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Bistum Erfurt

Worte Jesu sind ein Weckruf

Elisabeth-Wallfahrt / Kardinal Kasper: Leben Elisabeths ist ein Kommentar des Evangeliums

Dicht an Dicht standen die Wallfahrer und Wallfahreinnen auf dem Domplatz.

Erfurt /Weißensee (jak). Über 20 000 Menschen kamen zur Bistumswallfahrt im Elisabeth- Jahr nach Erfurt. Und Tausende nahmen an den Burgengottesdiensten zur Eröffnung teil, so in Weißensee auf der Runneburg.

"Vergessen wir es nicht: Elisabeth gehörte zum Hochadel ihrer Zeit. Sie war eine reiche Frau. Wir würden heute sagen: Sie gehörte zu den ,besser Verdienenden', den oberen Zehntausend! Und doch -als es darum ging, im Land die Hungernden zu speisen, hat sie alles dreingegeben. Sie hat ihren Reichtum nicht gehortet. Ja, sie war reich -und war im Herzen doch arm geblieben." Mit diesen Worten in seiner Predigt wies Bischof Joachim Wanke auf das Leitwort "Von der Liebe bewegt -Macht für andere" des Burgengottesdienstes in Weißensee hin, den Wanke zusammen mit dem rumänischen Bischof Petru Gherghel aus Iasi und zahlreichen Erfurter Priestern feierte.

Weiter stellte er heraus, dass die Macht nicht negativ besetzt sein muss. Wanke sagte: "Aber es muss eine Macht sein, die sich für das Wohl der Menschen einsetzt, die freisetzt und nicht niederdrückt und entmündigt und die sich Gott verantwortlich weiß. Denn nur so erkennt sie ihre wirkliche Bestimmung und ihre eigenen Grenzen."

Bischof Wanke sagte mit Blick auf die Spiritualität der Heiligen weiter: "Elisabeth und Jesus sind miteinander geistig verwandt. Elisabeth lebte unter den Bedingungen ihrer Zeit das, was Jesus uns im Evangelium rät: Dem Vater im Himmel in seinem Handeln ähnlich zu werden." Allerdings seien die Worte Jesu nicht in kleine, handliche Lebensrezepte aufzulösen. "Sie sind keine Gesetzesparagrafen. Sie sind ein Weckruf. Sie wollen Wegweisung sein für die Richtung, in die wir gehen und leben sollen", betonte Wanke. Elisabeth war zudem den Pilgern in Weißensee besonders nahe. Alexander Fürst von Sayn-Wittgenstein- Sayn hatte das Armreliquiar der Heiligen mitgebracht.

Der zentrale Wallfahrtsort war dann Erfurt, wo sich bereits in der Nacht zirka 5000 Frauen und Männer auf einen Pilgerweg von der Barfüßerkirche über den Fischmarkt hin zu den Domstufen machten. Musikalisch gestaltet wurde die Feier von der Katholischen Kantorei Gera, dem Vocalkreis Gotha und von Saxophonisten aus Leinefelde-Worbis.

Auf dem Erfurter Domplatz hatten sich am frühen Morgen des 16. September weit über 20 000 Wallfahrerinnen und Wallfahrer -darunter zwei Kardinäle, 21 Bischöfe und zahlreiche Priester -versammelt, um gemeinsam Gott Dank zu sagen für das Geschenk der heiligen Elisabeth. Das Pontifikalamt leitete der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper aus Rom. Im Vorfeld wies Kasper im Rahmen eines Pressegesprächs darauf hin, dass Elisabeth ein Orientierungspunkt für Menschen von heute ist. Zudem sei ihr Leben und ihre Botschaft ein Beitrag zur Ökumene, da ihr gesamtes Leben ein guter Kommentar des Evangeliums ist. In seiner Predigt betonte Kardinal Kasper, dass die Heiligen heute auf Notwendiges hinweisen. Er sagte: "Elisabeth straft alle die Lügen, die meinen, mit dem Christentum schnell fertig sein zu können. Sie zeigt, dass Christentum und Christsein nicht in dem aufgeht, was man empirisch an ihm wahrnehmen kann. Ein authentisches, nicht verbürgerlichtes Christentum ist damals wie heute eine immer wieder neu faszinierende Überraschung." Elisabeth, so Walter Kasper weiter, lebte das Neue und immer wieder Überraschende des Evangeliums. Genug Zeit zum Austausch darüber gab es beim anschließenden festlichen Markt der Begegnungen auf dem Domplatz, wo sich die Dekanate mit ihren Initiativen und zahlreichen Verbänden, Orden und Gemeinschaften vorstellten. Zum Abschluss der Wallfahrt begann um 14 Uhr eine Feierstunde, an der Bundespräsident Horst Köhler (Seite 17) teilnahm. Bischof Joachim Wanke betonte dabei, dass Menschen, die die erbarmende Liebe erfahren, immer mit Gott in Berührung kommen. Berührungen, die viele Christen vor Ort erst möglich machen. Der Erfurter Bischof sagte: "Überall, wo Lasten mitgetragen, Leid gemildert, Schuld vergeben, Versöhnung ermöglicht, eben, wo barmherzig gehandelt wird, wird Gott verherrlicht -und darin der Mensch groß gemacht. Wenn das die Früchte des Elisabeth-Jahres sind, dann hat es sich gelohnt dieses Jahr zu feiern. Amen."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 19.09.2007

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