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Bistum Magdeburg

Das schlichte Vertrauen steckt an

Diözesan-Jugendseelsorger Stefan Hansch lernte Kinderseelsorge in Brasilien kennen

Die Kinder werden regelmäßig von den Helfern der Kinderpastoral im Wiegesitz gewogen. Fotos: Stefan Hansch Magdeburg (sth/ep) - In Brasilien engagiert sich die Kirche in besonderer Weise für Kinder: 251 000 Helfer setzen sich für bessere Lebensbedingungen ein und laden die Menschen zugleich zu geistlichen Angeboten ein. Diözesan-Jugendseelsorger Stefan Hansch lernte die Kinderpastoral kennen.

Angesichts von hoher Kindersterblichkeit (noch immer drei Prozent) und verbreiteter Unterernährung in Brasilien begann die Kinderärztin Zilda Arns-Neumann (Schwester des Erzbischofs von São Paulo, Kardinal Dom Paulo Evaristo Arns) auf Bitten der brasilianischen Bischöfe 1983 mit dem Aufbau eines Netzwerkes der Kinderpastoral (pastoral da crianca). Diese Form der Seelsorge ist eine Mischung aus sozialer Hilfe und geistlicher Begleitung. Heute hat sich diese Weise christlichen Engagements über viele Länder Lateinamerikas, aber auch in Afrika (Mocambique, Angola) und Asien (Osttimor, Phillipinen) ausgebreitet. Diözesan-Jugendseelsorger Stefan Hansch konnte die Kinderpastoral in den Gemeinden von Padre Gerlucio de Medeiros kennenlernen.

Soziale Hilfe und geistliche Begleitung

Der Priester Gerlucio ist Kinderpastoralverantwortlicher der Diözese Caico im Nordosten Brasiliens und Pfarrer in den Kleinstädten Sao Fernando und Timbauba. In dem Bistum besuchen ausgebildete Helfer monatlich die sozial schwachen Familien. Regelmäßig werden deren Kinder gewogen, um Unterernährung vorzubeugen. Werdende Mütter werden auf die Geburt und Erziehung ihrer Kinder vorbereitet. Gesundheitliche Vorsorge und therapeutische Maßnahmen besonders für Familien und Alleinerziehende mit Kindern bis zum sechsten Lebensjahr werden durch spirituelle Angebote ergänzt.

Als Jugendseelsorger Hansch in Timbauba eintraf, versammelten sich die Kinder. Zuerst wurden sie in einem Wiegesitz gewogen. Danach gab es einen kleinen Empfang mit Liedern, Luftballons und Süßigkeiten. Am Abend wurde Gottesdienst gefeiert. Anschließend zeigte eine Capoeira-Gruppe brasilianische Tanzkampfkunst, die aus der ehemaligen Sklavenkultur stammt.

Hansch: "Ich war immer wieder angerührt von der Herzlichkeit und der Kombination von Einfachheit, Zufriedenheit und Freude dieser Nordestinos, wie man die Bewohner des trockenen brasilianischen Nordostens nennt."

Beeindruckende Herzlichkeit und Einfachheit

Auch im benachbarten Ouro Branco ist die Kinderpastoral der Kirche aktiv. Lenilson de Acevedo ist aktives Mitglied der 3000-Bewohner- Gemeinde und sorgt mit seiner Frau Luana und anderen für Kinder und Jugendliche. Ihr Traum ist der Umbau einer alten Reisfabrik zu einem Kultur- und Bildungszentrum mit Theater-, Musik- und Tanzgruppen. "Die Jugendlichen sollen hier verwurzelt bleiben und nicht in den Süden abwandern ...", wünscht er sich. "Wir wollen sie fördern und ihnen eine Zukunft hier in unserer Stadt, ermöglichen..." erzählte Lenilson Pfarrer Hansch bei der Besichtigung der alten Reisfabrik.

"Es gibt viel Not in diesem riesigen, ehemaligen Kolonialstaat", so Hansch im Rückblick. "Wenige sind reich, aber eine große Masse bedürftig. Und es gibt Menschen, die sich wirklich engagieren für Gerechtigkeit und die Linderung der Not, gegen den Filz von Korruption und organisiertem Verbrechen. Diese haben einen Traum und brauchen unsere Hilfe."

Hansch übergab bei seinem Besuch Padre Gerlucio und Lenilson 1200 Euro. Das Geld war beim Festgottesdienst des Kolpingbildungswerk Hettstedt im November 2006 gesammelt worden. "Mitgebracht", so Hansch, "habe ich das unbezahlbare Vertrauen, dem ich dort begegnet bin, denn das steckt an, und die Einfachheit der Menschen, von der wir uns in der deutschen Kirche ,eine Scheibe abschneiden' können."


Informationen
Mehr Infos: www.pastoraldacrianca.org.br
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 30.08.2007

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