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Bistum Görlitz

Gemeinschaft, die Halt gibt

Christliche Eisenbahner aus ganz Deutschland trafen sich in Cottbus

Auf Entdeckungsreise: Christliche Eisenbahner erkundeten die Lausitz.

Cottbus (ks/tdh). Einmal im Jahr treffen sich die christlichen Eisenbahner zu einem bundesweiten Seminar. Diesmal im Cottbuser St.-Johannes- Haus.

Es ist schon ein besonderes Völkchen. Immer wenn andere ihren wohlverdienten Feierabend genießen, sich zu Familienfesten treffen oder den Sonntagsgottesdienst feiern, stehen sie auf dem Stellwerk oder auf der Lok verantwortlich ihren Mann oder ihre Frau. Das schweißt zusammen. In dieser besonderen beruflichen Situation bilden sie eine kollegiale Gemeinschaft, die es sonst kaum gibt -die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Eisenbahner (ACE).

Die christlichen Eisenbahner treffen sich regelmäßig zu Einkehrtagen, zu Gemeinschaftsnachmittagen, Wallfahrten und einmal jährlich deutschlandweit zu einem mehrtägigen Seminar.

In diesem Jahr luden die Cottbuser Christlichen Eisenbahner in das St.-Johannes-Haus ein. Aus Aachen, Frankfurt/Main, Stuttgart, vom Chiemsee und natürlich aus Cottbus waren um die 50 ehemalige und aktive Eisenbahner gekommen, für die der Cottbuser Ullrich Constantin ein vielseitiges Programm erarbeitet hatte. Bei Busfahrten durch die Stadt und in die Umgebung lernten die weit gereisten Gäste die Lausitz kennen. Der Spreewald, die Muskauer Waldeisenbahn, ein Braunkohlentagebau waren einige der Ziele, die großen Anklang fanden.

Die Teilnehmer fachsimpelten miteinander und tauschten Erinnerungen aus. Im Mittelpunkt stand aber der gemeinsame Glaube. Jeder Tag begann mit einem kleinen Morgenimpuls in der Kapelle des St. Johannes-Hauses. Michael Delens aus Stolberg bei Aachen, ehemaliger Diakonatshelfer, stellte zum Beispiel seine Morgenandacht unter das Thema: "Dieser Tag ist dir geschenkt!" Ein anderer Morgenimpuls hatte den Frieden zum Thema. Nach den Tagen mit dem sehr abwechslungsreichen Programm kehrte bei der Abschlussmeditation, gehalten von Pfarrer Matthias Grzelka, große Ruhe und Innerlichkeit ein. Pfarrer Grzelka deutete die für Eisenbahner gebräuchlichen Fachbegriffe aus christlicher Sicht. Die "ausgefahrenen Gleise" "Signalbedeutungen" "Weichenstellung", "Züge" -alles bekam einen neuen Sinn.

In großen Pausen zwischen den dazugehörigen Lichtbildern gingen die Gedanken ins persönliche Leben, in die Begegnung mit Gott. Viele Eisenbahner finden nach jahrzehntelanger Schichtarbeit erst nach ihrem Berufsleben wieder eine Verbindung zum Glauben und zum regelmäßigem Gottesdienstbesuch.

Vor über 40 Jahren im Bistum Speyer aus der Arbeiter- und Betriebsseelsorge, als loser Verband, ohne Satzung, Statut und Mitgliedsbeiträge hervorgegangen, fühlen sich heute rund 1000 christliche Eisenbahner aus ganz Deutschland der ACE verbunden. Sie unterhalten Kontakte mit ähnlichen Verbänden in ganz Europa. Erich Zürn (76) aus einem kleinen schwäbischen Ort bei Stuttgart erzählt: "In der Vereinzelung als christlicher Eisenbahner lebend, gab mir die ACE mit den Freundschaften zu Gleichgesinnten immer wieder Halt".

Die abschließende heilige Messe wurde zu einem Bekenntnis zur Ökumene. Pfarrer Grzelka lud alle, die nicht zur heiligen Kommunion gehen konnten ein, nach vorn zu kommen und sich einen Segen als Zeichen der Verbundenheit spenden zu lassen.
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 40 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 04.10.2007

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