben und mit ihrer Freude zum Guten anstecken. Mehr gibt es nicht zu sagen. Das Martinsfest trägt eine einfache Botschaft in sich. Einfach, aber so wichtig, wenn es dunkler wird.

Kaplan Marko Dutzschke, Cottbus

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 45 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 07.11.2007
Hinweis: Anregungen zum Martinstag unter www.vivat.de

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