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Bistum Görlitz

"Dankesagen" gehört dazu

Cottbus: Begegnungstag für in Pflegeberufen Tätige / Thema war Supervision

Cottbus (as). Zweimal im Jahr treffen sich Angehörige der Pflegeberufe zu einem Begegnungstag. Gelegenheit, sich auszutauschen, zu fachsimpeln, aber auch inhaltlich zu arbeiten. Diesmal war das Thema Supervision an der Reihe.

Arbeit kann verkrüppeln, sogar umbringen. Was der Philosoph Frithjof Bergmann als ein Extrem menschlichen Alltags beschreibt, ist für manche traurige Realität: Überforderung, ungelöste Konflikte, Ausgebrannt-Sein, Krankheit. So weit muss es nicht kommen, ist Simone Menzel aus Görlitz überzeugt. Die Sozialpädagogin war am 2. und 3. November Referentin beim Begegnungstag für Angehörige der Pflegeberufe, der regelmäßig im Frühjahr und im Herbst im Cottbuser St.-Johannes- Haus stattfindet und von der Caritas angeboten wird.

Simone Menzel ist Supervisorin, ein Beruf, der noch in den Kinderschuhen steckt, aber immer gefragter ist. Wörtlich übersetzt heißt Supervision "Über-sehen": Das macht erstmal skeptisch, denn es klingt nach Ärger und Beziehungsstress. Genau diese Angst will Simone Menzel den "Supervisanden" nehmen. "Der Gegenstand der Supervision sind Probleme, Themen und Fragestellungen im Zusammenhang mit Arbeit und Beruf." Anders als vergleichsweise die "Mediation" ist der Konflikt aber nicht Bedingung. Mit Hilfe der Supervision, so Frau Menzel, könne man aus einem "gesunden Abstand" heraus einen Überblick über eine Situation bekommen und Handlungs- und Verhaltensalternativen bedenken. Bestimmte Voraussetzungen für das Gelingen müssen natürlich erfüllt sein. Offenheit, gegenseitiges Vertrauen und der Mut, auch mal unangenehme Wahrheiten zu sagen. Frau Menzel warnt allerdings vor falschen Erwartungen: "Supervision ist keine Therapie und auch kein Allheilmittel. Wenn sie erfolgreich sein soll, müssen ebenso Anliegen und Ziele klar sein."

Dass zu einem gelungenen Gespräch vor allem Ehrlichkeit nötig ist, zeigen die 18 Teilnehmerinnen aus den unterschiedlichsten Pflegebereichen, die sich an diesem Wochenende auf das Thema eingelassen haben. Viel Positives ist zu hören, persönliche Bekenntnisse, aber auch Probleme, die sich aus dem Arbeitsalltag ergeben. Mandy Neumann aus Hoyerswerda ist in einer Sozialstation beschäftigt und hat unlängst erst durch einen Unfall, an dem sie nicht beteiligt war, gelernt, dass "Gesundheit nicht selbstverständlich ist". Diese Begebenheit habe ihr gezeigt, dass zum Leben das "Dankesagen" wesentlich dazu gehört. "Es kann sich alles so schnell verändern. Deshalb ich bin dankbar für jeden Tag, an dem ich gesund nach Hause komme."

Sich austauschen, miteinander ins Gespräch kommen, aber auch ein wenig zusammen feiern. Das ist der Sinn des Begegnungstages für Angehörige der Pflegeberufe, wie Markus Nowak, Referent für Pflege und Gesundheitshilfe beim Diözesan-Caritasverband informiert. "Manche warten ein halbes Jahr lang schon auf die nächste Veranstaltung." Allerdings wünscht sich Nowak, dass mehr Schwestern oder Pfleger das Angebot nutzen. Wichtig sei es auch, dass die Themen nicht vorgegeben werden, sondern von den Teilnehmern meist selbst ausgesucht werden.

Begegnungstage 2008: 25. und 26. April, 7. und 8. November, Infos bei Martin Nowak in Cottbus, Tel. 03 55/3 80 65 23

Hintergrund

Deutsche Gesellschaft für Supervision (DGSv) 1989 gründet sich die Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv) als Fach- und Berufsverband von Beratern, die das Konzept Supervision erlernt haben und auf dem Markt anbieten. Heute sind nach Angaben der DGSv 3 600 Beraterinnen und Berater sowie 28 juristische Personen -zumeist Weiterbildungsstätten -im Verband zusammengeschlossen. Die DGSv unterhält an ihrem Sitz in Köln eine Geschäftsstelle mit derzeit acht hauptamtlichen Mitarbeitern. Supervision ist ein Beratungsformat, das zur Sicherung und Verbesserung der Qualität beruflicher Arbeit eingesetzt wird. Sie dient grundsätzlich der Entwicklung von Personen und Organisationen, betrachtet personale, interaktive und organisatorische Aspekte. Supervision wird über Felder sozialer Arbeit hinaus zunehmend auch in den Bereichen Gesundheitswesen, Wirtschaft und Dienstleistungsunternehmen, Verwaltung und Politik nachgefragt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 45 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 07.11.2007

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