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Bistum Magdeburg

Eine Nacht der Sinne und der Besinnung

Halle: Gemeinden luden zur Kirchennacht ein

Halle (ep) - Diese Nacht war anders als eine gewöhnliche Sommernacht in Halle: In dieser Nacht waren "alle Kirchen auf" und die Stunden bis 24 Uhr und darüber hinaus wurden für die vielen Menschen, die in der Saalestadt unterwegs waren, zu einer Zeit der Begegnung und der Sinne, zu einem Fest für Ohren, Augen, Gefühl und Geist.

Zur ersten Nacht der Kirchen in Halle und Umgebung hatten am vergangenen Samstag mehr als 30 Kirchgemeinden in ihrer Gotteshäuser eingeladen. Motto: "Nachts sind alle Kirchen auf." Geöffnet waren die Kirchen der katholischen und evangelischen Gemeinden, aber auch die Syna-goge, für die sich besonders viele interessierten, sowie die Konzerthalle Ulrichskirche. Unter dem Motto "Neu und reizvoll" hatte etwa die Gemeinde Maria Königin in Halle-Dölau zu Musik und Texten, zur Besinnung, zu Gesprächen am Feuer und zur Vorstellung ihrer Kirche gebeten. Am Ende des Abends stand dann das kirchliche Nachtgebet. Die evangelische Gemeinde Halle-Neustadt hatte unter anderem die Kinder zu einem orientalischen Märchen eingeladen Zirka 40 Mädchen und Jungen und ebenso viele Erwachsene kamen dazu in das kleine Gotteshaus. In der Propsteikirche St. Franziskus und Elisabeth musizierte unter großem Interesse der Stadtsingechor. Besichtigt werden konnte die frisch restaurierte orthodoxe Hauskirche des Herrn und der Auferstehung Christi in den Franckeschen Stiftungen. Gemeinsam mit den Kirchen veranstalten die Franckeschen Stiftungen in diesem Jahr in Halle das "Jahr der Religion" (Tag des Herrn berichtete.) und hatten in diesem Rahmen zu der Kirchennacht eingeladen. Zielgruppe sollten vor allem Menschen sein, denen Religion und Glaube fremd sind.

Kirche als ein "Feuerwerk der Sinne" gerade solchen Gästen zu präsentieren, die in punkto Kirche wenig bewandert sind, hatte sich die Heilig-Kreuz-Gemeinde vorgenommen. Mit verschiedenen Brot- und Weinsorten wurden die Besucher am Lagerfeuer vor dem Gotteshaus willkommen geheißen. In der Kirche selbst erläuterte Pfarrer Gerhard Packenius Interessierten sinnenhafte Aspekte gottesdienstlichen Tuns, angefangen von Brot, Wein und Kerzen über das Wasser bis hin zu Weihrauch und Öl, mit dem - wie einst die Könige und Propheten - alle Neugetauften als Zeichen ihrer Würde gesalbt werden. Viele der Anwesenden ließen sich einladen, an einem meditativen Tanz in der Kirche teilzunehmen.

"Wir müssen erst einmal für uns klären, was wir unseren nicht christlichen Mitmenschen eigentlich vermitteln wollen", sagte Pfarrer Packenius gegenüber dem Tag des Herrn. Solche grundsätzlichen Überlegungen habe er im Vorfeld des "Jahrs der Religion" und im Besonderen vor der Nacht der Kirchen weitgehend vermisst. "Unsere Gottesdienstpraxis ist für Nichtchristen einfach zu fremd, so dass es uns nicht wundern darf, wenn Ungetaufte dazu keinen Zugang finden", unterstrich Comboni-Missionar Robert Sot-tara. Insofern biete eine solche Kirchennacht eine echte Chance.

"So eine Nacht könnte es öfter mal geben", war immer wieder von Leuten zu hören, die nicht aktiv in einer Gemeinde engagiert sind. Karin Schäck etwa bedauert, dass die Gotteshäuser in Halle meist verschlossen sind. "Der Abend bietet die Gelegenheit, sich zu informieren und zu erleben, wie Menschen aufeinander zugehen." Es sei wohltuend, freundlich angesprochen zu werden, wie sie es an diesem Abend schon erlebt habe. Winfried Lauda, katholischer Christ: "Mir gefällt, dass sich die Gemeinden in dieser netten Weise vorstellen. Vielleicht denken viele Nichtchristen, dass nur alte Omas in die Kirche gehen. Da ist so ein Abend eine gute Möglichkeit."

Positiv "überrascht" über den gelungenen Abend äußerte sich auch Pfarrer Reinhard Kroker von St. Norbert. Seine Gemeinde im Nordbereich Halles hatte zu einem musikalisch-besinnlichen Angebot und zum Gespräch eingeladen. Chor, Männerschola, eine Bläsergruppe, Organistin und eine Flötistin boten ein vielseitiges Programm. Es stieß bis in den späten Abend hinein auf viel Interesse von Menschen, die nicht zur Pfarrei gehören und die davon erfahren hatten: "In dieser Nacht sind alle Kirchen auf."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 31.08.2001

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