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Aus der Region

Gastbeitrag

Ein Verein in Heiligenstadt unterstützt Bischof Pickel

Benno Pickel berichtet in diesem Beitrag über einen kürzlich gegründeten Verein, der die Arbeit seines Bruders Clemens als Bischof in Russland unterstützt:

Sicher hat unsere Mutter darum gebetet, dass einer ihrer fünf Jungs Priester wird. Mit einem Bischof aber hat selbst sie nicht gerechnet. Als damaliger Kaplan von Kamenz hatte sich mein Bruder Clemens für drei Jahre freistellen lassen, um als Priester die katholische Kirche in Russland zu unterstützen. Aus den drei Jahren sind acht geworden und mit der Bischofsweihe 1998 war klar, dass er für immer in Russland bleiben würde.

Wenn er beschreiben soll, wie groß sein Bistum ist, sagt er: "wie Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen". Im Bistum St. Clemens leben etwa 21 900 katholische Christen, verstreut in 52 Gemeinden und doppelt so vielen "Außenstationen". Von den 43 Priestern sind 39 Ausländer. Ein Teil der etwa 70 Ordensschwestern stammt aus Russland und Kasachstan. Als Außenstehender macht man sich kaum Gedanken, wie die Arbeit in so einem Bistum finanziert wird, aus welchen Töpfen die Priester und Ordensleute ihren Lebensunterhalt bestreiten. "Von Kirchensteuern natürlich!", würden wir in Deutschland sagen. Nur gibt es die aber in Russland nicht. Mein Bruder muss sich Monat für Monat erneut darum sorgen, wie er den Schwestern und Priestern eine Unterstützung besorgen kann. Doch damit nicht genug. Nicht nur die Kleriker kommen zu ihrem Bischof, noch viel größer ist die Not in den Familien, bei den Menschen in den ländlichen Regionen. Unvorstellbar sind die Berichte von Familien, die auf den ungestrichenen Dielen ihrer Wohnungen sitzen, weil kein Geld für Möbel da ist. Manche bewältigen den stundenlangen Weg zur Kirche nur bei frostfreiem Wetter. Für den Winter fehlt entsprechendes Schuhwerk. Wer ins Krankenhaus muss, hat Verbandsmaterial und Medikamente selbst mitzubringen. Immer wieder gibt es Menschen, denen nach langer, schwerer Krankheit geholfen werden konnte, allein weil der Bischof die notwendigen Medikamente aus Deutschland besorgt hat. Ab und zu scherzte er: "Der Medikamentenvorrat in meiner Wohnung ist größer als der in den Apotheken der Stadt." Natürlich kommt keine Krankenkasse für die entstehenden Kosten auf.

Für Projekte wie den Bau von Kirchen, Pfarreiautos, Fortbildung, Jugendtreffen, die Religiöse Kinderwoche, die Ministrantenwerkwoche, die Pastoralkonferenzen ... wird natürlich um Unterstützung bei "Renovabis", "Kirche in Not" oder bei der Caritas gebeten. Die alltäglichen Dinge aber, für die keine Quittung und kein Verwendungsnachweis ausgestellt werden kann, müssen über immer wieder neu erbetene Spenden finanziert werden.

Das "deutsche Büro" für den Bischof von Saratow ist das Wohnzimmer unserer Eltern. Mutter ist 77, Vater ein Jahr jünger. Unermüdlich telefonieren sie für ihren Sohn, vervielfältigen auf ihrem kleinen Kopierer seine Briefe an Freunde und Wohltäter, kleben unermüdlich Marken auf die über 300 Umschläge, die sie zur Post tragen, in dem Wissen, dass sie damit nicht ihren Sohn, sondern die Menschen unterstützen, die Hilfe mehr als nötig haben. Wahrscheinlich würde niemand anderes als unsere Mutter so viel Geduld aufbringen, am Telefon sitzen, sich bedanken, von Russland erzählen. Und dennoch reicht das bisherige Engagement nicht. Abends, wenn wir allein sind, erzählt mein Bruder, wie schwer es einigen ausländischen Priester fällt, in seinem Bistum zu bleiben. Nach fünf bis zehn Jahren der Entbehrung sind sie ausgebrannt und ausgezehrt. Zwei sind inzwischen in ihre Heimatländer zurückgekehrt, weil sie über die Jahre alle ehemaligen Ersparnisse für ihre Gemeinden in Russland aufgebraucht hatten. Die Unterstützung von Hilfsorganisationen und aus der Heimat, sowie Kollekten reichten nicht aus, um die -im Vergleich zu Deutschland -nicht allzu hohen laufenden Kosten der Gemeinden zu tragen. Probleme gab es bisher mit Spendenquittungen. Für deutsche Finanzbehörden zählt eine Bestätigung von einem Bischof aus Russland nicht. Da kam uns die Idee mit dem gemeinnützigen Verein. Die sieben nötigen Mitglieder waren schnell gefunden. Der "Sankt Clemens" e.V. hat seinen Sitz in Heiligenstadt. Der Vereinszweck ist die Unterstützung der Arbeit der römisch-katholischen Kirche im Bistum St. Clemens, das Sammeln von Spenden für die Arbeit des Bistums und der Aufbau von Beziehungen deutscher Personen zu hilfsbedürftigen Menschen in Russland.

Kontaktadresse: "Sankt Clemens"

e.V., z. Hd. Benno Pickel, Lilienweg 12, 37308 Heilbad Heiligenstadt

Spendenkonto: "Sankt Clemens" e.V.,

Pax-Bank e.G., BLZ: 370 601 93, Konto: 500 4950 030

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 25.10.2007

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