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Es spielt keine Rolle, ob wir vier sind oder sechs

Aktiv in der Kirche: Markus Reinecke in Eisenhüttenstadt

In der Diaspora: Markus Reinecke Eisenhüttenstadt (kh) - "Ich wehre mich noch ein bisschen gegen den totalen Niedergang", sagt Markus Reinecke. Der 21-Jährige ist Jugendsprecher der Don-Bosco-Jugend in Eisenhüttenstadt - seit einigen Jahren aber nur inoffiziell. Zu den Wahlen, so erklärt er, seien nie genügend Jugendliche gekommen, um eine gültige Abstimmung durchzuführen. Auch bei den Jugendstunden am Freitagabend sind es meist nur vier oder fünf. "Es ist auch schon vorgekommen, dass ich alleine dagesessen habe", ergänzt Markus.
Dennoch will er die Jugend nicht einfach so aufgeben. Für die Jugendstunden im kommenden Schuljahr hat er bereits 15 Einladungen verschickt, denn für ihn steht fest: "Jeder Mann zählt. Es spielt eine Rolle, ob wir nur vier sind oder sechs."
In der Tat haben die katholischen Jungen und Mädchen - zumindest was ihr sportliches Können betrifft - keinen Grund, sich geschlagen zu geben. Das haben sie vor zwei Jahren bei einem Volleyballturnier bewiesen, bei dem sie vor elf evangelischen Mannschaften den ersten Platz belegten. "Ich glaube, die meisten evangelischen Teams haben gar nicht gewusst, dass wir katholisch sind", meint Markus und lacht.
Er selbst fühlt sich aber - allein schon aufgrund seiner Erziehung - stark in der katholischen Kirche verwurzelt. Eine gemeinsame Jugendstunde mit der evangelischen Jungen Gemeinde könnte er sich nicht vorstellen. Nach ihren jeweiligen Jugendstunden treffen sich die Jugendlichen beider Konfessionen jedoch gern. Ab kommendem Schuljahr wollen sie zudem einmal im Monat zusammen Volleyball spielen.

Markus ist aufgefallen, dass er im Vergleich zu den evangelischen Mädchen und Jungen seiner Heimatstadt mehr Gleichaltrige der eigenen Konfession aus anderen Orten kennt. Gelegenheit, solche Kontakte zu knüpfen, fand er zum Beispiel auf Jugendwallfahrten oder im Neuhausener Don-Bosco-Haus. Markus fährt dorthin mit seinem Freund und Namensvetter Markus Haustein. Die beiden sind im Bistum als "Markus und Markus" bekannt.

Mit Jugendlichen aus den Nachbarorten Guben und Neuzelle kommen die Eisenhüttenstädter regelmäßig bei Veranstaltungen der Dekanatsjugend zusammen. Dazu gehören beispielsweise der Jugendkreuzweg, der Maisprung - eine Radtour am 1. Mai - sowie die Dekanatsjugendmessen und der Dekanatsfasching.

Ein besonderes Ereignis steht demnächst in Markus' Heimatgemeinde, der Pfarrkuratie Heiligstes Herz Jesu, an: Am 28. Oktober wird Bischof Rudolf Müller dort die Firmung spenden. Einer der Firmlinge ist der Eisenhüttenstädter Maler, Grafiker und Holzschnitzer Karl-Heinz Scharf, der von der evangelischen zur katholischen Kirche übergetreten ist. Zur Vorbereitung auf den Empfang dieses Sakraments hat er zusammen mit knapp 20 Jugendlichen eine Figur des Apostels Johannes aus Holz geschnitzt.

Markus fände es schön, wenn er auch für die musikalische Gestaltung des Firmgottesdienstes möglichst viele Jungen und Mädchen zusammenbekäme. Im Singen haben sie schon ein wenig Übung: Früher trugen sie geistig behinderten Männern und Frauen ab und zu Weihnachtslieder vor.

Mit Behinderten will Markus auch beruflich arbeiten. Im Herbst beginnt er sein Heilpädagogikstudium in Berlin. Die Jugendarbeit in Eisenhüttenstadt möchte er vorerst noch weiterführen, bevor er sie an Jüngere abgibt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 31.08.2001

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