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Bistum Dresden-Meißen

"Bei uns hat Benno gepredigt"

Die Gemeinde in Crostwitz freut sich über alte Zeugnisse christlicher Kultur in der Oberlausitz

Pfarrer Clemens Rehor segnet die Grababdeckungen auf dem Crostwitzer Friedhof.

Crostwitz (as). Grababdeckungen als älteste Zeugnisse christlicher Besiedelung in der Oberlausitz sind seit Oktober in Crostwitz zu sehen. Wenn auch "nur" als Kopien.

Pfarrer Clemens Rehor ist begeistert. Dennoch kamen die Nachrichten für ihn damals nicht überraschend. Was für Archäologen und Frühhistoriker als eine kleine Sensation galt, war für die Katholiken lange innere Überzeugung: "Bei uns hat schon der heilige Benno gepredigt."

Vor knapp drei Jahren sind nämlich in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche vier alte Grababdeckungen gefunden worden -Teile des Fundamentes der im Jahre 1904 erbauten Schule, die später als Wohnhaus diente und abgerissen werden musste. Experten waren sich schnell einig: Diese Steine aus dem elften und zwölften Jahrhundert sind eine Kostbarkeit, denn sie gehören zu den ältesten Zeugnissen christlicher Kultur in der Oberlausitz. Mit einer feierlichen Andacht und einer Segnung beging die Gemeinde am 29. Oktober noch einmal dieses freudige Ereignis.

Allerdings handelt es sich bei den Steinen, die heute auf dem Friedhof zu sehen sind und vom Pfarrer gesegnet wurden, "nur" um Kopien. Die Originale werden zurzeit konserviert und sollen irgendwann im Landesmuseum in Chemnitz zu sehen sein. Die Gemeinde hätte die Original-Steine am liebsten behalten. Dafür hat sich nicht nur der Pfarrer stark gemacht und beim Landesamt für Archäologie (LfA) nachgeforscht. Die Aussichten dafür, die noch während des Abrisses der Schule abtransportierten Grabplatten zurückzubekommen, waren jedoch von Anfang an gering. Denn "was unter der Erde liegt, gehört dem Freistaat", erläutert die Chefrestauratorin der Behörde, Fransiska Frenzel-Leitermann. Pfarrer Rehor wollte die Sache trotzdem nicht ganz aufgeben. "Wir wären mit einer Prozession vor das Landesamt gezogen", erzählte der Geistliche schmunzelnd. Was nach dreijährigem Hin und Her herauskam, ist ein Kompromiss: Das LfA fertigte auf eigene Kosten Kopien der Steine an und verbrachte sie wieder nach Crostwitz.

Für Franziska Frenzel-Leitermann ist der Fund nicht hoch genug einzuschätzen. "Es gibt aus dieser Zeit kaum schriftliche Zeugnisse. Wir sind also auf vergleichende Wissenschaften angewiesen, um herauszufinden, um welche Zeit es sich bei unseren Funden handelt." Ein sicheres Indiz für das Alter der Grababdeckungen seien die Kreuze, die darauf zu sehen sind. "Ganz typisch für das elfte und zwölfte Jahrhundert", wobei "Kreuzesdarstellungen auch immer etwas Überzeitliches haben". Die Möglichkeit, dass die Grabplatten erst nach Crostwitz gebracht und dann in die Fundamente eingearbeitet wurden, hält Frau Frenzel-Leitermann für höchst unwahrscheinlich, denn ähnliche Funde habe man schon in Sobrigau und Briesnitz gemacht.

Für die Crostwitzer Katholiken sind die alten Grabsteine nicht nur die Bestätigung einer langen christlichen Tradition in der Oberlausitz. Sie freuen sich auch über einen neuen Ort der Verehrung und des Gedenkens an jene, die hier schon vor Jahrhunderten den Glauben gelebt und weitergegeben haben.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 44 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 02.11.2007

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