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Aus der Region

Anstiftung, christlich zu leben

Bücher über zwei starke Frauen: Mechthild von Magdeburg und Elisabeth von Thüringen

Hildegund Keul beim Vortrag

Mechthild-Expertin Hildegund Keul liest aus ihrem Buch "Mechthild von Magdeburg".

Von Eckhard Pohl. Mit einem Gedenkjahr wird derzeit an Mechthild von Magdeburg erinnert. Gleich zwei Bücher über starke Frauen wurden zum Auftakt im September in Magdeburg vorgestellt: "Mechthild von Magdeburg. Poetin - Begine - Mystikerin" und "Lebensorte - Lebenszeichen. Auf den Spuren von Mechthild von Magdeburg und Elisabeth von Thüringen".

"Worauf Gott seine Hoffnung setzt, das wage ich", heißt es bei Mechthild von Magdeburg. Auch Mechthild-Expertin Hildegund Keul ist ein Wagnis eingegangen, in dem sie als Herausgeberin des kleinen Pilgerbuches "Lebensorte -Lebenszeichen" die weithin geschätzte Elisabeth von Thüringen und die wenig bekannte Mechthild von Magdeburg zusammenführt -mit Erfolg. Mechthild und Elisabeth wurden 1207, also vor 800 Jahren geboren.

Das schöne, bibliophile Buch ist ein Projekt der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, deren Leiterin Privatdozentin Hildegund Keul ist. In drei Kapiteln stellt die Herausgeberin und Mitautorin Beiträge von zwölf Verfassern zu

Elisabeth und Mechthild nebeneinander: Zunächst sind die beiden Lebensgeschichten im Blick. Beide Frauen haben in jungen Jahren die tiefe Erfahrung von Gottes Liebe gemacht. Und sie wollen dieser Liebe und Güte Gottes gegenüber ihren Mitmenschen ein Gesicht geben, schreiben die Bischöfe Gerhard Feige, Magdeburg, und Joachim Wanke, Erfurt, in der Einführung zu dem kleinen Buch.

In einem zweiten Kapitel gehen vier Autorinnen Lebenszeichen und "Fragen unterwegs" nach. Irene Löffl er von der Frauenseelsorge in Bayern etwa macht deutlich, wie sehr zum Begine-Sein Mechthilds die gelebte Armut und wie sehr es zum Menschen gehört, sich nach der Vereinigung mit Gott zu sehnen. Die Oberzeller Franziskanerin Katharina Ganz aus Würzburg zeigt auf, dass sich Elisabeth aus Liebe zum Mensch gewordenen Gott "in der Todeszone der Gesellschaft" auf Augenhöhe mit den Menschen begibt. "In der heutigen globalisierten Welt", so die Ordensfrau, "provoziert Elisabeths Vorbild, die franziskanische Vision einer universalen Geschwisterlichkeit zu leben." Was heutige Menschen wieder am Pilgern fasziniert, hat die Frauenseelsorgerin Ursel Isensee aus Hamburg zusammengestellt. Und Hildegund Keul geht der Frage nach: Wozu braucht es heute Heilige?

Im dritten Kapitel wird auf die Lebensorte Mechthilds und Elisabeths und damit auch ins heutige Leben geschaut. Der Magdeburger Altbischof Leo Nowak etwa fragt, ob von Mechthild zu lernen ist, wie Menschen in einer weithin "religiös unmusikalischen" und stark von der Technik geprägten Welt Gottes Liebe nahegebracht werden kann. "Mechthild hatte keine Hemmungen, sehr persönlich und gleichzeitig öffentlich von Gott zu sprechen", so Nowak. Mechthild mache deutlich, und dies sei "unerhört": "Gott wirbt um den Menschen, er will bei den Menschen sein."

Jedem dieser Kapitel oder Pilgeretappen, wie es im Buch heißt, ist eine kurze Hinführung vorangestellt, die den Leser ein Stück an die Hand nimmt. Fragen zum eigenen Nachdenken, Impulse für die Spurensuche an den Lebensorten der beiden Frauen, Gebete, ein Literaturverzeichnis und praktische Hinweise für den Besuch der Pilgerorte ergänzen das Buch. Zudem fi nden sich Schwarz-Weiß- Fotos und zwei Landkarten.

Auch im Buch "Mechthild von Magdeburg. Poetin - Begine - Mystikerin" orientiert sich Autorin Hildegund Keul an den Lebensorten Mechthilds, der Burg, der Stadt Magdeburg, dem Kloster Helfta. Dabei untersucht sie unter anderem, wie Mechthild zur Poetin und Mystikerin wird und geht dabei auch auf die Bedeutung der Erotik in Mechthilds Werk "Das fließende Licht der Gottheit" ein: "Das Erotische ihrer Sprache verweist ...auf einen inneren Zusammenhang von Transzendenz und Ekstase, Religion und Erotik."

Anhand des Buches Mechthilds verfolgt die Autorin die Frage, welche Themen Mechthild an ihren Lebensorten bewegen und welche Positionen sie in den Debatten ihrer Zeit vertritt. Dabei zeigt sich für Hildegund Keul die Aktualität der Fragen im Heute: "In einer Zeit des Umbruchs, wo sich in Gesellschaft und privatem Leben, in Kultur und Kirche tiefgreifende Veränderungen vollziehen, sind ihre visionäre Spiritualität sowie ihre neuen Formen der Gottesrede weiterführend. Weil Menschen nach neuen Lebenswegen fragen und nach Erfahrungen suchen, die sowohl sinnlich als auch geistreich sind, gewinnt die Frage nach Religion und Erotik Aktualität. Wo die Schere zwischen Armut und Reichtum immer weiter auseinander geht, da ist die Frage nach Armut und Spiritualität ein Zukunftsthema."

"Mit der Veröffentlichung ihrer Schrift bezieht Mechthild in einer Reihe strittiger Fragen Position: die Verwendung der Volkssprache, die Autorität der Frauen in Gottesfragen, die Armut des Evangeliums. ... Sie weicht ihnen nicht aus. ... Mystik ist jene Tradition des Christentums, die Erfahrungen von Ohnmacht nicht verschweigt und deswegen Machtfragen offen thematisiert", so Frau Keul. Bei der Vorstellung des Pilgerbuches "Lebensorte -Lebenszeichen?" hieß es und dies lässt sich auch auf "Mechthild von Magdeburg" übertragen: Das Buch will anstiften, sich selbst auf den Weg zu machen. Genau das braucht es heute mehr denn je.

Hinweis

Keul, Hildegund (Hg.): Lebensorte -Lebenszeichen. Auf den Spuren von Mechthild von Magdeburg und Elisabeth von Thüringen; Matthias-Grünewald-Verlag Ostfildern 2007; 136 Seiten; ISBN 3-7867-2675-3; 12,90 Euro

Keul, Hildegund: Mechthild von Magdeburg. Poetin - Begine - Mystikerin; Herder-Verlag Freiburg 2007; 192 Seiten; ISBN 3- 451-29355-2; 16,90 Euro

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 42 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 18.10.2007

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