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Bistum Görlitz

"Wir gehören zusammen"

Vetschauer Gemeinde feierte 110-jährige Kirchweihe / Gemeindefusion hat sich bewährt

Bürgermeister Müller (links) und Pfarrer Grzelka

Vetschau (as). Mit einem festlichen Wochenende beging die Gemeinde in Vetschau am 22. und 23. September das 110- jährige Bestehen ihrer Kirche.

Die Glocken werden mit der Hand geläutet, alles ist liebevoll vorbereitet, und am Abend sitzen sie in gemütlicher Runde zusammen und singen die alten Lieder. Mitten in der Diaspora scheint die katholische Welt noch in Ordnung. 110 Jahre ist es jetzt her, dass die der Heiligen Familie gewidmete Kirche in Vetschau geweiht wurde. Und das feierte die Gemeinde mit ihren Gästen kräftig -Christen aus Calau und Lübbenau, die zur größer gewordenen Pfarrei gehören, sowie frühere Pfarrer sind gekommen, um dabei zu sein.

Langsam füllt sich das Gotteshaus am Vorabend des Kirchweihfestes -die Vetschauer hatten zu einer besinnlichen Stunde eingeladen. Eine Jugendband aus Lübbenau sorgt für die musikalische Umrahmung. Der Blick in die Chronik ist anders als gewohnt -es ist keine moderne Technik aufgebaut, und Bilder gibt es auch nicht zu sehen. Dafür hören die Besucher "Geschichten aus der Geschichte", Zeitzeugenberichte, Ernstes und Kurioses. Man muss aufmerksam sein und zuhören können, um zu verstehen. Fast nicht mehr wahr sind die Zeiten, als der Pfarrer noch mit dem Fahrrad unterwegs war und die schlesischen Flüchtlinge völlig erschöpft nach einer neuen Bleibe suchten.

Für Bürgermeister Axel Müller (SPD) ist die Teilnahme an der Feier ein besonderes Anliegen. "Die Kirchengemeinden sind für ein Gemeinwesen eminent wichtig", ist das Stadtoberhaupt überzeugt. Christen gestalteten die Gesellschaft aktiv mit, im Haupt-, vor allem aber im Ehrenamt. Zusammen mit Pfarrer Matthias Grzelka bringt der Bürgermeister ein Schild an, das die katholische Kirche jetzt auch offiziell im Stadtführer ausweist. "Die Kirchengemeinden haben den kommunalen Gemeinden in der Verwaltung und in der Bereitschaft, sich zu verändern, einiges voraus", spielt Müller auf die geplanten Gebietsreformen in Brandenburg an, die nur schleppend vorangehen.

Veränderungen haben die Vetschauer Katholiken in der Tat schon hinter sich. Seit dem 31. Dezember 2006 sind die Pfarrkuratien Calau und Vetschau aufgelöst und gehören nun zur Pfarrei Heilige Familie Lübbenau. Ein leichter Weg war dies allerdings nicht, wie Dorothea Richter unumwunden zugibt. "Wir wussten einfach nicht, was da auf uns zukommt." Wie soll das Gemeindeleben konkret aussehen? Wie können sich die kleinen Gemeinden einbringen, wenn sie überhaupt noch eine Bedeutung haben? Wo liegen die "Spareffekte" bei einer Zusammenlegung? -Fragen, die die Christen damals vor allem beschäftigten. "Gott sei Dank sind unsere anfänglichen Befürchtungen nicht eingetroffen", freut sich Martina Schneider, die heute für die Vetschauer im Pfarrgemeinderat sitzt. "Wir gehen sehr rücksichtsvoll miteinander um." Manfred Quinte, Kirchenvorstand in Lübbenau, konnte die Bedenken der Vetschauer gut verstehen. Aber: "Wir gehören nun zusammen. Und wir wollen die Zukunft gemeinsam gestalten." Dazu zählen nicht nur die Feiern, sondern auch die Ökumene. Den Festgottesdienst am Sonntag gestaltete der ökumenische Kirchenchor musikalisch. Am Ende werden sogar die Vermeldungen für die anwesenden evangelischen Christen verlesen -die Diaspora macht's möglich.

Den weitesten Weg in den Spreewald hatten neun Christen aus der Partnergemeinde St. Stephanus in Aalen-Wasseralfingen (Diözese Rottenburg-Stuttgart). Die Partnerschaft kam nach der Wende durch die Pfarrer der Gemeinden zustande. "Wir haben eine Gemeinde gesucht, die durch den Bergbau geprägt ist. Bei uns wurde früher Eisenerz abgebaut, viele Gemeindemitglieder waren Bergleute", erklärt Ulrike Ludas. Die Schwaben sind von der Lausitz angetan. Während nach der Wende die Initiative von den Pfarrern ausging, wird die Partnerschaft heute durch persönliche Freundschaften getragen. Die nächste Einladung für die Vetschauer ins "Ländle" steht schon: Im nächsten Jahr feiert St. Stephanus 125-jähriges Kirchweihjubiläum.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 39 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 26.09.2007

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