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Aus der Region

In den Kranken Christus pflegen

Die selige Ordensgründerin Maria Merkert und die Schwestern von der heiligen Elisabeth

Zwei Schwestern von der heiligen Elisabeth an einem Info-Stand

Zwei Schwestern von der heiligen Elisabeth an einem Info-Stand

Am 30. September 2007 wurde im schlesischen Nysa (Neisse) die Mitgründerin und erste Generaloberin der Schwestern von der heiligen Elisabeth, Maria Merkert (1817-1872), seliggesprochen. Ein Gespräch mit der Provinzoberin der Kongregation in Deutschland, M. Dominika Kinder (59), Berlin.

Schwester Dominika, warum braucht die Welt eine seliggesprochene Maria Merkert?
Eine berechtigte Frage. Die Welt braucht die Seligsprechung von Maria Merkert wie die von anderen Christen, weil an ihnen deutlich wird, was passieren kann, wenn Menschen sich wirklich auf Gott einlassen: Maria Merkert hat dies getan. Sie hat Großes in Bewegung gesetzt, Menschen begeistert, viel Mut, Einsatz und Durchsetzungskraft gezeigt.
Was bewegt eine Ordensgemeinschaft, die Seligsprechung einer ihrer Gründerinnen zu betreiben?
Die Seligsprechung wurde von uns Schwestern - viele von uns sind in Polen zu Hause - und vom Erzbischof des Bistums Opole (Oppeln) angestrebt. Sie erfüllt uns mit Freude, weil daran deutlich wird, dass jemand aus unseren Reihen von der offiziellen Kirche für würdig gehalten wird, schon bei Gott zu sein, dass es einer von uns bei allen Schwächen und Fehlern gelungen ist, heiligmäßig zu leben. Das scheint zwar heute von kaum jemandem angestrebt zu werden, doch ist es eigentlich Auftrag jedes Christen. Die Seligsprechung macht uns deutlich, dass es einer Frau mit unserem Charisma gelungen ist, den Weg zu Gott zu finden, und auch Vorbild zu sein.
Worin besteht das Charisma und Anliegen Maria Merkerts und der Grauen Schwestern?
Sr. Maria Dominika Kinder Anliegen unserer Gründerinnen war es, in den Armen und Notleidenden Christus zu dienen. Clara Wolff, von der die Initiative für unser Engagement ursprünglich ausging, schreibt einmal: "Wir pflegen in den Kranken die wunden Glieder am Leibe des göttlichen Heilands." Am Anfang stand die ambulante Pflege, später haben sich die Schwestern auch um Kinder gekümmert und dann vor allem Kranke in Hospitälern gepflegt. Als es nötig war, verwundete Soldaten zu versorgen, hat Maria Merkert Schwestern in die Lazarette geschickt. Oft haben die Schwestern bis an die Grenze ihrer Kräfte gearbeitet, zum Beispiel oft Nachtwachen gehalten. Dabei haben sie immer gehofft, nicht nur dem Leib der Menschen etwas Gutes zu tun, sondern sie auch in der Seele zu erreichen, ihnen durch ihr Tun Gottes Liebe nahezubringen. Maria Merkerts Charisma und das vieler Schwestern war es auch, weltliche Probleme in den Griff zu bekommen, ja selbst gegenüber der Kirche loyal zu sein und dennoch Anliegen durchzusetzen.
Was war über Jahrzehnte das Attraktive des Ordens, das so viele Frauen Graue Schwester werden ließ?
Man muss sicher sagen: Schwester zu sein war eine Möglichkeit, sich als gläubige Frau in der Welt zu engagieren, etwas zu bewirken über eine Familie hinaus. Das war sonst kaum möglich. Die Schwestern konnten mit Recht sagen: Wenn wir nicht zu den Kranken gehen, geht niemand hin. Ähnliche Phänomene gibt es heute etwa in Afrika.
Heute sind die meisten Ihrer Mitschwestern hierzulande in betagtem Alter. Nur ganz wenige Frauen treten in einen sozial engagierten Orden ein. Wie gehen Sie als Schwestern damit um?
Unter uns herrscht keine Resignation, auch wenn es natürlich nicht einfach ist. Vor zehn Jahren war es schlimmer. Wir durchleben als Gemeinschaft eine Situation, die jeder Einzelne gegen Ende seines Lebens durchleben muss. Die Schwestern wissen, dass das, was sie über Jahrzehnte aufgebaut haben, andere weiterführen. Froh sind wir über unsere Apostolatsgemeinschaft St. Elisabeth, der 120 Christen in sieben Gruppen, zum Beispiel in Halle, in Reinbek oder Hofheim angehören.
Was macht diese Gemeinschaft aus?
Das sind Frauen und auch Männer, die in unterschiedlicher Weise an unsere Häuser gebunden sind. Viele engagieren sich für unsere immer älter werdenden Schwestern. In Polen arbeiten die Mitglieder mit Schwestern an gemeinsamen Projekten. Viele sind im sozialen Bereich tätig. Wir bieten ihnen regelmäßig geistliche Begleitung zum Beispiel mit Rundbriefen und Einkehrtagen an.
Die Notwendigkeit, Kranke selbst zu Hause zu pflegen, nimmt (auch wegen der gewollten kurzen Verweildauer in den Kliniken) wieder zu ...
Ich hoffe und glaube, dass sich bei wachsender Not wieder Christen finden werden, die wie unsere Schwestern dieser Situation entgegentreten, etwa, indem sie nur halbtags für Geld arbeiten und darüber hinaus unentgeltlich für Kranke da sind. Wenn die Gesellschaft als Ganze nicht teilen lernt, werden hoffentlich wieder Menschen aufstehen, um etwas für die Armen und Schwachen zu tun.

Interview: Eckhard Pohl

Mehr Infos: www.schwestern-vdhl-elisabeth.de

Einige Zahlen

Zum Beispiel in Brasilien engagiert

Weltweit gibt es 1650 Schwestern von der heiligen Elisabeth. 1300 Frauen der Kongregation leben in Polen. Zirka 40 sind in den skandinavischen Ländern zu Hause, weitere 40 (in fünf Niederlassungen und im Generalat) in Italien. Darüber hinaus gibt es Schwestern in Brasilien (vier Niederlassungen), Bolivien, Israel (Jerusalem), in Litauen und Tschechien (in beiden Ländern über die kommunistische Zeit hinweg), in Russland (vier Niederlassungen), der Ukraine (drei) sowie in Georgien (zwei).

Die Gründerin In Deutschland leben knapp 350 Schwestern in 19 Niederlassungen vorwiegend im Osten und Norden des Landes. Sie sind im Durchschnitt 70 Jahre alt. Seit 2003 gibt es nur noch eine Provinz in Deutschland mit Sitz in Berlin. Die Schwestern sind rechtlich in einem Verein zusammengeschlossen.

Trägerin der acht Krankenhäuser und zwei Altenpflegeheime der Schwestern in Deutschland ist die Katholische Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth mit Sitz in Reinbek bei Hamburg (www.kwa-reinbek.de). Größte Klinik ist das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle. Weitere Kliniken gibt es in Reinbek und Berlin-Tempelhof, Dresden, Euthin, Kiel, Lahnstein und Magdeburg. Altenpflegeheime führt die Katholische Wohltätigkeitsanstalt in Halberstadt und Hofheim (Taunus).

Lebensdaten

Maria Louise Merkert wird am 21. September 1817 in Neisse (Schlesien) geboren.

1842 beginnt sie dort mit Clara Wolff, Franziska Werner und Mathilde Merkert gemeinsam zu leben und ambulant Kranke zu pflegen. Die Frauen stellen ihr Werk und ihren Verein unter den Schutz des Herzens Jesu.

Trotz Anerkennung in der Bevölkerung gibt es ab 1846 Widerstände von kirchlicher Seite. Die Frauen werden gedrängt, sich den Borromäerinnen anzuschließen, die vor allem Kranke in Kliniken pflegen.

1850 beginnen Maria Merkert und Franziska Werner erneut mit der ambulanten Betreuung. Bald nennen sie sich "Graue Schwestern von der heiligen Elisabeth".

1859 erhält ihr Verein die kirchliche Anerkennung. Es gibt 60 Schwestern in elf Niederlassungen. Maria Merkert wird erste Generaloberin.

1864 werden den Schwestern die Körperschaftsrechte (Katholische Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth) bewilligt.

Ab 1866 werden Mitschwestern ins Ausland (zunächst Skandinavien) gesandt. Besonders liegt Mutter Maria auch der Einsatz in der Diaspora am Herzen (Eröffnung von Niederlassungen in Sachsen, Berlin, Hamburg).

1871 wird die Ordensgemeinschaft päpstlich anerkannt.

Maria Merkert stirbt am 14. November 1872 im Ruf der Heiligkeit. Die Kongregation zählt 440 Schwestern in 87 Niederlassungen. (1939 erreicht die Gemeinschaft mit 4400 Schwestern ihre höchste Mitgliederzahl.)

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 39 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 26.09.2007

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