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Menschen blühen auf

60 Jahre "Kirche in Not": Im Blickfeld stand die Situation der Kirche in Russland

Podiumsgespräch über das Christentum in Russland

Dresden(dw). Die katholische Kirche in Russland werde auf absehbare Zeit auf die Solidarität des Westens angewiesen sein, sagte der Russland-Experte von "Kirche in Not", Peter Humeniuk, vergangenen Sonntag in Dresden bei einer Veranstaltung zum 60-jährigen Bestehen des Hilfswerks.

Die katholischen Christen des Landes profi tierten kaum von dem wachsenden Reichtum des Landes, der sich auf eine Bevölkerungsminderheit in Zentren wie Moskau und St. Petersburg konzentriere, konstatierte Humeniuk.

Unter anderem unterstützt "Kirche in Not" Projekte in der Diözese Südrussland. Der dort zuständige Bischof Clemens Pickel wies in einem Podiumsgespräch unter der Überschrift "Das Christentum: Russlands Erbe -Russlands Zukunft?" auf die nachhaltigen Zerstörungen durch den sowjetischen Kommunismus hin. Nicht nur der Glaube, sondern die gesamte Kultur habe gelitten. "Inkulturation" sei für die katholischen Priester in Russland nicht allein schwierig, weil sie fast alle Ausländer seien, sondern mehr noch wegen des vorherrschenden kulturellen Vakuums. Unter anderem erinnerte der aus dem Bistum Dresden-Meißen stammende Bischof an den hohen Alkoholmissbrauch und die Abtreibungsraten, die zweieinhalb mal höher als der Weltmaßstab seien. Sowohl für die orthodoxe Kirche als auch für die katholische sei es ein langwieriger Prozess, den Glauben in Russland wieder einzupfl anzen. Zaghaft und unter großen Anstrengungen beginne er jedoch an vielen Orten zu wachsen, erzählte der Bischof. In den Gesprächen mit den Seelsorgern, die sie zu Hause besuchten, erlebten Menschen oft zum ersten Mal in ihrem Leben, dass jemand sich für sie interessiere und sie persönlich wertschätze: "Sie fangen an aufzublühen und entdecken eine Art Mensch zu sein, die sie vorher nicht kannten."

Er richte sein Augenmerk in erster Linie auf die Seelsorger, die als Ausländer unter den dortigen Lebensumständen viel Kraft bräuchten, sagte Clemens Pickel. Die Pfarreien über Wasser halten zu können, sei nicht zuletzt eine Frage des Geldes. Die Priester seiner Diözese müssten durchschnittlich 50 000 Kilometer im Jahr zu ihren Außenstationen fahren. Ein russisches Auto halte diese Belastung in der Regel nur zwei Jahre lang aus. Zwei Priester aus Deutschland, die ihn in seiner Diözese eigentlich für längere Zeit unterstützen wollten, mussten vorzeitig zurückkehren, weil ihre Ersparnisse aufgebraucht waren.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 12.09.2007

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