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Bistum Dresden-Meißen

Auferstehung eines Klosters

In Riesa gibt es eines der ältesten Klöster der Region -Ersterwähnung vor 888 Jahren wird gefeiert

Der Südflügel des Riesaer Klosters (heute Rathaus) und die Klosterkirche.

Riesa (mh). Wer Riesa hört, denkt an Stahlindustrie, Sport und Teigwaren. Dass es in der Stadt aber eines der ältesten Klöster der Region gibt, ist bisher wenig bekannt. Am 30. Oktober jährt sich die Ersterwähnung des Klosters zum 888. Mal.

Um 1119 -wann genau, weiß man heute nicht mehr -ist im heutigen Riesa ein Kloster gegründet worden. Der Naumburger Bischof Dietrich I. gründete es, um ein geistliches und wirtschaftliches Zentrum für die an der Elbe gelegenen Besitzungen des Hochstiftes Naumburg zu schaffen und die nach Osten voranschreitende Expansion des Reiches zu unterstützen. Belegt ist die Gründung durch eine Urkunde, in der Papst Calixtus II. am 30. Oktober 1119 die Gründung bestätigte. Damit ist das Riesaer Kloster das älteste der historischen Mark Meißen. Die am 30. Oktober 1119 -also vor 888 Jahren -unterzeichnete Urkunde des Papstes ist in diesem Jahr Anlass für eine Jubiläumsfeier, die mit einer Festwoche vom 31. Oktober bis 7. November ihren Höhepunkt findet. Die Originalurkunde befindet sich in Weimar, wird aber in den nächsten Wochen im Riesaer Stadtmuseum zu sehen sein.

"Dass wir ein so bedeutendes Kloster haben, ist selbst vielen Riesaern nicht bekannt", gesteht Uwe Päsler von der Pressestelle der Stadt. Ein wichtiger Grund dafür ist die Vernachlässigung zu DDR-Zeiten. In den letzten zehn Jahren aber ist die Klosteranlage dem Dornröschenschlaf entrissen worden.

Die 1244 bis 1261 nach einem Brand im gotischen Stil wieder- aufgebaute Klosterkirche diente die ganze Zeit über als Gotteshaus. Seit der Reformation ist sie evangelisch. In der Gruft befinden sich zahlreiche Särge mit mumifizierten Leichnamen, die zu speziellen Terminen besichtigt werden können. Ein Flügel des Klosters, das nach der Ausweisung der letzten Nonnen 1544 Rittergut wurde, ist seit 1874 das Rathaus der Stadt. Die anderen Teile aber wurden als Lager genutzt oder waren gar dem Verfall preisgegeben. Seit 1995 wurden das Gelände aufwendig saniert. Und nun erstrahlen insbesondere der Kapitelsaal (mit Kreuzgewölbe und Ausmalung aus dem 16. Jahrhundert) und der Ostflügel mit Ratssaal und Gewölbekeller in neuem Glanz. Ein Gebäudeteil wird vom benachbarten Tierpark mitgenutzt. In drei Aquarien kann der Besucher das Unterwasserleben der Elbe studieren. Außerdem entstand ein Klostergarten. Damit haben die Riesaer ihr wichtigstes Baudenkmal nicht nur gesichert, sondern ihm einen Platz in der Stadt zuruückgeben. Und für die wachsende Zahl der Touristen gibt es einen neuen Anziehungspunkt.

Im neugestalteten Stadtmuseum spielt die wechselvolle Geschichte des Klosters eine wichtige Rolle. Hier wird in den nächsten Wochen auch ein thematischer Schwerpunkt gesetzt: So ist von Mitte November bis Ende März die Sonderausstellung "888 Jahre Ersterwähnung Kloster Riesa -Benediktiner in Sachsen" zu sehen. Es gibt darüber hinaus auch Projekte für Schulklassen und ein spezielles Führungsangebot. Die Christen der Stadt werden das Jubiläum am 29. Oktober feiern. Um 18 Uhr gibt es in der Klosterkirche eine ökumenische Dankandacht. Anschließend hält Dr. Siegfried Seifert (Bautzen) einen Festvortrag. Information: Riesa Information, Tel. 0 35 25 / 52 94 20; Internet: www.tourismus-riesa.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 25.10.2007

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