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Bistum Dresden-Meißen

Wer sein Brot teilt, der schenkt sich selbst

Erinnerung an Diözesanjugendseelsorger Bernhard Wensch beim Kapellenjubiläum im Winfriedhaus

Schmiedeberg (dw). Vor zehn Jahren wurde im Jugendhaus des Bistums eine Kapelle geweiht, seit fünfzehn Jahren gibt es den Bistumsjugendhelferkreis -Für große Jubiläumsfeiern sind das eher kurze Zeiträume. Nicht nur aus diesem Grund blickte die Festgemeinde am 31. Oktober weiter zurück.

Jahrzehntelang war er im Bistum Dresden-Meißen nahezu in Vergessenheit geraten: Dr. Bernhard Wensch, der erste Diözesanjugendseelsorger des Bistums Meißen, der 1942 im Konzentrationslager Dachau starb. Auf Betreiben einiger Priester, darunter der derzeitige Diözesanjugendseelsorger Gregor Giele, wird die Erinnerung an Wensch seit ein paar Jahren wiederbelebt. Im Schmiedeberger Winfriedhaus wurde beispielsweise anlässlich des 50-jährigen Bestehens vor zwei Jahren ein Zimmer nach Dr. Wensch benannt, das bei den jugendlichen Nutzern des Hauses mittlerweile kurz und amerikanisch "Wensch- Ranch" heißt. In der Münsteraner Theologiestudentin Kristin Rammelmann hat sich eine Diplomantin gefunden, die das Lebenszeugnis des Seelsorgers wissenschaftlich untersucht. Im kommenden Februar wird sie ihre Diplomarbeit abgeben, in der sie Zeitzeugenberichte vorstellt und in den zeitgeschichtlichen Zusammenhang einordnet. Bei der doppelten Jubiläumsfeier im Winfriedhaus gab sie einen ersten Einblick in ihre Arbeitsergebnisse.

Sie stellte Bernhard Wensch als Priester mit Ausstrahlungskraft vor, der es vermocht habe, katholische Jugendliche zum Standhalten gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie zu motivieren. Im Zusammenhang mit Rundbriefen, die katholische Jugendliche in Sachsen in Umlauf gebracht hatten, war Wensch 1941 von der Geheimen Staatspolizei verhaftet worden. In Dachau starb er schließlich an Entkräftung.

Wensch sei "fürchterlich abgemagert" gewesen, als er von Sachsenhausen aus in Dachau eingeliefert wurde, weiß Kristin Rammelmann von einem Überlebenden, dem heute 94-jährigen Pfarrer Hermann Scheipers. Auch wenn er oft durch SS-Angehörige schikaniert wurde, habe er nie den Mut verloren und immer wieder andere Häftlinge aufgemuntert. Bis zuletzt sei Bernhard Wensch seinen Idealen treu geblieben. Wenige Tage vor seinem Tod habe er Hermann Scheipers, der damals gerade im Invalidenblock lag, seine Tagesration Brot geschenkt. "Wenn ich geahnt hätte, wie schlimm es um ihn steht, hätte ich das Brot nicht annehmen dürfen", erzählte Scheipers. Viele Male habe er erlebt, dass Gefangene beim Austeilen der Ration zu Raubtieren wurden. Das Erlebnis mit Bernhard Wensch habe sich ihm tief eingeprägt. Bei jeder Eucharistiefeier sei es ihm gegenwärtig: "Wer sein Brot teilt, der schenkt sich selbst."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 45 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 07.11.2007

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