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Glücklich ohne Sex, Macht und Geld?

Jesuitenpater Hermann Kügler spricht über Bedingungen für ein erfülltes Ordensleben

Jesuitenpater Hermann Kügler

Leipzig (un). Bei einer Veranstaltung des Leibnizforums der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen in Leipzig erklärte Jesuitenpater Hermann Kügler, wie ein christliches Ordensleben -"ein Leben ohne Sex, Macht und Geld" -glücklich machen kann.

Das Leben im Orden scheint nur noch wenige Menschen anzuziehen, zumindest sprechen die Zahlen von Pater Hermann Kügler eine deutliche Sprache: Gab es 1965 in beiden Teilen Deutschlands insgesamt noch etwa 100 000 Ordensleute, so sind es heute nur noch etwa 30 000, berichtete der Jesuit über den jährlichen Rückgang von etwa 1500 Ordensleuten in Deutschland. "Die Orden sind faktisch aus der Öffentlichkeit verschwunden", bedauerte Kügler.

Auf der anderen Seite beobachtet der Pastoralpsychologe, der die "Orientierung Leipzig" als Kontaktstelle der katholischen Kirche in der Messestadt leitet, dass Veranstaltungen in Klöstern oder Angebote wie "Kloster auf Zeit" "gerade eine Konjunktur erleben". Auch bei evangelischen Christen werde das Ordensleben heute wiederentdeckt. Die Taizé- Gemeinschaft nannte er dabei als populäres Beispiel.

Das Problem an der endgültigen Entscheidung für einen Orden sei die heutige Bindungsangst, meinte Kügler und zog einen Vergleich zur Eheschließung, die ebenfalls lebenslangen Bestand haben sollte. Ähnlich dem Eheversprechen wird auch beim Eintritt in den Orden ein Gelübde abgelegt, wonach die Ordensregel befolgt und nach dem Evangelium gelebt wird.

Damit dieses Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam auch von Dauer sein und zudem glücklich machen kann, müsse der Ordensmann oder die -frau verschiedene Bedingungen erfüllen, die der Psychologe in drei Thesen formulierte. Erstens sollte der Mensch einer "Berufung" folgen, also "eine Lebenswahl ohne vernünftige Zweifel für sich vorziehen aus hauptsächlich ‚übernatürlichen' Gründen". Zweitens sollte der Ordensmann oder die -frau "die Spannung zwischen der Ausrichtung auf Werte und der Befriedigung eigener Bedürfnisse auf konstruktive Weise leben". Und drittens sollte es gelingen, sich in verschiedenen Lebensbereichen wie Arbeit, Gebet, Gemeinschaft, Dienst, Ordnung, Schönheit ständig weiterzuentwickeln. Dabei sei das Gebet, gemessen an seiner Zeit und seiner Entwicklung, ein "Lackmustest" in der Frage, ob der Mensch zum Ordensleben "berufen" ist. Wenn die Bedingungen erfüllt seien, dann könne der Lebensentwurf Ordensmann beziehungsweise Ordensfrau glücklich machen im Sinne eines "beständigen, wertebasierten Glücks", sagte der Ordenspriester.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 42 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 18.10.2007

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