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Bistum Görlitz

Fremde hereinholen

Die Bistumswallfahrt richtete den Blick nicht nur in die Vergangenheit

Unter den Wallfahrern: Bischof Konrad Zdarsa, rechts: Generalvikar Hubertus Zomack.

Neuzelle (as). Mit Gott geht's doch weiter -auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Vertrauen statt Resignation, Offenheit statt Abgrenzung. Das war die Botschaft der Bistumswallfahrt am 2. September.

Langsam füllt sich die Stiftskirche in Neuzelle. Es sind mehr gekommen als sonst -zum ersten Mal feiert Bischof Konrad Zdarsa den Gottesdienst. Viele wollen sich aber auch daran erinnern, dass sie vor 60 Jahren nach Neuzelle gepilgert sind. Die Zeiten haben sich geändert. Und es mag so manchen geben, der wehmütig zurückblickt, in eine Zeit als die Klosterkirche noch mit tausenden von Jugendlichen gefüllt war.

Bischof Konrad Zdarsa macht in seiner Wallfahrtspredigt jedoch Mut, nach vorn zu blicken -wenn es auch oft scheint, als ob es mit Gott "eben nicht weitergeht". Globalisierung, soziale Verunsicherungen und immer kleiner werdende Gemeinden geben eher Anlass zur Sorge. Das Wallfahrtsmotto "Mit Gott geht's weiter" dürfe jedoch kein "kleinmütiger Optimismus" sein. Der Bischof rief die Gemeinden dazu auf, sich auch für Außenstehende zu öffnen. Nicht spektakuläre Auftritte oder Events würden die Menschen überzeugen, sondern zuwendende Aufmerksamkeit denen gegenüber, die nicht "in unsere vertrauten Gesprächskreise oder in die Gottesdienste kommen." Die Sorge dürfte "nicht nur unseren eigenen Gemeinden und unserem Bistum" gelten, sondern allen Menschen, die "uns täglich in den Schulen, in den Betrieben begegnen und die Auskunft von uns erwarten über die Hoffnung, von der wir reden."

Ein buntes Programm wartete auf die Wallfahrer nach dem Gottesdienst. Rund um die Kirche präsentierten sich Vereine und Verbände und gaben etwas von der Vielseitigkeit preis, die im Bistum trotz der kleinen Zahlen herrscht. Theologiestudentin Katja Wöhle aus Görlitz hat die Ausstellung vorbereitet, die an die ersten zehn Jahre der Wallfahrt erinnert -viele kamen, um Rückschau zu halten. Felix Lamprich aus Drebkau ist 1949 zum ersten Mal nach Neuzelle gefahren -mit dem Fahrrad. Beeindruckend sei die Lichterprozession gewesen, die damals rund um den Klosterteich führte. Auch die Störungsversuche der Lehrerstudenten 1958 hat er miterlebt. "Es war eine schwierige Situation."

Doch der Blick wendet sich nicht nur rückwärts. Wie es in der Diaspora mit Gott weitergehen kann, zeigte ein neues Wallfahrtsstück, dass Edzard Bertram aus Görlitz geschrieben hat. Die Christen von "Alldorf" sind sich nicht einig, ob sie in diesem Jahr auf Wallfahrt gehen: Es sind keine Leute mehr da, es gibt keinen eigenen Pfarrer mehr und die anderen scheinen entmutigt. Nach langem Hin und Her wird deutlich: Wenn man ankommen will, muss man selbst aufbrechen, auch wenn es nicht so ist, wie es immer war. Eine Überraschung wartete am Schluss auf die Pilger, denn die Altbischöfe Bernhard Huhn und Rudolf Müller traten als Instrumental- und Gesangsduo auf. Die Wallfahrt hat froh gestimmt: "Mit Gott geht's weiter. "

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 36 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 06.09.2007

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